1. April 1955 // Artikel
Kim Il Sung // Über die Liquidierung des Bürokratismus

Über die Liquidierung des Bürokratismus

1. April 1955

Bericht auf der Plenartagung des Zentralkomitees der Partei der Arbeit Koreas


Quelle: Kim Il Sung, Gesammelte Werke, Band 9


Genossen!

Die Hauptaufgabe unserer Partei auf der gegenwärtigen Etappe besteht darin, die Volksmassen zu mobilisieren und so die US-imperialistischen aggressiven Kräfte aus Südkorea zu verjagen, die Verräterclique um Syngman Rhee zu stürzen sowie die Vereinigung des Vaterlandes auf demokratischer Grundlage und seine volle Unab­hängigkeit zu erreichen.

Von dieser Hauptaufgabe ausgehend, organisiert und mobilisiert unsere Partei das ganze Volk, führt heute den Aufbau des Sozialismus im nördlichen Landesteil durch und entfaltet damit den Kampf für die weitere politische, wirtschaftliche und militärische Festigung der demokratischen Basis, die das reale Unterpfand für die Vereinigung des Vaterlandes ist.

Eine derart wichtige Aufgabe, die vor unserer Partei steht, fordert dringender denn je, die organisierende und führende Rolle der Partei zu verstärken sowie ihre Kampfkraft zu erhöhen, die Verbindung der Partei mit den Massen enger zu gestalten, die Leitungstätigkeit der Partei- und der Staatsorgane für den Wiederaufbau der Volkswirtschaft zu verbessern und zu aktivieren. In diesem Kampf ist für unsere Partei die Frage ihrer Führungsmethoden und des Arbeitsstils der Kader besonders wichtig.

Da die Linie und die Politik der Partei richtig sind und die Maß­nahmen zu ihrer Verwirklichung sachgemäß ausgearbeitet wurden, hängt nun die erfolgreiche Arbeit von den Methoden der praktischen Tätigkeit der Funktionäre und davon ab, wie sie die Massen für diese Arbeit mobilisieren.

Wenn die Funktionäre unserer Partei- und Machtorgane bei der Verwirklichung der Parteibeschlüsse einen falschen Arbeitsstil und falsche Arbeitsmethoden anwenden und es nicht verstehen, die Massen für diese Arbeit zu mobilisieren, dann bringen all die richtigen politischen und organisatorischen Maßnahmen unserer Partei keinen Nutzen. Deshalb ist die Verbesserung der Führungsmethoden der Partei und des Arbeitsstils der Kader eine der für uns wichtigsten Aufgaben.

Seit den ersten Tagen ihrer Gründung führt unsere Partei einen unermüdlichen Kampf gegen den falschen Arbeitsstil in der Partei, für die Durchsetzung der richtigen Führungsmethoden der Parteifunktionäre. Diese Frage wurde insbesondere in der bekannten Februarrede in der Zeit des Krieges berührt und auf vielen Plenartagungen beraten, und so wurde der Kampf für die Liquidierung des Bürokratismus entfaltet.

Dieser Kampf erfolgte jedoch nicht Tag für Tag und systematisch, sondern wurde überwiegend in Form einer Art Kampagne geführt. Als Ergebnis ist der falsche Arbeitsstil der Kader bis auf den heutigen Tag nicht ausgemerzt. In den Partei- und Machtorganen von oben bis unten zeigt sich in verschiedenen Formen ein schädlicher, volksfeindlicher Arbeitsstil; das ist ein großes Hindernis bei der erfolgreichen Durch­führung der Politik der Partei und bei der Festigung der Verbindung unserer Partei mit den Massen.

Um welchen ernsten Mangel im Arbeitsstil, der sich bei manchen Funktionären bis auf den heutigen Tag gehalten hat, handelt es sich denn? Das ist der Bürokratismus.

Der Bürokratismus – das ist eine volksfeindliche Herrschafts­methode der herrschenden Klassen in der feudalen und kapitalistischen Ordnung, mit der die Volksmassen – die absolute Mehrheit – unter­drückt werden sollen. Deshalb ist der Bürokratismus ein schädlicher Arbeitsstil, der in unserer volksdemokratischen Ordnung, in der das Volk die Macht ausübt, keineswegs zu dulden ist.

Der Bürokratismus bedeutet im buchstäblichen Sinne des Wortes beamtenhaftes Handeln, und das ist eine Ursache, die die Partei von den Massen trennt. Deshalb sind bei der revolutionären Sache, die unsere Partei durchführt, bürokratische Handlungen in keiner Weise zulässig. Die Revolution ist eine Sache für die werktätigen Massen, bei der man sich auf die werktätigen Massen stützt, eine Sache für die Verteidigung der Interessen der Werktätigen, für die Vernichtung aller ungerechten Ordnungen, in denen das werktätige Volk unterdrückt wird, und für die Freiheit und das Glück der werktätigen Massen. Kann denn diese revolutionäre Sache mit einer volksfeindlichen Herrschaftsmethode, mit dem Bürokratismus, verbunden werden, einer Methode, die Verrat an den Massen, die Loslösung von den Massen und die Verteidigung der Interessen der herrschenden Klassen, einer Handvoll Leute, bedeutet? Die Revolution wird für das Volk geführt, der Bürokratismus jedoch richtet sich gegen das Volk. Und aus diesem Grunde hat der Bürokratismus bei der Revolution nichts zu suchen.

Warum handeln jedoch einige unserer Parteifunktionäre weiterhin bürokratisch? Das ist deshalb so, weil sie bisher immer noch nicht begriffen haben, daß der Kampf für die Verteidigung der Interessen der revolutionären Massen der grundsätzliche Ausgangspunkt der Politik unserer Partei ist.

Da unsere Partei eine Partei ist, die den Kampf für die Interessen der Massen führt, muß die Parteiverbundenheit jedes Partiemitglieds bei der Organisierung und Durchführung jeder Arbeit auf der Grundlage der richtigen Einstellung zu den Massen ihren Ausdruck finden. Trotzdem handeln manche Parteimitglieder dieser revolutionären Einstellung zu den Massen zuwider, verstoßen häufig gegen die Interessen der Massen und lösen sich von ihnen und fügen mit diesen bürokratischen Handlungen der revolutionären Sache Schaden zu.

Heute vergißt so mancher Funktionär, daß unsere Volksmacht- und Parteiorgane Institutionen sind, die den Interessen der revolutionären Massen und des Volkes dienen; sie betrachten die Volksmacht- und Parteiorgane als eine Behörde aus der Zeit des alten Korea oder des japanischen Imperialismus und stellen sich die Arbeit in diesen Organen nicht als Tätigkeit zum Wohle des Volkes vor, sondern als Beamtendienst in Behörden. Bei ihnen sind verschiedene schlechte Angewohnheiten zu beobachten; Kommandeure benehmen sich wie Offiziere des alten Regimes, Mitglieder der Organe des Innern wie die früheren Polizisten, Mitarbeiter der Staatsorgane führen sich wie Würdenträger auf, und Funktionäre der Parteiorgane machen sich mit ihren Befugnissen wichtig. Solche Leute sind in unseren Partei- und Machtorganen zu Bürokraten geworden und nicht zu wahren Dienern des Volkes.

Der Bürokratismus ist eine Erscheinungsform der verfaulten rückständigen Ideologie, ein Erbe der Vergangenheit, des Feudalsystems der Ri-Dynastie und der Herrschaft des japanischen Imperialismus. Der Bürokratismus ist nicht nur unserer revolutionären Sache wesensfremd, sondern ist auch unvereinbar mit ihr. Nicht wenige Parteimitglieder erlauben sich jedoch bürokratische Handlungen, die der revolutionären Arbeit zuwiderlaufen und völlig unvereinbar mit ihr sind, ungeachtet dessen, daß sie beim Eintritt in die Partei geschworen haben, für die Interessen der Partei und der Revolution zu kämpfen, ohne ihr Leben, ihr Hab und Gut zu schonen.

In welchen Formen kommt nun der Bürokratismus in vielen Arbeitsbereichen unserer Partei- und Staatsorgane hauptsächlich zum Ausdruck? Er zeigt sich in verschiedenen Formen, am häufigsten bei der Leitungsarbeit der oberen Organe, das heißt bei denjenigen, die, wie man so sagt, oben sitzen. Ihr bürokratischer Arbeitsstil äußert sich hauptsächlich darin, daß sie sich wichtig machen, weil sie oben sitzen, daß sie ihre Sache nicht bis ins einzelne studieren, keine ehrlichen Bemühungen bei der Arbeit zeigen, sich nicht für ihre Sache vor der Partei und vor dem Staat verantwortlich fühlen und nur nachlässig arbeiten, wobei sie von den Positionen der Partei abweichen.

Manche Funktionäre, die auf hohe Posten gestellt worden sind, halten sich deshalb für besondere Wesen, sind eingebildet und wollen aufs Geratewohl arbeiten, anstatt ihr politisch-theoretisches und fachliches Niveau zu erhöhen. Solche Leute sind der Ansicht, daß ihnen ihre Posten vom Schicksal übertragen wurden, sie lernen nicht, arbeiten nachlässig und überschätzen sich.

Manche Leute studieren und analysieren nicht gründlich ihre Tätigkeit; anstatt die Meinung der Genossen anzuhören, die tatsächliche Lage der unteren Ebenen zu untersuchen und danach wirksame Maß­nahmen für die Lösung der Fragen festzulegen, erledigen sie die Dinge nur formal oder willkürlich, indem sie hartnäckig auf ihrer subjektiven Meinung beharren. Solche formalen und eigenmächtigen Verfügungen über eine Sache rufen schließlich Unordnung und Schwierigkeiten bei der Arbeit der unteren Ebenen hervor und bereiten den Nährboden dafür, daß die Funktionäre der unteren Ebenen von den revolutionären Arbeitsmethoden abweichen und sich von den Massen lösen.

Manche Funktionäre, die ruhmsüchtig sind und ehrgeizig nach höheren Posten streben, trachten lediglich danach, sich bei den Vorgesetzten ins gute Licht zu setzen, und was mit den Massen geschieht, kümmert sie nicht; um ihrer eigenen Karriere willen machen sie vor nichts halt. Solche Leute geben wegen ehrgeiziger und karrieristischer Ziele das Unerledigte als erledigt aus, erklären Unmögliches für möglich und geben gewöhnlich frisierte Berichte. Diese Leute schmeicheln sich bei den Vorgesetzten ein, unterdrücken die Unterstellten, leisten alle Arbeiten unkorrekt und bemühen sich nicht, sie sachgemäß zu organisieren. Die Liebediener spekulieren darauf, daß sie durch Speichelleckerei bei einflußreichen Personen ihren Posten halten, ihre Karriere sichern und sich für immer dieser einflußreichen Personen bedienen können. Schließlich besteht zwischen den Liebedienern und denen, die Liebedienerei dulden, kein Unter­schied. Die Arbeit zu scheuen, zu liebedienern und auf Kosten anderer zu leben – das waren übliche Erscheinungen in der alten Gesellschafts­ordnung; in unserer heutigen Gesellschaftsordnung hingegen sind sie auf jeden Fall unzulässig.

Unsere Partei ist die avantgardistische Organisation der werktätigen Massen, ausgerüstet mit der fortschrittlichen Theorie und den Kenntnissen von den Gesetzen des Klassenkampfes. Sie ist eine marxistisch-leninistische Partei, die die Arbeiterklasse und das gesamte werktätige Volk auf dem Weg zur Verwirklichung der großen Aufgaben unserer Revolution führt und die das als ihre grundlegende Pflicht betrachtet. Unsere Partei kann ihre revolutionären Aufgaben nur dann erfüllen, wenn sie mit den Massen die gleiche Luft atmet, wenn sie deren Interessen verteidigt, die Massen um sich und um die Regierung zusammenschließt und sie für die bewußte Teilnahme am revolutionären Kampf mobilisiert.

Manche unserer Parteifunktionäre sind jedoch von diesen grundlegenden Arbeitsmethoden der Partei abgewichen, greifen zu äußerst schädlichen Methoden, indem sie befehlen, kommandieren, eigenmächtig handeln, ohne die Interessen der Massen zu beachten. Als Ergebnis kommt es nicht selten vor, daß sich die Massen von der Partei und der Regierung lösen.

Naive Parteifunktionäre versuchen, die Autorität der Partei zu mißbrauchen und auf diese Weise Parteiarbeit zu leisten, und versäumen, die ihnen von der Partei gestellten Aufgaben zu erfüllen. Solche Parteifunktionäre sitzen nur in ihren Sesseln und erteilen Befehle, anstatt sich darüber zu informieren, ob die Politik der Partei erfolgreich verwirklicht wird, und die Arbeit entsprechend zu organisieren sowie Fehler rechtzeitig zu korrigieren. Als Ergebnis werden sie von den Funktionären der unteren Ebenen nicht als ihre wahren Leiter akzeptiert, sondern als Menschen betrachtet, vor denen sie sich fürchten. Naturgemäß halten die Unterstellten es nicht für notwendig, sich an sie zu wenden. Daraufhin werfen diese Funktionäre wieder den Unterstellten vor, daß sie keine Parteiverbundenheit haben, weil sie nicht zu den Parteiorganen kommen, und treiben Mißbrauch mit der Autorität der Partei. Nur wenn die Parteifunktionäre die Arbeit sachgemäß anleiten, wird dem Ansehen der Partei kein Schaden zugefügt und wenden sich die Parteimitglieder vertrauensvoll an die Parteiorgane. Die Parteiorgane, in denen Funktionäre keine gute Arbeit für die Anleitung leisten, in welcher Angelegenheit auch immer, werden sich niemals Ansehen erwerben, und niemand wird sich an sie wenden wollen.

Manche Parteifunktionäre, die die von den Machtorganen erlassenen Anweisungen für wenig effektiv halten, geben eigenmächtig schrift­liche Parteidirektiven über administrativdienstliche Fragen heraus. Direktiven der Partei haben als solche nur dann Wert, wenn sie den Machtorganen Hinweise für ihre Arbeit geben und wenn sie mobili­sierenden und analysierenden Charakter haben. Wenn irgendwelche Organe Direktiven als die der Parteiorgane ausgeben, können diese

Direktiven keine Wirkung erzielen.

Andere Parteifunktionäre wieder gehen bei der Organisierung der Parteiarbeit, besonders bei der Kontrolle, mit Methoden von Kriminalisten und Polizisten vor, drohen, erpressen und bestrafen willkürlich Genossen, anstatt die Parteimitglieder zu erziehen, ihre Mängel zu kritisieren und zu korrigieren und ihnen bei der Arbeit wirklich zu helfen. Deshalb gibt es nicht wenige Fälle, daß man die Parteimitglieder bei der Parteikontrolle einschüchtert und daß sie diese Kontrolle fürchten und sie für eine unangenehme Sache halten. Infolgedessen sagen viele von ihnen bei der Kontrolle nicht die Wahrheit, und deshalb können die Parteiorgane, die tatsächliche Lage in den unteren Ebenen nicht kennenlernen.

Außerdem ist bei einigen Mitgliedern unserer Partei häufig festzustellen, daß sie die konkreten Bedingungen ihrer Arbeit nicht berücksichtigen, die Beschlüsse der Partei- und der Machtorgane nicht sorgfältig studieren und aus diesem Grunde den Anordnungen jedes beliebigen Vorgesetzten blindlings nachkommen, unabhängig davon, ob diese Anordnungen richtig oder falsch sind, ob sie der Politik und den Beschlüssen der Partei entsprechen oder nicht. Diesen Funktionären geht die revolutionäre Selbständigkeit verloren, sie befinden sich im Banne der Psychologie von Söldlingen und fühlen keine Verantwortung für die Angelegenheiten der Partei und des Staates.

Es gibt auch Subjekte, die, obwohl in ihren Artikeln oder Werken und in ihrer Arbeit Fehler zu finden sind, die Kritik der anderen unterdrücken, ihnen den Mund verbieten, wobei sie ihre Dienststellung mißbrauchen. Solche Handlungen fügen der voranschreitenden Bewegung unserer Partei größten Schaden zu.

Manche Leute machen sich sehr gern wichtig. Obwohl sie nichts wissen, stellen sie sich als Kenner hin, obwohl es mit ihnen nicht weit her ist, geben sie sich als klug aus; sie interessieren sich nicht für die Staats- und Parteiarbeit, sind nur mit ihren persönlichen Angelegen­heiten beschäftigt, schreiben sich Verdienste zu, die andere vollbracht haben, sind bei der Arbeit und auf Versammlungen nicht aktiv genug, suchen jedoch jede Gelegenheit zu einem Gelage und zeigen lediglich dabei großen Eifer.

Es gibt Leute, die gewöhnlich keinerlei Interesse an der einen oder anderen Arbeit bekunden und sie nicht studieren, wenn jedoch jemand einen konstruktiven Vorschlag macht, dann erklären sie sofort, daß ihnen das alles schon bekannt sei, und anstatt einen Vorschlag zu akzeptieren und ihn in der Praxis auszunutzen, ignorieren sie die guten Vorschläge.

Manche Leute haben keine wirklichen Fähigkeiten, sind inaktiv und nur bestrebt, hohe Posten einzunehmen.

Alle diese Erscheinungen sind ein Ausdruck von Bürokratismus, mit dem sich unsere Partei nicht abfinden darf. Welche negativen Ergebnisse bringt nun solch ein schädlicher Arbeitsstil?

Er entstellt die Politik der Partei, untergräbt ihre Kampfkraft, schafft enorme Hindernisse für die Verwirklichung ihrer richtigen Linie und hintertreibt die Weiterentwicklung unserer Partei.

Der Bürokratismus setzt die Autorität der Partei- und der Machtorgane herab, isoliert unsere Partei von den Volksmassen und hindert damit die Partei an der Erfüllung ihrer ehrenvollen revolutionären Aufgaben.

Wir dürfen derartige Erscheinungen nicht länger dulden. Wir müssen beharrlich kämpfen, um den bürokratischen Arbeitsstil endgültig auszumerzen. Wir müssen die Ursachen des Bürokratismus deutlich erkennen und ihn konsequent mit dem Ziel ausmerzen, die Arbeit der Partei- und Machtorgane zu verbessern, die Verbindung dieser Organe mit dem Volk weiter zu festigen und die Volksmassen noch fester um die Partei zusammenzuschließen.

Wo liegen die Ursachen des Bürokratismus?

Wie allen bekannt ist, sind die sozialen Ursachen für den Bürokratismus im wesentlichen liquidiert, denn der dem ganzen Volk gehörende staatliche Sektor dominiert in der Volkswirtschaft unseres Landes absolut, und das von der Arbeiterklasse geführte Bündnis der Arbeiter und Bauern ist die entscheidende gesellschaftliche Kraft im ganzen Leben des Staates. Der Bürokratismus äußert sich als Einfluß der kapitalistischen Elemente, die noch in der ökonomischen Struktur unseres Landes existieren, sowie als Überbleibsel des überholten ideologischen Bewußtseins aus der Zeit der Herrschaft des japanischen Imperialismus; die ideologische Ursache des Bürokratismus liegt im Individualismus und Egoismus, im Karrierismus, im Untertanengeist eines Söldlings usw. Nicht wenige unserer Funktionäre haben sich noch nicht von solchen feudalen und bürgerlichen Überbleibseln in der Ideologie befreit, und es ist ihnen faktisch nicht klar, daß die Interessen der Revolution und der Partei über ihren persönlichen Interessen stehen, die Revolution der Kampf der Volksmassen ist, es dabei einzig und allein um ihre Befreiung und ihr Glück geht und daß die Partei die Revolution nur verwirklichen kann, indem sie sich auf die Volksmassen stützt.

Ferner setzt sich ein großer Teil der Kader unserer Partei aus jungen Parteimitgliedern mit geringen revolutionären Erfahrungen zusammen, die die Leitungsmethoden nicht beherrschen und nicht fähig sind, die Massen richtig und auf revolutionäre Weise zu führen. Aus diesem Grunde haben manche von ihnen, obwohl sie subjektiv für die Revolution sind, mitunter eine leichtsinnige Einstellung zur Arbeit, geringschätzen die Massen und fügen infolgedessen der Partei- und Staatsarbeit Schaden zu.

Eine Ursache dafür sind auch die Mängel, die früher in der Kaderpolitik unserer Partei vorhanden waren. Wir haben überhaupt wenig revolutionäre Kader mit Erfahrungen aus dem langen revolutionären Kampf. Die besten Eigenschaften der erfahrenen revolutionären Kader bestehen darin, daß sie in der Vergangenheit im Laufe vieler Jahre, jedwede Schwierigkeiten überwindend, alles in ihrer Kraft Stehende einzig und allein im Kampf für die Interessen der Revolution und des Volkes einsetzten, daß sie sich durch grenzenlose Ergebenheit zur Revolution und durch unerschütterliche Prinzipienfestigkeit auszeichnen sowie die moralischen Eigenschaften eines bescheidenen und einfachen Revolutionärs haben. Auch dieser kleine Teil der revolutionären Kader wurde jedoch nicht richtig eingesetzt, und unter dem Vorwand, sie seien „alt und unfähig“, schenkte man ihnen keine Aufmerksamkeit.

Es ist gut, wenn junge Kader mit Funktionen betraut werden, aber etliche Parteiorgane setzten sie ohne gründliche Überlegung auf höhere Posten ein, begnügten sich mit deren Arbeiterherkunft, erzogen sie nach deren Beförderung überhaupt nicht und überließen sie sich selbst und führten auf diese Weise die Arbeit mit den Kadern prinzipienlos durch. Die Vernachlässigung der ideologischen und politischen Kriterien sowie die Berücksichtigung nur der fachlichen Seite bei der Auswahl der Kader haben dazu geführt, daß die Reihen der Kader mit unerfahrenen Genossen aufgefüllt wurden, die von der revolutionären Arbeit nichts verstehen; schließlich wurden mitunter Verantwortungslosigkeit in der Partei- und Staatsarbeit sowie Beeinträchtigung der Interessen der Massen hervorgerufen.

Als Ergebnis des prinzipienlosen Einsatzes von Kadern auf höheren Posten sind nicht wenige von den Funktionären, die im Vaterländischen Befreiungskrieg Heroismus bekundeten, gestählt und erprobt wurden, unbeachtet geblieben. Diese revolutionären Kader sind bei der Bildung mancher Bezirks-, Stadt- und Kreisparteikomitees beiseitegeschoben worden, und die örtlichen Parteikomitees bestehen in den meisten Fällen aus politisch wenig erfahrenen Funktionären.

Das ist eine der Ursachen dafür, daß der Bürokratismus in den Partei- und den Machtorganen nicht liquidiert, sondern im Gegenteil sogar gefördert wurde.

Eine weitere wesentliche Ursache dafür, daß der Bürokratismus nicht konsequent ausgemerzt ist, besteht darin, daß unsere Partei keinen entschiedenen Kampf gegen diesen schädlichen Arbeitsstil geführt und es versäumt hat, bei unseren Kadern einen revolutionären Arbeitsstil herauszubilden, ihnen die edlen Eigenschaften von Revolutionären anzuerziehen und die wissenschaftlichen, marxistisch-leninistischen Leitungsmethoden zu vermitteln.

Unsere leitenden Funktionäre in zentralen Stellen haben die Kontrolle, die Leitung und die Hilfe der Funktionäre in den örtlichen Organen auf der Grundlage einer richtigen Analyse der Mängel, die bei der Verwirklichung der Politik der Partei entstehen können, ungenügend durchgeführt und damit zugelassen, daß die Funktionäre der örtlichen Organe sich auch weiterhin an ihren schädlichen Arbeitsstil klammern, anstatt ihn zu korrigieren.

Gleichzeitig führen manche unserer Parteifunktionäre gemeinsam mit den Verwaltungsfunktionären lediglich administrative Kampagnen durch und übernehmen die Arbeit der Verwaltung, weil sie nicht begreifen, daß die Parteiarbeit in den Organen der Volksmacht und den gesellschaftlichen Organisationen darin besteht, den dortigen Funktionären das politische Ziel der betreffenden Angelegenheiten zu erläutern, sie zur bewußten Beteiligung zu bewegen und damit den Erfolg bei der Lösung der Aufgaben zu sichern. So kam es, daß die Partei den Bürokratismus unserer Funktionäre nicht auszumerzen vermochte.

Genossen!

Darin liegen also die Hauptursachen, die den Bürokratismus bei unseren Funktionären hervorbringen.

Wir müssen die Ursachen des Bürokratismus genau erkennen, einen scharfen ideologischen Kampf für ihre Ausmerzung entfalten und gleichzeitig damit praktische Maßnahmen zur Liquidierung des Bürokratismus ergreifen.

Erstens sind sachgemäße Methoden der Leitung herzustellen.

Hierbei ist es wichtig, die allgemeine Leitung mit der konkreten zu verbinden.

Die allgemeine Anleitung bedeutet, die Massen bei jeder Arbeit mit den politischen Zielen der Partei vertraut zu machen, bedeutet den allgemeinen Aufruf der Partei und ihre Anleitung zur Verwirklichung dieser Ziele. Unsere gesamte Arbeit wäre der Zielstrebigkeit und Richtung beraubt, und eine einheitliche Leitung der Arbeit durch die Partei wäre unmöglich, wenn es nicht diesen allgemeinen Aufruf und diese Leitung gäbe.

Unsere Arbeit beschränkt sich jedoch nicht auf die allgemeine Leitung, erfolgreich kann sie nur sein, wenn man die allgemeine Leitung mit der konkreten verbindet. Die konkrete Leitung besteht darin, bei der betreffenden Arbeit ihre konkreten Bedingungen, den Bewußtseinsstand der Massen und ihre Einstellung gründlich zu erforschen sowie konkrete praktische Maßnahmen zu ergreifen, die den spezifischen Bedingungen der jeweiligen Arbeit am besten entsprechen. Wenn irgendein Funktionär nur die allgemeine Leitung bevorzugt und die konkrete Leitung ignoriert, dann läuft seine Arbeit auf leeres Gerede hinaus und bringt keinerlei Ergebnisse.

Bei der Erfüllung der Beschlüsse und Direktiven der Partei kann man nur durch die Verbindung der allgemeinen mit der konkreten Leitung die Formen des Kampfes herausfinden, die den konkreten Bedingungen und den Massen entsprechen, kann man sie in der Praxis durchsetzen, indem man die Hauptrichtung klar vor Augen hat und den Grad der Wichtigkeit einer Arbeit bestimmt.

Wenn unsere leitenden Funktionäre bei dem unlängst durch­geführten Getreideaufkauf das politische Ziel der Partei und die allgemeinen Prinzipien dieser Arbeit (das heißt die allgemeine Leitung) richtig durchgesetzt, konkrete Maßnahmen im Einklang mit der tatsächlichen Lage in jedem Gebiet getroffen sowie die Bauern mobilisiert (das heißt die konkrete Leitung) hätten, wären zweifellos die ernsten Mängel nicht möglich gewesen, und der Aufkauf wäre mit besseren Ergebnissen abgeschlossen worden.

Durch die sachgemäße Verknüpfung der allgemeinen Leitung mit der konkreten Leitung die Politik der Partei mit dem realen Leben und dem Kampf der Volksmassen verbinden und den Volksmassen Bedingungen für ihre schöpferische Initiative schaffen und erneut die Erfahrungen des Kampfes der Massen verallgemeinern – das eben sind die Methoden der wahren Führung durch die Partei.

Weiter: Die wichtigste Methode bei der Anleitung ist die Mobilisierung der Massen für die Erfüllung jeder Arbeit durch Überzeugung und Erläuterung. Bei der Führung der Massen trägt die Methode der Überzeugung dazu bei, die unversiegbare Aktivität und die schöpferische Initiative der Massen ins Leben zu rufen, die Verbindung der Partei mit den Massen zu festigen, die Aufgaben operativ zu lösen und sich dabei auf das Bewußtsein der Massen zu stützen.

Auf diesem Wege müssen wir, indem wir die allgemeine Leitung richtig mit der konkreten verbinden und die von den Kadern ausgeübte Anleitung eng mit den Forderungen der Massen verbinden, die bürokratischen Methoden der Leitung liquidieren und richtige, das heißt, die wissenschaftlich fundierten marxistischen Methoden der Leitung einführen.

Zweitens ist die klassenmäßige Erziehung unserer Funktionäre zu verstärken.

Der Arbeitsstil ist im allgemeinen der Gesamtausdruck der Ideologie und der Methoden der Funktionäre in ihrer Arbeit. Ein wahrhaft revolutionärer und parteimäßiger Arbeitsstil bildet sich dann heraus, wenn man sich auf die revolutionäre Theorie des Marxismus­Leninismus und seine revolutionären Methoden stützt; wenn man jedoch zur bürgerlichen Ideologie und zu unmarxistischen Methoden greift, dann entsteht bürokratischer, formalistischer und verschiedener anderer volksfeindlicher Arbeitsstil.

Aus diesem Grunde ist die Frage des Arbeitsstils nicht einfach eine Frage der Fähigkeit bei der Arbeit oder des Charakters der Funktionäre, sondern ist mit deren Weltanschauung oder mit ihrem ideologischen. Bewußtsein verbunden. Eine der Hauptursachen für einen schädlichen Arbeitsstil bei einem nicht geringen Teil unserer Funktionäre besteht darin, daß sie sich die revolutionäre marxistisch-leninistische Theorie nicht gründlich angeeignet haben und nicht fest auf den revolutionären Prinzipien, auf den Positionen der Arbeiterklasse stehen.

Durch die Verstärkung der klassenmäßigen Erziehung müssen wir den Parteimitgliedern edle Eigenschaften anerziehen, damit sie der Revolution grenzenlos ergeben sind, die Interessen der Partei, des Staates und der Volksmassen verteidigen sowie beharrlich für sie kämpfen. Wir müssen erreichen, daß sich die Parteimitglieder die marxistisch-leninistischen Ideen und Methoden aneignen, mit dem bürokratischen Arbeitsstil – einer Erscheinungsform von Überbleibseln der alten Ideologie – Schluß machen und sich einen wahrhaft volks­verbundenen Arbeitsstil zu eigen machen.

Strenge Prinzipienfestigkeit bei der Arbeit – das ist eine Eigen­schaft, die alle unsere Funktionäre unbedingt haben müssen. Sie dürfen sich bei der Durchsetzung der Linie und der Politik der Partei nicht mit den geringsten Abweichungen abfinden, sondern müssen jede Arbeit immer vom Standpunkt der Revolution, der Interessen der Partei und des Volkes aus betrachten.

Die Partei- und die Staatsfunktionäre müssen somit gegenüber der Partei und dem Staat immer aufrichtig und offen sein, müssen als revolutionäre Kader hervorragend befähigt sein sowie in der Arbeit ein Niveau erreichen, das sie dazu befähigt, die ihnen übertragenen Aufgaben stets erfolgreich zu erfüllen.

Drittens ist in unserer Arbeit die kollektive Leitung zu verstärken.

Die kollektive Leitung bei allen Partei- und Staatsarbeiten vermeidet subjektivistische, eigenmächtige Entscheidungen irgendeiner Person und sichert, durch umfassende Beratung die kollektive Weisheit zu entfalten und eine richtige Lösung der Fragen zu finden.

Die absolute Mehrheit der Bürokraten sind Subjektivisten, die von Vorurteilen befangen sind. Das versteht sich von selbst. Wenn wir bei der tagtäglichen praktischen oder massenpolitischen Arbeit stets den Massen und der Meinung der Mehrheit Gehör schenken, dann unterlaufen uns keine bürokratischen Fehler. Folglich ermöglicht es die Verstärkung der kollektiven Leitung, den Bürokratismus, diesen schädlichen Arbeitsstil, der immer noch bei manchen unserer Funktionäre zu beobachten ist, auszumerzen. Bei allen Angelegenheiten der Partei und des Staates müssen wir fest das Prinzip der kollektiven Leitung einhalten, damit unsere Funktionäre sich einen Arbeitsstil aneignen, bei dem sie stets den Massen und der Meinung der Mehrheit Gehör schenken und sich bei der Arbeit auf sie stützen.

Gleichzeitig ist es notwendig, die innerparteiliche Demokratie, die Kritik und die Selbstkritik zu verstärken, um damit die realen Bedingungen zu schaffen, unter denen die Massen der Parteimitglieder ihre Initiative kühn bekunden können.

Eine der wichtigsten Aufgaben bei der kollektiven Leitung ist die Verstärkung der Rolle der leitenden Partei- und Staatsorgane aller Ebenen. Manche unserer Funktionäre ersetzen jedoch die Arbeit der Komitees dadurch, daß sie einfach Beschlüsse ausarbeiten und durchpeitschen, und fördern nicht die Initiative der Mitglieder der Komitees. Das hat nichts mit den Prinzipien der kollektiven Leitung gemein und ist eine der Erscheinungsformen von Bürokratismus.

Eine der Maßnahmen zur Verstärkung der Rolle der Parteikomitees und der Machtorgane aller Ebenen ist die Verbesserung ihrer Zusammensetzung. Eine der Hauptursachen dafür, daß die Komitees aller Ebenen als leitende Organe die Arbeit nicht selten formal durchführen und ihrer Rolle nicht gerecht werden, besteht darin, daß sie aus Funktionären bestehen, die politisch nur wenig gestählt sind und ungenügende Erfahrungen im revolutionären Kampf haben. Künftig muß die Partei die leitenden Parteiorgane und die Staatsorgane aller Ebenen mit vielerfahrenen revolutionären Kadern, mit politisch gut geschulten Funktionären auffüllen, die ein hohes fachliches Niveau haben.

Somit gilt es, durch Verstärkung der Rolle der Komitees und die intensivere kollektive Leitung das Niveau der Arbeit der Partei- und der Machtorgane zu heben sowie gleichzeitig den schädlichen Arbeitsstil und den Bürokratismus zu liquidieren.

Viertens müssen die Funktionäre der Partei- und Machtorgane verstärkt angeleitet werden.

Wie bereits gesagt wurde, sind viele unserer Funktionäre sowohl in politischer wie auch in fachlicher Beziehung zur Zeit noch jung. Aus diesem Grunde steht vor unserer Partei die wichtige Aufgabe, die Erziehung und die Anleitung weiter zu intensivieren, um ihr politisch­theoretisches und ihr fachliches Niveau zu erhöhen, und somit sie richtige Arbeitsmethoden zu lehren. Insbesondere müssen wir die verantwortlichen Funktionäre der örtlichen Organe verstärkt anleiten und kontrollieren, um ihre Entstellungen zu der Politik der Partei und des Staates sowie ihr falsches Verhalten zu den Volksmassen recht­zeitig zu korrigieren. Nur auf diesem Wege werden wir in der Lage sein, mit den bürokratischen Arbeitsmethoden mancher verant­wortlicher Funktionäre der örtlichen Organe Schluß zu machen, das Niveau der Leitung der örtlichen Partei- und Machtorgane beträchtlich zu erhöhen sowie die enge Verbindung der Partei mit den Massen zu wahren.

Genossen!

Zweifellos ist es unmöglich, in kurzer Zeit im Gesamtmaßstab den falschen Arbeitsstil zu beseitigen und einen volksverbundenen, neuen Arbeitsstil durchzusetzen. Diese Aufgabe muß jedoch unbedingt erfüllt werden. Indem wir die Anleitung unserer Funktionäre und die Kontrolle über sie noch mehr verstärken, die Kritik und die Selbstkritik intensivieren, müssen wir beharrlich und unerschrocken für die Ausmerzung des Bürokratismus kämpfen. Jedes Mitglied der Partei muß zutiefst erkennen, daß der Kampf gegen den Bürokratismus eine wichtige Bedingung für die erfolgreiche Verwirklichung der revolutio­nären Aufgaben ist, und muß in diesem Ringen seinen ganzen Ent­husiasmus und seine ganze Aktivität bekunden.

Ich bin davon überzeugt, daß alle unsere Parteimitglieder den Kampf für die Aneignung eines neuen Arbeitsstils erfolgreich führen und damit die führende Rolle unserer Partei unter den Volksmassen noch mehr verstärken und die ehrenvollen revolutionären Aufgaben, die vor unserer Partei stehen, ausgezeichnet erfüllen werden.