17. November 1945 // Reden
Kim Il Sung // Die Aufgaben der Intelligenz beim Aufbau des Staates

Die Aufgaben der Intelligenz beim Aufbau des Staates

17. November 1945

Rede vor Lehrern und anderen Intellektuellen von Pyongyang


Quelle: Kim Il Sung, Gesammelte Werke, Band 1


Liebe Mitbürger !

Unser Volk hat die räuberischen japanischen Imperialisten vernichtet und sein geraubtes Heimatland zurückgewonnen und ist jetzt dabei, ein neues Korea aufzubauen.

Vor den Lehrern und anderen Intellektuellen des befreiten Korea ste­hen sehr wichtige Aufgaben. Sie müssen den Staat aufbauen und einen aktiven Beitrag zur Schaffung eines neuen Korea leisten.

Wenn Sie die hierbei überaus wichtigen Aufgaben, die jetzt vor Ih­nen stehen, bestens bewältigen wollen, müssen Sie vor allem genau wis­sen, welchen Weg unser Korea einschlagen wird.

Es gibt heute einige Leute, die sagen, es müsse eine bürgerliche Re­publik gebildet werden, und Korea müsse den Weg des Kapitalismus beschreiten; andere wiederum fordern, daß man unverzüglich die Macht der Diktatur des Proletariats errichten und daß Korea den Weg des Sozi­alismus einschlagen müsse. All diese Forderungen sind falsch, sie füh­ren nur das Volk in die Irre, das sich zum Aufbau des Staates erhoben hat. In unserem Land eine bürgerliche Republik zu schaffen, ist gleich­bedeutend damit, das koreanische Volk wieder zu kolonialen Sklaven der Imperialisten zu machen, und die Forderung nach unverzüglicher Errichtung der Macht der Diktatur des Proletariats in Korea ist genau so, als gebe man einem Säugling rohes Fleisch zum Essen, was eine absur­de Behauptung ist. Im befreiten Korea werden wir keine kapitalistische Gesellschaftsordnung einführen, und wir können auch nicht unverzüg­lich die sozialistische Gesellschaft aufbauen, indem wir einfach ein Entwicklungsstadium der Revolution überspringen.

Unsere Revolution befindet sich heute im Stadium der antiimperialis­tischen und antifeudalen demokratischen Revolution. Wir müssen jeden­falls eine progressive, demokratische Gesellschaft schaffen, die dem Charakter der Revolution auf der jetzigen Etappe unseres Landes ent­spricht.

Auch wenn unser Vaterland das Joch der Kolonialherrschaft der japani­schen Imperialisten abgeschüttelt hat, sind doch noch immer zahlreiche Kräfte des japanischen Imperialismus verblieben, die ein großes Hindernis beim Aufbau eines neuen Korea sind. Die Niederlage der japanischen Im­perialisten war ein großer Schlag für ihre Helfershelfer, die projapanischen Elemente, die jedoch immer noch über starke Kräfte verfügen, die gegen die demokratischen Kräfte auftreten. Diese noch vorhandenen Kräfte der japanischen Imperialisten versuchen mit allen möglichen reaktionären Schlichen, das Volk vom Weg des Kampfes für den Aufbau eines neuen, demokratischen Korea abzuhalten und auf einen antidemokratischen Weg zu führen.

Wenn wir diese Kräfte nicht konsequent ausschalten, können wir nicht die volle Unabhängigkeit des Landes erringen.

Neben diesen noch vorhandenen Kräften gibt es heute in unserem Land auch nicht wenige feudale Kräfte, die mit dem japanischen Imperia­lismus kollaborierten. Diese Kräfte, die soziale Hauptstütze der japani­schen imperialistischen Aggressoren, sind reaktionäre Elemente, die die Entwicklung der Landwirtschaft in unserem Land verzögerten und die Bauern brutal ausbeuteten. Ohne die Vernichtung dieser Kräfte ist es in unserem Land nicht möglich, die demokratische Entwicklung der Gesell­schaft zu gewährleisten.

Wir müssen die noch vorhandenen Kräfte der japanischen Imperialis­ten und die feudalen Kräfte konsequent ausschalten und einen souverä­nen und unabhängigen demokratischen Staat aufbauen. Zu diesem Zweck sind die Aufgaben der antiimperialistischen und antifeudalen demokratischen Revolution zu verwirklichen und ist der Weg zur Er­richtung einer demokratischen Volksrepublik einzuschlagen.

Um den Aufbau des Staates besser durchführen zu können, haben wir alle patriotischen und demokratischen Kräfte fest zu einer Einheit zusammenzuschließen. Unser Ziel ist die Geschlossenheit der ganzen Nation: Arbeiter und Bauern, patriotisch gesinnte Angehörige der Intel­ligenz und Gläubige, aber auch die Teile der nationalen Bourgeoisie ehrlichen Gewissens. Alle Schichten der Bevölkerung, die das Land und die Nation lieben und zur Demokratie streben, sollten so bald wie mög­lich eine nationale Einheitsfront bilden und in monolithischer Geschlos­senheit am Aufbau des Staates teilnehmen.

Einige Angehörige der Intelligenz zerbrechen sich heute angeblich den Kopf darüber, welchen Weg sie unter der heutigen komplizierten politischen Situation einschlagen müssen; es ist jedoch völlig klar, wel­chen Weg die Intelligenz des befreiten Korea zu beschreiten hat. Unsere Lehrer und andere Angehörige der Intelligenz dürfen keinesfalls den Weg der Reaktion einschlagen. Wer den projapanischen Elementen, den Landesverrätern folgt und sich in den Dienst der Imperialisten stellt, wie das ein Teil der Intelligenz tut, begeht ein großes Verbrechen an dem Vaterland und der Nation. Wenn unsere Intelligenz dem Vaterland und dem Volk wirklich dienen will, muß sie sich unter dem Banner der De­mokratie fest zusammenschließen und den Aufbau eines souveränen und unabhängigen Staates unterstützen. Sie sollten erkennen, daß nur dieser Weg für Sie richtig ist.

In der Vergangenheit waren unsere Lehrer und andere Intellektuelle Opfer der brutalen nationalen Unterjochung und Diskriminierung durch die japanischen Imperialisten, lebten sie niedergedrückt. In den Jahren der Kolonialherrschaft der japanischen Imperialisten galt es als „Verbrechen“, wenn koreanische Lehrer und andere Intellektuelle die Geschichte und Geographie unseres Landes studierten, der Weg zum Studium der Wissenschaft und der Wahrheit war ihnen völlig versperrt. Zu jener Zeit waren die meisten Lehrer und Intellektuellen antijapanisch eingestellt und hatten sich ihr nationales Gewissen bewahrt, doch waren sie unter dem Druck der japanischen Imperialisten gezwungen, in deren Institutionen zu dienen, um existieren zu können. Doch da heute das Land befreit ist, hat sich auch die Lage unserer Intelligenz von Grund auf geändert. Zusammen mit den Arbeitern und Bauern wurden sie die Herren des Landes, ihnen bieten sich große Möglichkeiten, ihre Kennt­nisse und Fähigkeiten für das Studium der Wissenschaft und Wahrheit anzuwenden und dem Volk zu dienen.

Die Zeit ist gekommen, in der die Intelligenz für das Land und die Nation arbeiten kann. Sie sollte ihr Wissen und ihre technischen Fertig­keiten uneingeschränkt dem Aufbau eines neuen, demokratischen Korea widmen. Wissen und technische Fertigkeiten haben Wert und werden dann wirksam, wenn sie für die Entwicklung des Landes und für das Glück der Bevölkerung genutzt werden. Die Intelligenz muß mit ihren Kenntnissen und Fähigkeiten dem Vaterland und dem Volk tatkräftig dienen und alle Kräfte für die Entwicklung und das Erblühen der Hei­mat und Nation einsetzen.

Die Pädagogen, die ganze Intelligenz müssen vor allem aktiv darum bemüht sein, die Volksmassen wachzurütteln und aufzuklären.

Der Aufbau eines neuen, demokratischen Korea braucht die Kraft der breiten Volksmassen, und um sie dafür mobilisieren zu können, ist ihr politisches Bewußtsein zu wecken. Unser Volk ist politisch noch unge­nügend vorbereitet, es hat keine klaren Vorstellungen von den Perspek­tiven seines Weges. Unter diesen Bedingungen ist es unsere Pflicht, große Anstrengungen für die Erziehung der Massen zu unternehmen. Besonders den Intellektuellen kommt bei der Erziehung der Massen eine wichtige Rolle zu.

Sie haben die Aufgabe, den Charakter und die Aufgaben unserer Re­volution den breiten Massen überzeugend zu erläutern und zu propagie­ren und das reaktionäre Wesen aller Machenschaften der projapanischen Elemente und Landesverräter konsequent zu entlarven. Gleichzeitig sollten sie den Massen erklären und sie davon überzeugen, daß es zur erfolgreichen Verwirklichung der antiimperialistischen und antifeudalen demokratischen Revolution und zur schnellstmöglichen Errichtung einer demokratischen Volksrepublik notwendig ist, eine demokratische natio­nale Einheitsfront zu bilden und alle patriotischen und demokratischen Kräfte zu vereinen. So haben wir zu erreichen, daß das ganze Volk den Weg klar vor sich sieht, den Korea beschreiten wird, und in fester Ge­schlossenheit aktiv gegen die Überreste kämpft, die uns die japanischen Imperialisten und der Feudalismus hinterlassen haben und den Aufbau unseres Staates stören.

Bei der Erziehung der Massen ist auf eine einfache und verständliche Ausdrucksweise zu achten. Wenn ein Propagandist mit schwierigen Wör­tern um sich wirft, wird ihn das Volk nicht nur nicht verstehen, sondern auch jegliche Lust verlieren, ihm zuzuhören. Solch eine Propaganda bleibt absolut ergebnislos. Ihre Propaganda muß sich verständlicher, ein­facher Worte bedienen, wie sie das Volk selbst stets gebraucht, damit je­des einzelne Wort eine Saite im Herzen der Menschen zum Klingen bringt.

Um die Bewußtheit der breiten Massen zu erhöhen, sind wir verpflich­tet, energisch für die Beseitigung des Analphabetentums einzutreten.

Die japanischen Imperialisten, die die koreanische Nation zu ihren ewigen Sklaven machen wollten, betrieben in unserem Land eine kolo­niale Politik der Verdummung. So kam es, daß viele Koreaner nie die Schwelle einer Schule überschritten, nicht einmal ihren Namen schrei­ben lernten – sie blieben Analphabeten.

Wir müssen für die schnellstmögliche Beseitigung dieser unheilvollen Hinterlassenschaft der Kolonialherrschaft des japanischen Imperialismus kämpfen. Andernfalls werden wir das politische und kulturelle Niveau der Bevölkerung nicht erhöhen und den Elan der Massen für den staatlichen Aufbau nicht wecken können. Inmitten der Arbeiter, Bauern und breiten Massen sollten die Pädagogen und anderen Intellektuellen beharrlich um die Beseitigung des Analphabetentums bemüht sein. Auf diese Weise ist zu erreichen, daß alle in unserer Sprache lesen und schreiben können.

Ferner haben alle Intellektuellen die Aufgabe, aktiv für den wirt­schaftlichen und kulturellen Aufbau des neuen Korea zu kämpfen.

Der Wiederaufbau und die Entwicklung der Wirtschaft und Kultur des Landes ist für den Aufbau des Staates ein Problem von großer Aktu­alität. Nur wenn wir die von den japanischen Imperialisten zerstörten Betriebe rasch wiederaufbauen und die nationale Wirtschaft entwickeln, werden wir imstande sein, das ruinierte Leben des Volkes zu verbessern und zu stabilisieren und die ökonomische Basis für den Aufbau eines mächtigen, souveränen und unabhängigen demokratischen Staates zu legen. Hinzu kommt, daß es uns nur durch den Wiederaufbau und die Entwicklung der von den japanischen Imperialisten zertretenen Natio­nalkultur möglich sein wird, den Nationalstolz und die nationale Würde des Volkes zu heben, das unterdrückte Nationalbewußtsein wieder wachzurütteln und ein neues, zivilisiertes Korea aufzubauen.

Die progressiven Lehrer und anderen Intellektuellen, die Wissen und technische Kenntnisse haben, müssen die ihnen obliegenden ehrenvollen Aufgaben beim wirtschaftlichen und kulturellen Aufbau des Landes zu­tiefst begreifen und ihre Kräfte und Talente voll dafür einsetzen, einen aktiven Beitrag zur Schaffung einer soliden ökonomischen Basis des neuen, demokratischen Korea und zur Entwicklung und Blüte der Nati­onalkultur zu leisten.

Vor den Lehrern steht als wichtigste Aufgabe die Erziehung der he­ranwachsenden Generation zu ausgezeichneten Mitgestaltern des neuen, demokratischen Korea.

Im Interesse des Aufbaus eines mächtigen, souveränen und unabhän­gigen demokratischen Staates und des Gedeihens des Vaterlandes und der Nation sind wir verpflichtet, unsere heranwachsende Generation, die zukünftige Stütze des Landes, gut heranzubilden.

Die Lehrer sollen den Schülern und Studenten konsequent die demo­kratischen Ideen anerziehen. Nur so können sie sie zu Patrioten erziehen, die Vaterland und Volk leidenschaftlich lieben, und zu zuverlässigen Er­bauern des Landes entwickeln. Wenn die Lehrer gute Erziehungsarbeit leisten, dann können sie über die Schüler auch die Eltern erziehen. Neben der ideologischen Erziehung der Schüler sollten sie ihnen lebendiges Wissen vermitteln, das für den Aufbau des Staates gebraucht wird.

Eine bessere Erziehung der heranwachsenden Generation erfordert den Bau zahlreicher Schulen mit attraktiven Einrichtungen und die Her­ausgabe neuer Lehrbücher in unserer Muttersprache. Die Pädagogen haben auch die Pflicht, an der Ausgestaltung der Schulen und der Aus­arbeitung der Lehrbücher aktiv teilzunehmen.

Eine wichtige Aufgabe, die sich bei der Erziehung der heranwachsen­den Generation stellt, besteht darin, die Überreste des von den japanischen Imperialisten praktizierten Bildungssystems der kolonialen Versklavung zu beseitigen. In unseren Bildungsorganen herrschen noch immer Überres­te dieses Bildungssystems. Ohne diese Rudimente zu liquidieren, werden wir die heranwachsende Generation nicht zu würdigen Erbauern des neuen Korea erziehen können. Die Lehrer müssen diese Überbleibsel in allen Bereichen des Bildungswesens konsequent aus der Welt schaffen und für die Einführung eines neuen, demokratischen Bildungssystems kämpfen.

Die Pädagogen und anderen Intellektuellen haben die ideologischen Überreste des japanischen Imperialismus mit Stumpf und Stiel auszu­merzen und so einen Beitrag zum Aufbau des Staates zu leisten.

Da sie eine koloniale Sklavenbildung unter der Herrschaft der japa­nischen Imperialisten erhalten haben und in deren Einrichtungen tätig waren, haben sie mehr solche ideologischen Überreste als irgend je­mand andere. Wenn sie diese ideologischen Überreste des japanischen Imperialismus nicht überwinden, können sie der Neugestaltung des Vaterlandes nicht richtig dienen und keine wahren demokratischen Erbauer werden. Alle Intellektuellen müssen ein Höchstmaß an An­strengungen darauf richten, das Gift der alten Ideologie, das ihnen die japanischen Imperialisten einimpften, zu bannen und sich mit neuen, demokratischen Ideen auszurüsten.

Das politische Bewußtsein der Lehrer und anderen Intellektuellen ist heute sehr niedrig. In der jüngsten Zeit stellten sie verschiedene Fragen politischen Charakters. Darunter sind nicht wenige Fragen, die sich aus ihrer politischen Kurzsichtigkeit ergeben.

Dies ist in erheblichem Maße eine Folge der Kolonialherrschaft der japanischen Imperialisten, insbesondere des heimtückischen Wirkens fremder Elemente, die nach der Befreiung des Landes in die revolutio­nären Reihen eingedrungen sind. Mit ihrer Lügenpropaganda und betrü­gerischen Tricks aller Art verwirrten sie die Menschen mit niedrigem Bewußtsein und erreichten es sogar, daß manche Intellektuellen stark ins Wanken gerieten.

Alle Lehrer und Intellektuellen müssen ständig um die Erhöhung ihres politischen Bewußtseins bemüht sein, um beliebige Fragen politisch rich­tig analysieren und einschätzen sowie jegliche Machenschaften der Reak­tionäre rechtzeitig entlarven und vereiteln zu können.

Ein wichtiges Mittel zur Erhöhung ihres politischen Bewußtseins ist die Verstärkung der politischen Schulung, wodurch es ihnen z. B. klar werden muß, warum jener Weg richtig ist, den wir beschreiten, und wie ein neues, demokratisches Korea aufgebaut werden soll, und sie müssen sich auch gründlich in der inneren und äußeren Lage auskennen.

Die Pädagogen und anderen Intellektuellen sollen durch eine ständige politische Qualifizierung ebenfalls bemüht sein, sich moderne wissen­schaftliche und technische Kenntnisse anzueignen. Wenn Sie glauben, daß Sie großes Wissen haben, so sind Sie stark im Irrtum. In Wirklichkeit sieht es so aus, daß die Kenntnisse, die unsere Lehrer und andere Intellek­tuelle während der Herrschaft des japanischen Imperialismus erworben haben, nicht allzu viel für den praktischen Neuaufbau unseres Vaterlandes taugen. Und wenn Sie auf Ihren früher einmal erworbenen technischen und anderen Kenntnissen ausruhen, ohne fleißig zu lernen, werden Sie hinter der sich entwickelnden Wirklichkeit zurückbleiben und außerstan­de sein, Ihren Beitrag zum Aufbau des Staates zu leisten. Die Lehrer und anderen Intellektuellen dürfen keinesfalls überheblich, sondern müssen aktiv darum bemüht sein, ihr wissenschaftlich-technisches Wissensniveau zu erhöhen.

Unser Volk setzt sehr große Hoffnungen auf die Lehrer und die ande­ren Intellektuellen. Sie müssen Ihr ganzes Pathos für den Aufbau eines neuen, demokratischen Korea und die Erziehung der heranwachsenden Generation einsetzen und so die Ihnen übertragenen verantwortungsvollen Aufgaben bestens bewältigen.