2. Februar 1955 // Reden
Kim Il Sung // Über einige Maßnahmen für die Verstärkung der Arbeit auf dem Dorf

Über einige Maßnahmen für die Verstärkung der Arbeit auf dem Dorf

2. Februar 1955

Schlußwort im Präsidium des Zentralkomitees der Partei der Arbeit Koreas


Quelle: Kim Il Sung, Gesammelte Werke, Band 9


Auf dieser Tagung haben wir verschiedene Fragen erörtert. Heute möchte ich nur nachdrücklich auf Maßnahmen eingehen, die zu treffen sind, um die beim Getreideaufkauf aufgetauchten Fehler zu korrigieren und die Arbeit auf dem Dorf zu verstärken.

Beim jüngsten Getreideaufkauf haben wir wertvolle Erfahrungen gesammelt und Lehren gezogen, die wir bei der Anleitung der Arbeit auf dem Dorf berücksichtigen müssen, und haben das Niveau der Partei­organisationen und der Funktionäre in ihrer Tätigkeit und die realen Bedingungen auf dem Dorf noch klarer kennengelernt. Der jüngste Getreideaufkauf zeigte, daß in der Tätigkeit unserer Parteiorganisationen und in der Arbeit auf dem Dorf noch einige Mängel vorhanden sind.

Welche Mängel sind also während des jüngsten Getreideaufkaufs aufgetreten?

Erstens haben die Parteiorganisationen und Funktionäre keine geschickte organisatorische und politische Arbeit geleistet.

Für den Getreideaufkauf mobilisierten wir viele Mitarbeiter der Partei- und Machtorgane mit dem Ziel, daß sie die Bauern richtig erziehen und davon überzeugen, am Getreideaufkauf bewußt teilzunehmen.

Sie haben jedoch diese Arbeit nicht politisch, sondern bürokratisch durchgeführt. Anstatt die Bauern zu erziehen und zu überzeugen, zwangen sie ihnen auf bürokratische Weise ihren Willen auf.

Nicht ein oder zweimal haben wir betont, daß sie das Getreide plan­mäßig bei den Bauern aufkaufen sollten, die überschüssige Lebens­mittel haben. Sie haben jedoch den Getreideaufkauf schablonenhaft organisiert. Das hatte zur Folge, daß der Staat nicht umhin konnte, den Kleinbauern das aufgekaufte Getreide wieder zurückzugeben.

Die bürokratische Arbeitsmethode ist eine rückständige Methode, die unfähige Leute anwenden. Es ist sehr leicht, die Arbeit auf bürokratische Weise zu erledigen. Wäre es Absicht der Partei gewesen, den Getreide­aufkauf mit bürokratischen Methoden durchzuführen, so hätte sie für diese Arbeit keine Mitarbeiter der Partei- und Machtorgane, sondern Mitarbeiter der Organe des Innern mobilisiert. Wir haben jedoch die erstgenannten mobilisiert, um den Getreideaufkauf mit der Methode der politischen Überzeugung abzuwickeln.

Die Parteiorganisationen aller Ebenen haben diesmal vor allem eine wirksame ideologische Mobilisierung zur Sicherung dieser Angelegen­heit außer acht gelassen.

Bereits im Juni des Vorjahrs hat das Politkomitee des ZK der Partei die Voraussetzungen für einen erfolgreichen Getreideaufkauf erörtert und entsprechende Maßnahmen eingeleitet, hat auch im September viele Mitarbeiter in die Bezirke und Kreise entsandt, damit sie die realen Bedingungen untersuchen. Hätten die Parteiorganisationen aller Ebenen schon damals gute politische Arbeit für die bewußte Teilnahme der Bauern am Getreideaufkauf geleistet und die überschüssige Getreidemenge genau ermittelt, so wäre diese Aufgabe erfolgreich erfüllt worden und wären keine Mängel wie jetzt aufgetreten.

Die Mitarbeiter der Partei- und Machtorgane haben jedoch, ohne die Bauern ideologisch mobilisiert zu haben, ihnen ganz plötzlich den Getreideverkauf aufgezwungen. Das ist ein Beweis dafür, daß unsere Funktionäre in ihrer Arbeit nicht auf die Reihenfolge achten und planlos vorgehen. Da die genannten Mitarbeiter auf diese Weise arbeiteten, begingen sie beim Getreideaufkauf Fehler und konnten das Getreide nicht in erforderlichen Mengen aufkaufen, obwohl der Staat hohe Preise dafür angesetzt hat.

Durch den jüngsten Getreideaufkauf haben wir klar in Erfahrung gebracht, daß unsere Parteiarbeit in vielen Fällen noch nicht planmäßig verläuft und die Mitarbeiter der Partei- und Machtorgane bürokratisch wirken, anstatt die organisatorisch-politische Arbeit geschickt durchzu­führen. Wenn unsere Mitarbeiter diese Fehler nicht so schnell wie möglich korrigieren, können wir weder eine richtige Durchsetzung der Parteibeschlüsse und -direktiven noch den erfolgreichen Aufbau einer neuen Gesellschaft erwarten.

Zweitens lassen manche Funktionäre und andere Parteimitflieder in der Wachsamkeit gegenüber den Machenschaften der feindlichen Elemente nach.

Die Feinde, die während des Kriegs den nördlichen Teil der Republik zeitweilig okkupiert hielten, haben bei ihrer Flucht viele Spione, Diversanten und Saboteure auf dem Dorfe zurückgelassen und schleusen sie weiterhin bei uns ein.

Der jüngste Getreideaufkauf hat es ungeschminkt offenbart, daß sich auf dem Dorf nicht wenige Klassenfeinde verborgen halten, die raffinierte Machenschaften betreiben, um die Politik der Partei und der Regierung zu vereiteln. Manche Funktionäre und andere Partei­mitglieder verfolgten nicht mit scharfem Blick die Wühltätigkeit der Klassenfeinde und übten ihnen gegenüber prinzipienlos Nachsicht.

Die feindlichen Elemente auf dem Dorf warteten nur darauf, daß die Funktionäre und anderen Genossen in der revolutionären Wachsamkeit nachlassen, und verübten üble Taten, um den Getreideaufkauf zum Scheitern zu bringen. Es steht außer Zweifel, daß die Feinde sich noch krampfhafter gebärden werden, wenn wir eine viel wichtigere Sache als den Getreideaufkauf organisieren.

Drittens sind die revolutionären und klassenmäßigen Charakterzüge der Parteimitglieder auf dem Dorf und der Bauern nicht ausgeprägt.

Das Klassenbewußtsein der Parteimitglieder auf dem Dorf, der Bauern, mancher kernbildender Kräfte der Zellen und etlicher Kader der Gemeindeebene ist zur Zeit noch sehr niedrig. Das ist jedoch keinesfalls ein Zufall.

Nach der Befreiung hat die Partei viele Menschen, die von Herkunft her Arbeiter sind, ausgewählt und als Kader im Dorf eingesetzt. Sie hatten sich jedoch seinerzeit revolutionär nicht gestählt. Infolge der Besonderheiten der geschichtlichen Entwicklung unseres Landes hatte unsere Arbeiterklasse keine Gelegenheit, sich im praktischen revolutionären Kampf zu stählen, und war auch zahlenmäßig sehr schwach. Nach der Befreiung begannen die Reihen der Arbeiterklasse in unserem Land, sich rasch zu vergrößern. Damals mangelte es uns an bewährten Kadern. Deshalb hatten wir viele Arbeiter, ohne sie genügend revolutionär gestählt und durch die Praxis im gewissen Maß geschult zu haben, für drei Monate auf die Bezirkskaderschulen geschickt und dann als Kader im Dorf eingesetzt.

Die Parteimitglieder auf dem Land und die Kleinbauern sind zwar vor der Befreiung von den Gutsbesitzern unterdrückt und ausgebeutet worden, ihre absolute Mehrheit jedoch ist revolutionär nicht gestählt. Dank der nach der Befreiung errichteten Volksmacht haben die Bauern durch die Bodenreform auch ohne heftige Kämpfe gegen die Gutsherren Boden erhalten. Zudem haben die Parteiorganisationen die Erziehungs­arbeit für die Erhöhung des Klassenbewußtseins der Kader und der anderen Parteimitglieder des Dorfes sowie der Bauern schwach durchgeführt. Als Ergebnis kam es unter vielen Parteimitgliedern und Bauern dazu, daß sie von dem Charakter unserer Revolution auf der gegenwärtigen Etappe sowie vom Endziel unserer Revolution keine genauen Vorstellungen hatten und ihre wenigen Säcke Reis für wertvoller hielten als die Interessen der Revolution. Das ist eine sehr ernstzunehmende Erscheinung. Wie kann man nun behaupten, daß diejenigen, die einige Säcke Reis über die Interessen der Partei und der Revolution stellen, in der schweren Zeit die Interessen der Partei und der Revolution nicht verraten werden! Unsere Funktionäre schenken jedoch dem keine gebührende Aufmerksamkeit.

Ohne politische Überlegung und willkürlich erlauben manche Mitarbeiter der Staatsorgane den Privathändlern und -unternehmern. Folglich werden die durch den Krieg ruinierten Privathändler und -unternehmer recht bald wieder zu Großhändlern, nachdem sie zunächst ein Restaurant für Nudel oder Fleischgerichte und dergleichen eröffnet hatten.

Wir müssen klar erkennen, daß für die Parteiarbeit noch größerer Schaden entstehen könnte und darüber hinaus der sozialistische Aufbau behindert wird, wenn wir nicht für die Erhöhung des Klassenbewußt­seins der Parteimitglieder sorgen würden.

Beim jüngsten Getreideaufkauf haben wir die Fehler in der Partei­arbeit und der Arbeit auf dem Dorf rechtzeitig erkannt, die wir konsequent korrigieren müssen.

Welche politischen und ökonomischen Maßnahmen sind hierfür zu treffen?

Erstens ist die klassenmäßige Erziehung der Parteimitglieder zu verstärken.

Heute steht vor uns die schwere, aber ehrenvolle Aufgabe, im nörd­lichen Teil der Republik den Sozialismus aufzubauen, aus Südkorea die US-Imperialisten zu vertreiben und im Maßstab des ganzen Landes die antiimperialistische und antifeudale demokratische Revolution durch­zuführen. Um diese Aufgabe zu erfüllen, müssen wir das Klassen­bewußtsein der Parteimitglieder und anderen Werktätigen weiter erhöhen und ihnen den Charakter unserer Revolution und deren Endziel verdeutlichen.

Die heutige Lage unseres Landes verlangt noch dringender, die klassenmäßige Erziehung zu verstärken. Die Hälfte des Landes, der südliche Teil der Republik, wurde in eine Kolonie der US-Imperialisten verwandelt, was zur langfristigen Konfrontation Nord- und Südkoreas führt. Und deshalb trägt unser revolutionärer Kampf einen hartnäckigen und langwierigen Charakter. Wenn wir unter diesen Bedingungen die klassenmäßige Erziehung der Parteimitglieder und anderen Werktätigen vernachlässigen, ist es unmöglich, die immer stärkere Infiltration der bürgerlichen Ideologie zu verhindern und den sozialistischen Aufbau im nördlichen Teil der Republik erfolgreich durchzuführen.

Durch die wiederholte Erörterung der Dokumente der 5. Plenar­tagung des ZK der Partei wurde das Klassenbewußtsein der Parteimitglieder natürlich bedeutend erhöht. Es gibt jedoch Parteimit­glieder, die zwar an Parteiversammlungen aktiv teilnehmen, aber noch nicht ideologisch fest entschlossen sind, sich für die Interessen der Partei und der Revolution aufopferungsvoll einzusetzen. Deshalb steht heute vor unserer Partei die erstrangige Aufgabe, die klassenmäßige Erziehung der Parteimitglieder zu verstärken.

Zur Aktivierung der klassenmäßigen Erziehung der Parteimitglieder und anderen Werktätigen ist die erzieherische Literatur in großer Auflage herauszugeben und zu verbreiten. Das ZK der Partei ist ver­pflichtet, Erziehungsmaterial, das den Charakter der Revolution unseres Landes auf der gegenwärtigen Etappe und die Hauptaufgabe unserer Partei beim sozialistischen Aufbau im nördlichen Teil der Republik sowie die Perspektiven des ersten Fünfjahrplans zum Inhalt hat, zu verfassen und es den Parteiorganisationen der unteren Ebenen zu schicken, damit es im System der Parteischulung umfassend behandelt werden kann. Außerdem ist es notwendig, in Zeitungen, Zeitschriften und anderen Publikationen Beiträge über die klassenmäßige Erziehung in breitem Maße zu veröffentlichen.

Zweitens sind durch eine Massenbewegung die Spione, Diversanten und Saboteure auf dem Dorf zu bekämpfen.

Beim Kampf gegen diese Elemente ist es wichtig, die nachsichtige Politik unserer Partei richtig zu verstehen. Die Politik unserer Partei ist darauf gerichtet, niemals mit feindlichen Elementen Nachsicht zu üben, sondern nur mit Schwankenden. Deshalb ist zwischen den Feinden und den schwankenden Elementen richtig zu unterscheiden, die Handvoll Feinde unversöhnlich zu schlagen, die schwankenden Elemente zu überzeugen und zu erziehen, damit sie nicht an der Seite der Feinde stehen.

Drittens ist der bürokratische Arbeitsstil der Parteifunktionäre konsequent zu beseitigen.

Gewiß ist dieser Arbeitsstil unter unseren Funktionären nach meiner Rede vom Februar 1952 erheblich eingeschränkt worden. Die büro­kratischen Tendenzen sind jedoch unter den Funktionären noch nicht spurlos verschwunden.

Manche Funktionäre sind der Meinung, daß nur das Anherrschen Unterstellter bürokratisch sei. Das ist eine falsche Auffassung. Büro­kratisches Verhalten kommt auch darin zum Ausdruck, die Arbeit unsachgemäß zu organisieren, den Stand der Dinge in den unteren Ebenen nicht genau zu kennen und ihnen subjektive Meinungen aufzuzwingen.

Die wichtigste Arbeitsmethode unserer Partei besteht darin, das Volk so zu erziehen, daß es sich bewußt an allen Arbeiten beteiligt.

Deshalb darf es nie geschehen, daß die Parteifunktionäre, befangen vom Bürokratismus, das Volk einschüchtern oder erpressen.

Viertens müssen sich die Funktionäre von der Auffassung konse­quent lösen, durch wenige staatliche Investitionen in der Landwirt­schaft hohe Ernteerträge erzielen zu wollen.

In der Vergangenheit glaubten manche Funktionäre, durch irgend­welche „Zaubertricks“ die Agrarproduktion ohne staatliche Inves­titionen zu steigern, und stellten keine großen Summen für die Landwirtschaft bereit.

Befangen vom Ehrgeiz haben diese „Zauberer“ bei der Festlegung der landwirtschaftlichen Naturalsteuer den Ertrag je Flächeneinheit höher als Ist-Ertrag angesetzt und auf dieser Grundlage die Gesamt­menge der Getreideproduktion berechnet und darüber berichtet. Beim jüngsten Getreideaufkauf trat klar und eindeutig zutage, daß die Funktionäre einen frisierten Bericht über die Getreideproduktion gegeben haben. Hätten das Ministerium für Landwirtschaft oder die Bezirksvolkskomitees keinen solchen Bericht über die Getreide­produktion des letzten Jahres erstattet, so wäre die Quelle für den Getreideaufkauf auf dem Dorf nicht erschöpft worden und beim Aufkauf keine Verwirrung entstanden.

Die Mitarbeiter der Partei- und Staatsorgane haben kein Recht, mit falschen Zahlen den Staat zu betrügen und sich damit zu beruhigen. Welchen Vorteil hat man wohl, wenn unsere Funktionäre dem Staat und dem Volk gegenüber unaufrichtig sind! Das bringt keinen Nutzen, sondern hat nur schädliche Folgen.

Früher hat man sich in der Landwirtschaft mit den falschen Zahlen der Mitarbeiter der unterstellten Organe zufriedengegeben und keine großen Summen für diesen Zweig bereitgestellt, so daß die Getreide­produktion nicht gesteigert werden konnte, obwohl dazu Möglichkeiten bestanden. Unter dem Vorwand, einige Tonnen Zement einzusparen, hat man sogar die leicht auszubessernden Deiche nicht rechtzeitig instand gesetzt, so daß jährlich nicht unbedeutende Flächen Reisfeld überschwemmt wurden.

Im Plan für dieses Jahr ist vorgesehen, 3,6 Mio. t Getreide zu produzieren. Als ich mich danach erkundigte, ob das möglich ist, sagten mir die „Zauberer“, dieses Ziel sei leicht zu erreichen. Selbst­verständlich kann niemand etwas dagegen haben, daß jährlich die Agrarproduktion gesteigert wird. Auf diese Weise darf man jedoch die Getreideproduktion nicht steigern, d. h., am grünen Tisch Zahlen zu erhöhen, wie es die „Zauberer“ machen. Wir brauchen keine erfundenen Zahlen, sondern verlangen ein reales Wachstum der Getreideproduktion, das es ermöglicht, die Speicher der Bauern und des Staates mit Getreide zu füllen.

Die Mitarbeiter in der Landwirtschaft müssen die Mängel konse­quent beseitigen.

In diesem Jahr setzen wir uns zum Ziel, 3 Mio. t Getreide einzubringen, wofür wir zu kämpfen haben. Es wäre schon ein großer Erfolg, wenn wir faktisch 2,6-2,8 Mio. t Getreide produzieren.

Um dieses Ziel zu erreichen, müssen wir große Investitionen für die Landwirtschaft vornehmen und ausreichende Bedingungen für die Agrarproduktion schaffen. Nur auf diesem Weg ist die Entwicklung der Agrarwirtschaft möglich.

Die heutigen Produktionsbedingungen in der Landwirtschaft sind schlechter als vor dem Krieg. Was allein die Düngemittelversorgung betrifft, so wurden vor dem Krieg jährlich 180 000 bis 220 000 t chemische Düngemittel geliefert. Zur Zeit sind es jedoch nur 50 000 t. Vor dem Krieg gab es kaum Bauernfamilien, die kein Vieh besaßen. Deshalb wurde mehr Stalldung als jetzt gewonnen; an Arbeitskräften fehlte es nicht so wie heute. Um den Mangel an Zugvieh und Arbeitskräften auf dem Lande zu überwinden, organisierte der Staat nach dem Krieg Zugviehausleihstationen sowie landwirtschaftliche Genossenschaften und stellte etliche Traktoren bereit. Unter den jetzigen Bedingungen ist es jedoch schwer, die Agrarproduktion auf ein höheres Niveau als das vor dem Krieg zu heben. Deshalb ist es notwendig, künftig große staatliche Investitionen in der Landwirtschaft vorzunehmen, um das Bewässerungsnetz auszubauen, einen Teil der Arbeitskräfte im Bauwesen in die Landwirtschaft zu versetzen und eine Reihe anderer Maßnahmen zu treffen.

Fünftens ist der Bedarf der Bauern an Waren zu decken.

Einer der Hauptmängel beim jüngsten Getreideaufkauf bestand darin, daß vor dem Beginn dieser Arbeit die von den Bauern geforderten Waren nicht rechtzeitig bereitgestellt wurden.

Unsere Funktionäre haben nicht berücksichtigt, daß die Bauern, die drei Jahre lang den Krieg durchgemacht haben, für die Gestaltung ihrer heutigen Lebensbedingungen verschiedene Waren brauchen. Während der Vorbereitung auf den Getreideaufkauf haben sie nur daran gedacht, daß die Bauern Textilwaren benötigen, und ihre vielfältigen Bedürfnisse nicht in Erwägung gezogen. Wie sich beim Getreide­aufkauf herausgestellt hat, forderten die Bauern nicht nur Textilwaren, sondern auch Kochtöpfe, Kalziumkarbid, Seifen und verschiedene andere Waren. Hätten unsere Funktionäre die Wünsche der Bauern genau in Erfahrung gebracht, wären sie mit Karbid und dergleichen ausreichend versorgt worden, obwohl der Export dieser Erzeugnisse ein wenig eingeschränkt worden wäre.

Unsere Mitarbeiter führten jedoch den Getreideaufkauf durch, ohne die von den Bauern benötigten Waren bereitgestellt zu haben. Als Ergebnis waren keine größeren Erfolge zu verzeichnen, obwohl die Möglichkeit dazu bestand. Papiergeld ist faktisch wertlos, wenn man dafür keine Waren kaufen kann. Allein die Tatsache, daß unsere Mitarbeiter den Getreideaufkauf vorgenommen haben, ohne den Bauern Waren bereitgestellt zu haben, zeigt uns ganz klar, daß diese Arbeit planlos und willkürlich verlief.

Nur dann, wenn wir den Bedarf der Bauern nach Waren decken, können wir ihr Interesse an der Produktion wecken und das Geld der Bauern schnell in Umlauf bringen. Dann ist es auch möglich, die wirtschaftliche Verbindung zwischen Stadt und Dorf und das Bündnis der Arbeiter und Bauern weiter zu festigen.

Um die Bedürfnisse der Bauern nach Gebrauchsartikeln zu befriedigen, ist es notwendig, die Leitung aller Ministerien, Verwaltungen und Handelsorgane durch die Partei und ihre Rolle zu verstärken.

Sechstens ist die Zahl der Arbeitskräfte im Bauwesen zu reduzieren und ein Teil von ihnen im Dorf einzusetzen.

Rund 10 000 landwirtschaftliche Genossenschaften sind bisher organisiert worden. Schickt man einen Arbeiter in jede Genossenschaft, so werden sich 10 000 Arbeiter auf dem Dorf befinden. Wenn man die

Zahl der Arbeiter verringert und sie ins Dorf entsendet, wird sowohl ihre Lebenslage verbessert als auch die ländliche Arbeit verstärkt.

Siebentens ist für den Getreideaufkauf künftig ein System der Vorausbezahlung einzuführen.

Dabei geht es um das Prinzip, den Bauern einen niedrigen Plan zum Getreideaufkauf zu geben und sie dazu anzuhalten, bewußt an dieser Arbeit teilzunehmen.

Die Hauptverwaltung für Getreidewirtschaft beim Ministerkabinett hat im Plan für das nächste Jahr vorgesehen, für 250 000 t Getreide im voraus zu zahlen. Das ist zu viel. Zweckmäßigerweise sind 100 000 t vorzusehen. Davon sind für 60 000 bis 70 000 t den landwirtschaftlichen Genossenschaften und für 30 000 bis 40 000 t den Einzelbauern im voraus zu zahlen. Dabei sind diejenigen Bauern zum Partner zu machen, die überschüssiges Getreide haben.

Beim Getreideaufkauf in den landwirtschaftlichen Genossenschaften oder bei Einzelbauern darf man ihnen den vollen Getreidepreis nicht auf einmal im voraus zahlen, sondern muß im Sommer 20 Prozent und im Herbst während des Getreideaufkaufs die übrige Summe auszahlen. Wenn die Betreffenden durch eine Naturkatastrophe Verluste an landwirtschaftlichen Kulturen erleiden, so muß man mit ihnen überein­kommen, daß nur für die im voraus bezahlten Preise die entsprechende Getreidemenge zu liefern ist. Zu empfehlen ist, die in diesem Jahr festgesetzten Aufkaufpreise des Getreides nicht zu verändern.

Achtens ist das System für die Erhebung von Naturalsteuer teilweise zu ändern.

Ab nächstem Jahr ist die Höhe der Naturalsteuer für jede land­wirtschaftliche Genossenschaft auf der Grundlage der in den letzten drei Jahren erzielten durchschnittlichen Ernteerträge von vornherein festzulegen und nicht zu ändern. Bei der Bestimmung der Natural­steuermenge ist selbstverständlich auch die Bodenfruchtbarkeit zu berücksichtigen. Wenn man auf diese Weise die Höhe der Steuer für die Genossenschaften von vornherein festlegt, so werden deren Mitglieder zur Produktionssteigerung stimuliert, und auch die Einzel­bauern werden positiv beeinflußt und auf diesem Wege in die landwirtschaftlichen Genossenschaften eintreten.

Den Einzelbauern sind die Naturalsteuermengen wie früher nach einer Überprüfung aufzuerlegen. Es ist ratsam, auch für die Einzel­bauern eine bestimmte Ertragsnorm je Hektar festzulegen. Wenn sie diese Norm überbieten; so muß man den Prozentsatz der Naturalsteuer für die überbotene Menge herabsetzen, worüber ein Vorschlag zu unterbreiten ist.

Große Aufmerksamkeit müssen wir darauf richten, die Entwicklung der Großbauern auf dem Dorf einzuschränken.

Neuntens ist der Kampf für die Einsparung von Lebensmitteln zu verstärken.

Unsere Ernährungslage ist zur Zeit sehr schwierig. Im staatlichen Maßstab sind nicht wenige Lebensmittel knapp. Das verlangt dringend, den Kampf um die Einsparung von Lebensmitteln zu verstärken.

In diesem Zusammenhang ist unter den Parteimitgliedern und anderen Werktätigen die ideologische Erziehung zu intensivieren. Die Parteiorganisationen aller Ebenen müssen ihnen konsequent zum Bewußtsein bringen, daß wir den Mangel an Lebensmitteln und viele andere Schwierigkeiten und Entbehrungen überwinden müssen, um den Sozialismus aufzubauen.

Es ist streng untersagt, in den staatlichen Organen den Stellenplan der Belegschaft zu erweitern. Alle Funktionäre müssen gegen die Tendenz, den Stellenplan prinzipienlos zu erweitern, unerschrocken auftreten.

Besondere Aufmerksamkeit ist auf die Lagerung des Getreides zu richten.

Die Feinde verüben heute des öfteren Diversionsmachenschaften und Wühltätigkeiten. Deshalb ist es außerordentlich wichtig, das Getreide zuverlässig zu lagern. Der Wachdienst für die Getreidelager ist zu verstärken, und es ist eine strenge Ordnung für den Zutritt zu den Getreidelagern herzustellen, um Beschädigungen zu verhüten.