Februar 1898 // Artikel
Tom Mann // Der Maschinenbauer-Streik in England

Der Maschinenbauer-Streik in England

Februar 1898

Quelle: Sozialistische Monatshefte, Jg. 1898, Nr. 2, Februar 1898, S.51-56.


Will man das Wesen des Kampfes, den die Maschinenbauer soeben durchkämpft haben, seine Ursachen und die Natur der Arbeiterforderungen begreifen, so ist es nothwendig, sich die Thätigkeit der Gewerkvereine sowie den Charakter des Allgemeinen Maschinenbauer-Vereins vor Augen zu führen; da jedoch bei allen derartigen Anlässen in der Regel die Zuverlässigkeit der Berichterstattung nach einer oder der anderen Seite hin in Zweifel gezogen zu werden pflegt, so schicke ich gleich voraus, dass ich die letzten achtzehn Jahre hindurch Mitglied des Allgemeinen Maschinenbauer-Vereins war und es gegenwärtig noch bin; ich füge hinzu, dass ich Kollektivist und ein überzeugter Anhänger sowohl des parlamentarischen als auch des gewerkschaftlichen Kampfes bin, sowie – da der Streik hauptsächlich in London spielte –, dass ich als Geselle, in einer Reihe der grössten Maschinenwerke Londons gearbeitet habe und daher die Zustände, die in dem betroffenen Distrikt vorherrschen, aus Erfahrung kenne.

Der Allgemeine Maschinenbauer-Verein war in den letzten 45 Jahren als eine der machtvollsten gewerkschaftlichen Organisationen des Landes anerkannt; seine Mitgliederzahl betrug bei Beginn des Kampfes, im Juni 1897, 92.000; sein Vermögen an diesem Zeitpunkt, 350.000 Lstr. (dreihundertundfünfzigtausend Pfund). Der Allgemeine Maschinenbauer-Verein war mit keiner anderen gewerkschaftlichen Organisation verbunden, obgleich ein Bund der Gewerkvereine für die Maschinen- und Schiffsbau-Industrie bestand. Während der letzten 20 Jahre haben viele Maschinenbau-Distrikte in den Provinzen sehr erhebliche Zuschläge zu den Wochenlöhnen gewährt und die Zahlungsbedingungen für Ueberstunden verbessert, obgleich in keinem Provinzdistrikt schlechtere Löhne gezahlt wurden als in London. Und dabei haben Londoner; Arbeiter verschiedene Ausgaben, die an den Provinzarbeiter nicht herantreten. Dennoch haben die Londoner. Maschinenbauer seit 20 Jahren an die Fabrikanten weder eine Forderung auf Erhöhung der Löhne noch auf Verkürzung der Arbeitszeit gestellt. In den letzten 7 bis 8 Jahren wurde in England, ebenso wie in anderen Ländern, viel über den Achtstundentag diskutirt und zwar mit dem Resultat, dass viele der Gewerkvereine, unter anderen der Allgemeine Maschinenbauer-Verein sich energisch für den Achtstünden-Arbeitstag erklären. Schon 1871 wurde der Neunstundentag (die Vierundfünfzigstundenwoche) erfolgreich im Maschinenbaugewerbe eingeführt, und während der letzten Jahre wurde in den meisten Provinzialstädten noch eine Stunde weniger gearbeitet, so dass man an Samstag-Nachmittagen zu einer Parthie Fussball oder einem ändern Sport zusammenkommen konnte. Endlich meinten die Londoner Arbeiter, es sei nun an der Zeit, Forderungen zu stellen, da, wie sie wohl wussten, während der letzten 20 Jahre Ruhe auf ihrer Seite geherrscht hatte. Inzwischen waren in den Maschinenbau-Fabriken, wo sie beschäftigt waren, vielfache Verbesserungen der Produktionsmethoden eingeführt worden, die der menschlichen Arbeitskraft erhöhte Produktivität liehen, von dieser Produktivität aber zogen, die Arbeiter auch nicht den geringsten Vortheil; im Gegentheil, Viele von ihnen wurden dadurch beschäftigungslos und fielen der Arbeitslosen-Unterstützungskasse des Vereins zur Last. Während dieser Periode errang die Agitation für die 48-Stunden-Arbeitswoche einen Erfolg bei den staatlichen See- und Waffenmagazinen, und nach einer beträchtlichen Probezeit erklärten die Regierungsberichte, dass das System seit seiner Einführung günstig gewirkt habe. Ferner hatten mehrere Maschinenbau-Firmen in London und in den Provinzen mittelst eines Uebereinkommens mit ihren Arbeitern freiwillig den Achtstundentag eingeführt, und jede einzelne dieser Firmen betonte nach mehrjähriger Erfahrung ihre volle Zufriedenheit damit. Dies bestimmte die Londoner Mitglieder des Allgemeinen Maschinenbauer-Vereins bei einer Beräthung, auf welchem Wege ihre Lage am besten zu bessern sei, sich, statt für höhere Lohnforderungen, einmüthig für die Forderung des Achtstundentages zu erklären. Dieser Beschluss wurde nun allen Mitgliedern der verwandten Gewerkvereine, die Zweigvereine in London besassen, bekannt gegeben, und alsdann das sogenannte Verbündete Gewerkschafts-Komitee (Allied Trades Committee) gebildet. Nachdem noch die Zustimmung des Vorstandes des Allgemeinen Maschinenbauer-Vereins eingeholt war, trat man nun in Unterhandlung mit den Londoner Maschinenbau-Fabrikanten und stellte die Forderung auf Herabsetzung der Arbeitszeit um eine Stunde pro Tag ohne gleichzeitige Lohnherabsetzung. Die Mehrzahl der Fabrikanten ging auf die neuen Bedingungen ein; aber einige der grössten Unternehmer riefen die Forderung zurück, und plötzlich begannen zu thätigem Widerstand die Maschinenfabrikanten im ganzen Lande ihre lokalen Vereine zu einem Bund zusammenzuschliessen. Dieser drängte zu einer bestimmten Gegenaktion gegen die Forderungen der Londoner Maschinenbauer-Gesellen, und die vereinigten Unternehmer liessen schliesslich in sämmtlichen Maschinenfabriken des Landes einen Lock out bekannt geben und zwar derart, dass Woche für Woche 25 % der organi-sirten Arbeiter ausgeschlossen werden sollten, bis endlich Alle entlassen seien, sofern nicht die Londoner Arbeiter ihre Forderungen zurückziehen würden.

Als Antwort darauf verliessen, sobald die ersten 25 % bekannt gegeben waren, die übrigen 75 % der Unionisten ebenfalls die Arbeit, nicht gewillt, die stückweise Entlassung der Fabrikanten abzuwarten, und dies war unter den gegebenen Verhältnissen zweifellos eine durchaus korrekte Politik. Inzwischen wurden weitere Lock outs verkündet, bis endlich die Zahl der Arbeitslosen, die direkt in den Kampf verflochten waren, 90.000 betrug. Davon waren nur 30.000 Mitglieder des Allgemeinen Maschinenbauer-Vereins, die Uebrigen meist gelernte Arbeiter, die verschiedenen anderen Gewerkvereinen angehörten, so dem Dampfmaschinenbauer-Verein, dem Modellarbeiter-Verein des vereinigten Königreichs, dem Verein der Werkzeugarbeiter, dem der Verfertiger wissenschaftlicher Instrumente, dem Maschinenarbeiter-Verein, dem Verein der Kupferschmiede, während eine grosse Zahl der gelernten Arbeiter gar keinem Gewerkvereine angehörte, sondern nur beschlossen hatte, mit den Gewerkvereinlern zusammen zu kämpfen. Ferner waren in dem Streik eine grosse Zahl anderer Arbeiter verwickelt, von denen nur der kleinste Theil organisirt war. Auch standen unter den 90.000 Streikenden Mitglieder der Vereine der Dampfkesselarbeiter und der Schiffsbauer, die nie gemeinsame Sache mit den Maschinenbauern gemacht, sondern nur infolge der Störungen, die der Streik mit sich brachte, ihre Arbeit verloren hatten.

Zu Beginn des Kampfes übernahm der Allgemeine Maschinenbauer-Verein nur die finanzielle Unterstützung der nichtorganisirten Arbeiter, die die Arbeit verloren; nach etwa dreimonatlicher Streikdauer waren indessen die Fonds einiger der kleineren Gewerkschaften völlig erschöpft, so dass der Allgemeine Maschinenbauer-Verein nun auch diese unterstützen musste. In der Zeit, als der Kampf seinen Höhepunkt erreicht hatte, wurden wöchentlich an die Arbeiter im Ganzen 40.000 Lstr. ausgezahlt, von denen 26.000 Lstr. aus der Kasse des Allgemeinen Maschinenbauer-Vereins flössen. Um Gelder zur Fortführung des Streiks aufzubringen, erhob der Verein von seinen in Arbeit stehenden Mitgliedern besondere Auflagen, bis der wöchentliche Extrabeitrag allein von Mitgliedern des Allgemeinen Maschinenbauer-Vereins 11.500 Lstr. einbrachte. Eine Anzahl anderer Gewerkvereine schenkte dem Aufruf um Unterstützung reichlich Gehör; aber im Allgemeinen nahmen sich die Trade Unions der Sache nur mit sehr geringem Eifer an, was schon aus der einfachen Thatsäche erhellt, dass die anderthalb Millionen britischer Gewerkschafter zusammen (ohne den Allgemeinen Maschinenbauer-Verein) nicht mehr als 5.000 Lstr. wöchentlich zu den Fonds beisteuerten, das heisst weniger als die Hälfte des Betrages, den die in Arbeit befindlichen Mitglieder des Allgemeinen Maschinenbauer-Vereins zeichneten; ausserdem liefen noch gegen 1.500 Lstr. wöchentlich ein durch Beiträge des Publikums, auch aus anderen Ländern, besonders aus Deutschland, Oesterreich und Skandinavien.

Die Erbitterung, mit der der Kampt geführt wurde, ist daraus ersichtlich, dass vor Ablauf von fünf Monaten keinerlei Konferenz zwischen den gegnerischen Parteien stattfand, und sich auch dann die Fabrikanten zu einer solchen nur unter der Bedingung bereit erklärten, dass zuerst nicht die Frage der Arbeitszeit, sondern ein halbes Dutzend von ihnen normirter Fragen diskutirt werde. Um nicht in den Augen Schlechtunterrichteter den Anschein der Halsstarrigkeit zu erwecken, nahmen die Arbeiterdelegirten die Konferenz an, obgleich sie nicht die leiseste Hoffnung hegten, unter diesen Bedingungen ein gutes Resultat zu erzielen. Es wurde ihnen auch schnell genug klar, dass die Unternehmer nicht eben in versöhnlicher Stimmung waren. Sie verlangten vollständige Kontrolle über ihre Fabriken, das Recht, Stückarbeit einzuführen, wo und wann dies ihnen vortheilhaft scheine, das Recht, Lehrlinge in jeder Zahl zu beschäftigen: sie forderten grössere Freiheit in Bezug auf Ueberstundenarbeit, und sie verlangten ferner, an die Maschinen solche Arbeiter stellen zu können, die ihrer Meinung nach am besten dazu geeignet seien, und ebenso diese Arbeiter nach eignem Gutdünken zu bezahlen. Und als dann endlich die Frage des Achtstundentages besprochen wurde, lehnten die Fabrikanten diesen aufs Entschiedenste ab und zwar unter dem Vorgeben, dass die Konkurrenz änderer Länder eine solche Einrichtung unmöglich mache; sie setzten hinzu, dass sie übrigens am besten zu beurtheilen verstünden, was in dieser Beziehung möglich und nothwendig sei, da ihnen die wahren Interessen des Handels und des Landes am Herzen lägen. So endete denn diese Konferenz damit, dass die Arbeiterdelegirten versprachen, die Bedingungen der Unternehmer den am Streik betheiligten Arbeitern mitzutheilen und diese darüber abstimmen zu lassen. Diese Abstimmung ergab eine fast einstimmige Verwerfung der Vorschläge der Unternehmer. Zu dieser Zeit – und das verdient erwähnt zu werden, da es von Einfluss auf die Misserfolge der Arbeiter war – gaben verschiedene Arbeiterdelegirten, die kleinere Gewerkschaften vertraten, deren Fonds bereits erschöpft waren, vertrauten Freunden gegenüber der Meinung Ausdruck, dass es mehr als genug des Kampfes sei, und der Streik lieber um jeden Preis beendigt werden sollte. Ebenso sprachen sich von den acht Mitgliedern des Vorstands des Allgemeinen Maschinenbauer-Vereins mindestens zwei in einem Sinne aus, der gerade keinen allzu starken Kampfesmuth verrieth. Die Erhaltung ihrer Fonds schien ihnen bedeutend mehr am Herzen zu liegen, als die energische Führung des Kampfes; dagegen zeigte sich in den Reihen der Unterführer und im eigentlichen Arbeiterheere nirgends im Lande auch nur ein Zeichen der Unentschlossenheit; im Gegentheil waren die nichtorgariisirten Arbeiter, die mit den organisirten zusammen im Streik standen, ebenso hartnäckig wie nur irgend eine Gewerkschaft. Besonders in Leeds war dies sehr bemerkenswerth. Zu Beginn des Streiks verliessen sich die Fabrikanten stark auf die Nichtorganisirten, die in fast genau so grosser Anzahl dort vertreten waren, wie die organisirten Arbeiter. Nachdem aber die Gewerkschafter mit den Nicht-Gewerkschaftern freundliche und taktvolle Unterhandlungen gepflogen hatten, wurden die unorganisirten Arbeiter treue Verbündete der organisirten und blieben dies bis zuletzt; und als Beweis der freundlichen Beziehungen, die zwischen gelernten und ungelernten Arbeitern bestanden, überwiesen die Gewerkschafter von der wöchentlichen Streikunterstützung, die die Gewerkschaft ihnen zahlte, jedes Mal eine Summe für einen Fonds zur Unterstützung der ungelernten Arbeiter, und zwar in Gemeinschaft mit den nichtorganisirten gelernten Arbeitern, die besonders bezählt wurden, und von den 10 Shilling, die sie wöchentlich, erhielten, für die Ungelernten 15 Lstr. wöchentlich beisteuerten. Das gleiche Verhalten zeichnete die Arbeiter auch in anderen Distrikten aus. Niemals und bei keiner Gelegenheit früher ist je ein so allseitig freundliches Einvernehmen und ein so wahrhaft brüderliches Gefühl unter Arbeitern beobachtet worden; wie bei diesem Streik, und hat dieser Kampf auch nicht Alles erfüllt, was man hcätte wünschen können, so hat er unzweifelhaft doch eine grosse und starke erzieherische Wirkung geübt. Als die zweite Konferenz zwischen den Vertretern der Arbeitgeher und der Arbeiter stattfand, waren nur sehr geringe Fortschritte gemacht. Die Arbeitgeber modifizirten ihre Vorschläge nur in wenigen Punkten; noch einmal stimmten die Arbeiter darüber ab und wieder verwarfen sie diese Vorschläge mit überwältigender Majorität. Unmittelbar nach dieser Abstimmung beschloss der Bund der Arbeitgeber, alle Punkte der Vorschläge mit erläuternden Bemerkungen zu versehen, die einen versöhnlicheren Geist auf Seiten der Unternehmer erkennen Hessen, als er bis dahin von ihnen bekundet worden war. Viele hielten dies für ein gutes Zeichen; aber es erwies sich auch das nicht als Vorbote einer besseren Gesinnung unter den Arbeitgebern.

Um diese Zeit wurde es bekannt, dass die Fonds des Allgemeinen Maschinenbauer-Vereins nahezu erschöpft waren, und das wöchentliche Einkommen aus sämmtlichen Quellen hinter den Ausgaben um 8.000 Lstr, zurückblieb. Augenscheinlich hatten die Fabrikanten die Absicht, durch den Hunger die Arbeiter zur Unterwerfung zu zwingen; denn obgleich sich in den Maschinenfabriken die Arbeiten beispiellos angesammelt hatten, hielten die kämpfenden Fabrikanten dennoch daran fest, die Arbeiter unter allen Umständen zu schlagen, koste dieser Sieg auch noch soviel Geld- oder Handelsverluste.

Auf Seiten der Arbeiter fand nun wiederum ein neuer Zusammenschluss durch den Londoner Gewerkschaftsrath statt, der jetzt eine nationale Konferenz aller Gewerkschaften einberief, um zu berathen, welche Schritte etwa noch zur Sammlung von Geldern gethan werden könnten; aber, obgleich diese Berathungen durchaus einen sympathischen und ermuthigenden Charakter trugen, verliefen sie doch in Bezug auf bestimmte finanzielle Unterstützung gänzlich resultatlos. Schon hielten, wie gesagt, einige Mitglieder des Vorstandes des Allgemeinen Maschinenbauer-Vereins die Lage für besorgnisserregend. Es bestand nämlich die Bestimmung, dass eine Restsumme von 70.000 Lstr. unter keinen Umständen zu Streikzwecken anzugreifen sei, sondern stets zur Zahlung der Altersunterstützungen zurückbehalten werden müsse, und es fürchteten jetzt verschiedene Mitglieder, dass diese Gelder in den Schwierigkeiten des Kampfes dennoch für den Streik verwandt werden könnten. So entschloss sich denn nach 29 Wochen des Kampfes, da keine Aussicht auf eine solche Geldunterstützung vorhanden war, die den Streik länger als etwa noch 2 Wochen aufrechterhalten konnte, die Majorität der acht Mitglieder des Vorstandes des Allgemeinen Maschinenbauer-Vereins, dem Verbündeten Gewerkschaftskomitee in London die Zurückziehung der Forderung des Achtstundentags zu empfehlen. Bestimmt durch diese Empfehlung entschied sich das Verbündete Gewerkschaftskomitee, das durch seine Forderung des Achtstundentags den Streik veranlasst hatte, nach heftiger Diskussion dafür, den betreffenden Vorständen der verschiedenen betheiligten Gewerkschaften den Beschluss der Zurückziehung ihrer Forderung bekannt zu geben, und am Dienstag, den 18. Januar wurde dieser Beschluss veröffentlicht.

Die eigentlichen Arbeiter im ganzen Lande nähmen diese Bekanntmachung sehr unwillig auf; es fehlte nicht an starken Ausdrücken der Entrüstung; sie wollten nicht glauben, dass es finanzieller Gründe halber unmöglich sei, den Streik länger fortzuführen. Als indessen die Entscheidung den Arbeitgebern mitgetheilt wurde, führte dies zu weiteren Unterhandlungen zwischen den Vertretern beider Parteien und zu einigen geringfügigen Modifikationen der Forderungen der Unternehmer. So wurden denn die durch weitere erläuternde Bestimmungen modifizirten Vorschläge der Arbeitgeber am Freitag, den 28. Januar 1898 unter den Arbeitern verbreitet, und die Majorität entschied sich dafür, die Bedingungen der Fabrikanten anzunehmen und den Streik aufzugeben.

Der Streik hat also mit einer Niederlage geendet, aber mit einer Niederlage, die geeignet ist, die sozialistische Bewegung vorwärts zu treiben. Gewiss wird Niemand sich über die Thatsache freuen, dass die Arbeiter geschlagen worden sind; aber wenn es wahr ist, wie Viele behaupten, dass die englische Gewerkschaftsbewegung einen viel zu eng begrenzten Charakter trug, dass die Gewerkschafter selbst weit davon entfernt waren, die wahre, wirthschaftliche Bedeutung der Macht des Kapitalismus zu verstehen, und dass eine rein freiwillige Aktion auf gewerkschaftlicher Basis in sich nicht die genügende Kraft besitzt, den verbündeten Unternehmern zu begegnen, so können wir hoffen, dass die Mitglieder der Gewerkschaften, die bisher politisch der einen oder der anderen plutokratischen Partei Gefolgschaft leisteten, jetzt die Nothwendigkeit einer unabhängigen, politischen Aktion zur Verwirklichung einer kollektivistischen Gesellschaft einsehen werden.