13. Oktober 1945 // Reden
Kim Il Sung // Schließen wir uns für den Aufbau eines neuen, demokratischen Korea zusammen

Schließen wir uns für den Aufbau eines neuen, demokratischen Korea zusammen

13. Oktober 1945

Rede auf dem von Vertretern verschiedener Bevölkerungskreise Pyongyangs gegebenen Empfang


Quelle: Kim Il Sung, Gesammelte Werke, Band 1


Liebe Bürger!

Unsere Nation, die sich 36 Jahre lang unter der Kolonialherrschaft der japanischen Imperialisten befand, die Unterdrückung und Erniedri­gung hinnehmen mußte, hat mit dem schändlichen Sklavenleben eines Heimatlosen endlich Schluß gemacht, Freiheit und Rechte errungen und den Weg des grandiosen Kampfes für den Aufbau eines neuen, demo­kratischen Staates eingeschlagen.

Es fällt mir schwer, meine Erregung zurückzuhalten, die mich heute, bei dieser Begegnung mit Ihnen, den Vertretern unterschiedlicher Be­völkerungsschichten Pyongyangs, auf dem Boden des von Freude über die Befreiung erfüllten Vaterlandes überfällt.

Ich möchte mich recht herzlich bei Ihnen dafür bedanken, daß Sie, obwohl Sie vom Aufbau eines neuen Korea voll und ganz in Anspruch genommen sind, dieses denkwürdige Treffen organisiert haben.

Gut zwanzig Jahre sind vergangen, seitdem ich mein Heimatland verließ, entschlossen, die Wiedergeburt des Vaterlandes zu erringen. In all diesen Jahren haben wir nicht für einen einzigen Augenblick unser von den Stiefeln der japanischen Imperialisten zertretenes Vaterland, unsere unter den Ketten der kolonialen Sklaverei schmachtende, Un­glück und Leid erduldende Nation vergessen und mit der Waffe in der Hand den harten Kampf gegen die räuberischen japanischen Imperialis­ten geführt.

Trotz der grausamen Repressalien der japanischen Imperialisten hat unser ruhmreiches und mutiges Volk sein nationales Wesen nicht verlo­ren, sondern die Kommunisten in ihrem bewaffneten Kampf aktiv mora­lisch und materiell unterstützt. Nur dank dieser Unterstützung konnten wir den Kampf mit ständig wachsendem Mut unter schwierigen Bedin­gungen zu Ende führen, fest überzeugt von der Wiedergeburt des Vater­landes, auch wenn auf unserem Weg unzählige Schwierigkeiten und Prüfungen vor uns standen.

Liebe Bürger!

Vor uns, die wir die große historische Sache, die Befreiung des Va­terlandes, vollendet haben, steht jetzt eine neue Kampfaufgabe – der Aufbau eines mächtigen, souveränen und unabhängigen demokratischen Staates.

Unser Volk fordert heute die Errichtung einer wahrhaft demokrati­schen Macht, die seinen Willen und seine Interessen vertritt und vertei­digt. Mit der Befreiung des Landes begann das Volk, eigene Machtorgane zu bilden, und organisierte bereits an vielen Orten Volkskomitees. Im Be­zirk Süd-Phyongan nannte man ein solches Machtorgan „politisches Volkskomitee“. Ich glaube, daß dieser Name den Willen der Volksmassen zum Ausdruck bringt, die wünschen, daß die Politik für das Volk gemacht wird. Wir müssen so schnell wie möglich eine demokratische nationale Einheitsfront bilden, der alle patriotischen demokratischen Kräfte angehö­ren, auf dieser Grundlage eine demokratische Regierung aufbauen und die Durchsetzung einer wahrhaft volksverbundenen Politik erreichen. Wir sind verpflichtet, die Volksmacht zu errichten, die Kräfte des ganzen Vol­kes aktiv zu organisieren und zu mobilisieren und die Wirtschaft und Kul­tur des Landes wiederaufzubauen und weiterzuentwickeln, um ein neues, mächtiges, zivilisiertes demokratisches Korea aufzurichten.

Eine wichtige Aufgabe beim Aufbau eines neuen Korea ist die Aus­bildung vieler nationaler Kader.

Auf dem Boden des befreiten Vaterlandes wollen wir ein neues, de­mokratisches Korea aufbauen; in diesem Zusammenhang stellen sich zahllose Schwierigkeiten und Hindernisse in unseren Weg. Eine der größten Schwierigkeiten ist der Mangel an nationalen Kadern. Überall werden jetzt Kader gebraucht; doch ausgebildete Kader haben wir buch­stäblich nur ganz wenig. Dadurch entstehen große Störungen im staatli­chen Aufbau.

Die geringe Zahl unserer nationalen Kader ist ein schlimmes Erbe der Kolonialherrschaft der japanischen Imperialisten, die mit allen Mit­teln versuchten, unser Volk in Finsternis und Unwissenheit zu stürzen, und die Ausbildung nationaler Kader in unserem Lande mit allen Kräf­ten behinderten.

Die Schlüsselfrage, von deren Entscheidung das Schicksal des Auf­baus eines neuen Korea abhängt, besteht darin, ob wir imstande sein wer­den, hoch qualifizierte nationale Kader in kürzester Zeit auszubilden.

Um Frage der nationalen Kader zu lösen, müssen wir die Kader wäh­rend des praktischen Kampfes heranbilden und gleichzeitig ein dichtes Netz politischer Schulen und Lehrgänge schaffen, in die man gute Men­schen aufnehmen sollte und in denen man sie zu Kadern entwickeln muß.

Besonders ist in erster Linie die Volksbildung für die künftige Ka­derausbildung zu intensivieren. Unsere Aufgabe ist es, die Überreste des Bildungssystems der kolonialen Sklaverei des japanischen Imperialis­mus zu beseitigen, ein System der Volksbildung einzuführen, für ein dichtes Netz von Schulen aller Stufen zu sorgen und auf diese Weise zu sichern, daß die Kinder und Jugendlichen zu würdigen Erbauern des neuen Korea erzogen werden können.

Vor allem kommt es darauf an, möglichst schnell eine Hochschule für das Volk ins Leben rufen. Der Aufbau einer Hochschule unter den heuti­gen Bedingungen unseres Landes ist natürlich nicht leicht. Als Folge der von den japanischen Imperialisten betriebenen kolonialen Politik der Ver­dummung unseres Volkes gibt es heute in Nordkorea nicht eine einzige Hochschule, und folglich fehlen uns auch die entsprechenden Erfahrun­gen bei der Leitung einer Hochschule. Wenn wir eigene Hochschule er­richten wollen, so stehen wir vor dem Problem, ein Gebäude zu erstellen, Lehrmaterialien und Laborausrüstungen zu beschaffen; es besteht auch Mangel an Intellektuellen, die als Dozenten in dieser Hochschule tätig sein könnten. Doch keinesfalls dürfen wir angesichts der zahllosen Schwierigkeiten, die bei der Gründung einer Hochschule auftreten, resig­nieren. Ohne den Aufbau einer Hochschule zur systematischen Ausbil­dung nationaler Kader ist eine helle Zukunft des Vaterlandes undenkbar.

Wir müssen alle nur möglichen Schwierigkeiten überwinden und die Schaffung einer Hochschule für das Volk aktiv vorantreiben. Wenn wir z. B. ein Vorbereitungskomitee für die Gründung einer Hochschule or­ganisieren, das alle dabei auftretenden Fragen zu klären hat, werden wir in einer nicht fernen Zukunft dieses Problem lösen können.

Der Intelligenz kommt beim Aufbau eines neuen Korea eine große, ständig wachsende Bedeutung zu. In den Jahren der Kolonialherrschaft des japanischen Imperialismus war die Intelligenz unseres Landes der nationalen Unterdrückung und Diskriminierung ausgesetzt, war ihr der Weg zur praktischen Anwendung ihrer Kenntnisse und technischen Fer­tigkeiten verwehrt. Doch jetzt hat sich die Lage geändert. Der Intelli­genz steht der Weg zur freien Betätigung auf allen Gebieten in Politik, Wirtschaft und Kultur offen. Wir müssen erreichen, daß die Intelligenz, fest auf der Seite des Volkes stehend, sich aktiv am Aufbau eines neuen Korea beteiligt und all ihre Kenntnisse und technischen Fertigkeiten in den Dienst des Aufbaus eines souveränen und unabhängigen demokrati­schen Staates stellt.

Der Aufbau eines mächtigen, souveränen und unabhängigen Staates erfordert die Schaffung eigener regulärer Streitkräfte des Volkes.

Jede Nation braucht eine eigene nationale Armee, wenn sie die volle Unabhängigkeit und den Aufbau eines starken, souveränen und unabhän­gigen Staates wünscht. Ein Land, das über keine mächtigen nationalen Streitkräfte verfügt, kann kein unabhängiger Staat werden; das beweist die Geschichte unseres Landes sehr deutlich. In der Vergangenheit besaß unser Volk keine derartige nationale Armee, die die äußeren Feinde hätte zurückschlagen können; als Folge davon wurde Korea von den japani­schen imperialistischen Aggressoren erobert und unserem Volk das bittere Los heimatloser Sklaven aufgezwungen.

Unser Volk darf nicht wieder in die koloniale Sklaverei geraten. Des­halb muß es, ohne noch so große Schwierigkeiten zu scheuen, unbedingt seine eigene reguläre Volksarmee aufbauen. Wir haben ein befreites Vaterland, wir haben ein Volk mit hohem Patriotismus, wir haben Vete­ranen des antijapanischen revolutionären Krieges, die an dem harten fünfzehnjährigen Kampf gegen den japanischen Imperialismus teilge­nommen haben. Wir müssen unbedingt und schnellstens reguläre Streit­kräfte mit diesen Kämpfern als Rückgrat aufbauen.

Selbst unter den schwersten Bedingungen während der Kolonialherr­schaft der japanischen Imperialisten organisierten wir eine antijapanische Partisanenarmee und verfügten so über eigene revolutionäre bewaffnete Kräfte; demnach können wir jetzt im befreiten Heimatland auf dieser Grundlage eine noch bessere Volksarmee schaffen.

In Zukunft müssen alle unsere jungen Menschen, die mit patrioti­scher Begeisterung erfüllt sind, die Waffe in die Hand nehmen und auf­opferungsvoll für ihr Land und ihr Volk kämpfen.

Um das Vaterland neu zu gestalten, müssen wir so schnell wie möglich die von den japanischen Imperialisten bei ihrer Flucht zer­störten Industriebetriebe und Dörfer wiederaufbauen. Die japanischen Imperialisten haben in unserem Land sogar die Handwerksbetriebe vernichtet. So haben wir jetzt weder Nahrungsmittel noch Gebrauchs­güter. Wir besitzen nicht einmal einen eigenen Bleistift. Deshalb muß das ganze Volk zuallererst seine ganze Kraft dafür einsetzen, um we­nigstens das Handwerk schnell wiederaufzubauen, muß die zerstörten Betriebe wiedererrichten und in Ordnung bringen.

Wer Geld hat, soll das Geld für diese Sache geben, wer etwas von der Technik versteht, soll sein Können dafür einsetzen, wer Kraft hat, soll seine Kraft geben; mit einem Wort, jedermann hat die Pflicht, am Aufbau des Staates teilzunehmen. Auf diese Weise sind vor allem die Bedingun­gen für die materielle Versorgung der Bevölkerung zu schaffen.

Um all die Aufgaben, die sich bei der Neugestaltung des Vaterlandes ergeben, erfolgreich zu lösen, muß sich das ganze Volk fest zusammen­schließen. Die Geschlossenheit ist der Kraftquell unseres befreiten Vol­kes, das Unterpfand seines Sieges. Der Aufbau eines neuen Korea hängt von dem festen Zusammenschluß des Dreißigmillionenvolkes ab. Unter Ausschluß der projapanischen Elemente, der Vaterlandsverräter und der sonstigen Reaktionäre müssen sich alle patriotisch gesinnten demokrati­schen Kräfte unter dem Banner der demokratischen nationalen Einheits­front ehern zusammenschließen und beharrlich für den Aufbau eines neuen Korea kämpfen. Wenn alle das Land und die Nation liebenden demokratischen Parteien, Gruppierungen und alle Schichten der Bevöl­kerung, denen die Zukunft des Vaterlandes teuer ist, sich in geschlosse­ner Front zum Aufbau eines neuen Vaterlandes erheben, wird unsere heilige Sache, der Aufbau des Staates, in der Tat von Erfolg gekrönt sein. Sie sollten Ihre aktiven Bemühungen darauf richten, alle patrio­tisch gesinnten demokratischen Kräfte zusammenzuschließen.

Liebe Bürger!

Am 10. Oktober gründeten wir Kommunisten das Zentrale Organisa­tionskomitee der KP Nordkoreas und verkündeten der Welt die Geburt unserer KP.

Wie Sie alle wissen, betrieben die japanischen Imperialisten in der Vergangenheit maßlos wüste Demagogie, um die Autorität der Kommu­nisten in Mißkredit zu bringen und ihren Einfluß auf die Volksmassen zu unterbinden. Manche Menschen, die noch immer unter dem Einfluß die­ser Demagogie der japanischen Imperialisten gegen die Kommunisten stehen, haben bis jetzt noch keine richtige Vorstellung von der KP.

Die KP ist die Kampfabteilung und Avantgarde der Arbeiterklasse, die die Interessen der Arbeiter und aller anderen werktätigen Massen konsequent verteidigt und für den Aufbau eines souveränen, unabhängi­gen und demokratischen Staates kämpft. Für uns Kommunisten gibt es und kann es kein anderes Ziel geben als den Kampf für die wahren Inte­ressen und das Glück aller werktätigen Massen.

Auf ihrem Gründungsparteitag legte die KP ihre politische Grundli­nie auf der gegenwärtigen Etappe fest, die die Errichtung einer demo­kratischen Volksrepublik und die Umwandlung unseres Landes in einen mächtigen, souveränen und unabhängigen demokratischen Staat zum Ziel hat, und formulierte ihre nächsten Aufgaben. Diese bestehen darin, die demokratische nationale Einheitsfront aus den breiten Massen der patriotisch gesinnten demokratischen Kräfte der verschiedenen Bevölke­rungsschichten zu bilden, auf dieser Grundlage eine demokratische Volksrepublik zu gründen, die Überbleibsel der Kräfte des japanischen Imperialismus, die Helfershelfer der internationalen Reaktion und ande­re reaktionäre Elemente zu vertreiben und damit einen Beitrag zur nor­malen demokratischen Entwicklung des Landes zu leisten. Ferner sind überall Volkskomitees zu bilden, demokratische Reformen durchzufüh­ren, die Wirtschaft wiederaufzubauen und zu entwickeln, das materiell­kulturelle Lebensniveau der Bevölkerung zu erhöhen und auf diese Weise ein sicheres Fundament für den Aufbau des demokratischen unabhängi­gen Staates zu schaffen. Die KP und ihre Mitglieder werden beharrlich für die Durchsetzung ihrer politischen Linie kämpfen, die den Lebensinteres­sen des ganzen koreanischen Volkes voll entspricht.

Die KP ist durchaus nicht irgendeine geschlossene Organisation für eine kleine Anzahl von Kommunisten. Wir werden sie zu einer macht­vollen Massenpartei entwickeln, die tief in den breiten Massen des werktätigen Volkes verwurzelt ist. Unsere Partei wird aktiv progressive Menschen aus den Arbeitern und Bauern, die dem Aufbau eines souve­ränen und unabhängigen demokratischen Staates vorbehaltlos ergeben sind, in ihre Reihen aufnehmen und die Zahl ihrer Kräfte ständig erwei­tern und festigen.

Die KP wird, ohne zu schwanken, mit den Parteien, Gruppierungen und Schichten der patriotisch gesinnten Menschen zusammenarbeiten, die für die Erringung der vollen Unabhängigkeit und die demokratische Entwicklung unseres Landes eintreten. Wir werden aktive Anstrengun­gen unternehmen, um die patriotisch gesinnten demokratischen Kräfte aller Bevölkerungsschichten zusammenzuschließen, und jegliche Er­scheinungen, die die Schaffung der demokratischen nationalen Einheits­front behindern, unversöhnlich bekämpfen.

Abschließend verleihe ich der Hoffnung Ausdruck, daß Sie alle unter vollem Einsatz Ihrer Kräfte für den Aufbau eines mächtigen, souveränen und unabhängigen demokratischen Staates kämpfen werden.