10. August 1954 // Reden
Kim Il Sung // Zur weiteren Entwicklung der Literatur und Kunst

Zur weiteren Entwicklung der Literatur und Kunst

10. August 1954

Schlußansprache auf der Sitzung des Politkomitees des Zentralkomitees der Partei der Arbeit Koreas


Quelle: Kim Il Sung, Gesammelte Werke, Band 9


Ich möchte heute kurz auf einige Fragen eingehen, auf die die Mitarbeiter auf dem Gebiet der Literatur und Kunst in ihrer künftigen schöpferischen Tätigkeit ihre Aufmerksamkeit richten müssen.

Die Literatur- und Kunstschaffenden müssen vor allem in ihrer schöpferischen Tätigkeit gründlich und richtig die Proportionen zwischen den Werken wahren, deren Themen unsere Geschichte und unser revolutionärer Kampf sowie die Gegenwart sind.

Gegenwärtig besteht ein großer Mangel der Literatur- und Kunst­schaffenden darin, daß sie bei ihrer schöpferischen Tätigkeit und bei der Verbreitung der Werke das Gewicht nur auf eine Seite legen. Wenn die Partei kritisiert, daß keine hervorragenden Literatur- und Kunstwerke über die Vergangenheit geschaffen werden, wendet man sich nur der Verbreitung von derartigen Werken zu, während das andere ver­nachlässigt wird. Die Partei forderte dazu auf, mehr Werke mit Themen über den Wiederaufbau nach dem Krieg hervorzubringen; manche Schriftsteller und Künstler jedoch halten sich einseitig an diese Forderung und vernachlässigen die Schaffung von Werken über den heldenhaften Kampf unserer Volksarmee und unseres Volkes während des Vaterländischen Befreiungskrieges. Auf dem Gebiet der Literatur und Kunst sorgt man auch nicht dafür, die Werke, die während des Krieges hervorgebracht wurden, wie erwünscht unter dem Volk zu verbreiten.

Gegenwärtig werden das Lied „An der Wasserquelle“ und „das Lied von den Kraftfahrern“, die unsere Volksarmee und unser Volk während des Vaterländischen Befreiungskrieges gern gesungen haben, nicht stark popularisiert. Insbesondere ist es ein ernster Mangel, daß die ursprünglichen Texte dieser Lieder nicht gesungen werden, sondern daß man sie nach eigenem Gutdünken umändert und so schöne Lieder verunstaltet.

In Literatur und Kunst kommt es darauf an, diese Mängel so schnell wie möglich zu beseitigen und die Politik der Partei in diesem Bereich konsequent zu befolgen.

Es gilt, sich verstärkt für die Schaffung von Werken mit Themen über den Vaterländischen Befreiungskrieg und für deren Verbreitung einzusetzen.

Das erweist sich für die große Sache, die Vereinigung des Vaterlandes, wie auch für den beschleunigten Wiederaufbau nach dem Krieg als eine außerordentlich wichtige Angelegenheit.

Die Vereinigung unseres Vaterlandes ist noch immer nicht verwirklicht, und die US-Imperialisten, die Südkorea immer noch besetzt halten, bereiten sich fieberhaft auf einen Aggressionskrieg gegen den nördlichen Teil der Republik vor. Unter diesen Bedingungen müssen wir uns, wenn wir die große Sache, die Vereinigung des Vaterlandes, realisieren wollen, auf alle Fälle auf einen harten Kampf einstellen. Deshalb müssen wir die Parteimitglieder und das ganze Volk politisch und ideologisch zuverlässig vorbereiten.

Der Kampf für den Wiederaufbau nach dem Krieg ist ebenfalls ein sehr schwieriger Kampf, der von den Volksmassen fordert, flam­menden Patriotismus und unvergleichlichen Heroismus zu bekunden. Ein erfolgreicher Wiederaufbau in der Nachkriegsperiode, der schwierig, aber großartig ist, erfordert, die Erziehungsarbeit unter dem ganzen Volk zu verstärken und zu erreichen, daß es unentwegt den gleichen begeisterten Elan und Enthusiasmus zeigt, mit denen es im Krieg den US-Imperialismus besiegte.

Die Werke mit Themen über den Vaterländischen Befreiungskrieg sind bei der revolutionären Erziehung der Volksmassen eine große Kraft. Wir sind verpflichtet, mit lebendigen Materialien über den heroischen Kampf unserer Volksarmee und unseres Volkes gegen den US-Imperialismus, der sich als „Allmächtiger“ der Welt aufspielte, und gegen seine Helfershelfer während des Vaterländischen Befreiungs­krieges viele Literatur- und Kunstwerke – Romane, Filme, Lieder, Tänze u. a. – zu schaffen und somit die Parteimitglieder und das ganze Volk zu erziehen. Außerdem müssen wir unter dem Volk die bereits geschaffenen Werke mit Themen über den Vaterländischen Befreiungskrieg in großem Umfang verbreiten. Heute, nach dem Waffenstillstand, wird unser Volk beim friedlichen Aufbau von den Werken der Literatur und Kunst zutiefst beeindruckt sein, die seinen lebendigen Kampf während des harten Krieges widerspiegeln.

Neben den Werken mit Themen über den Vaterländischen Befreiungskrieg sind mehr solche mit Themen über die Gegenwart hervorzubringen.

Nur so ist es möglich, die Werktätigen, die sich zum Wiederaufbau nach dem Krieg erhoben haben, zum Kampf anzuspornen und den Wiederaufbau erfolgreich voranzubringen. Die wichtige Aufgabe der Schriftsteller und Künstler besteht darin, in der pulsierenden Wirklichkeit Fuß zu fassen und die Wirklichkeit folgerichtig niederzugeben.

In aktiver Unterstützung des Aufrufes der Partei „Alles für den Wiederaufbau und die Entwicklung der Volkswirtschaft nach dem Krieg im Interesse der Stärkung der demokratischen Basis!“ vollbringt unser Volk allerorts wahre Wunder und Neuerungen, um den Plan für dieses Jahr, das erste Jahr im Zeitraum des Dreijahrplans der Volkswirtschaft, vorfristig zu erfüllen. Die Schriftsteller und Künstler müssen die pulsierende Wirklichkeit des Wiederaufbaus und den heroischen Kampf des Volkes überzeugend darstellen und somit gewissenhaft zum Wiederaufbau nach dem Krieg beitragen.

In der Literatur und Kunst darf man die Schaffung und Verbreitung von Werken mit Themen über unsere Geschichte nicht außer acht lassen, sondern man muß hierbei gute Arbeit leisten.

Des weiteren ist das kulturelle Erbe der Nation kritisch zu über­nehmen und zu entwickeln.

Das ist von großer Bedeutung dafür, daß das Volk von hohem Nationalstolz und hoher Würde geprägt ist und die Nationalkultur zur vollen Blüte gebracht wird. Unsere Partei legte bereits kurz nach der Befreiung den Kurs fest, das kulturelle Erbe der Nation kritisch zu übernehmen und zu entwickeln, und machte große Anstrengungen für dessen Durchsetzung.

Manche Literatur- und Kunstschaffenden haben jedoch keine Vorstellung von der Politik der Partei, die darauf gerichtet ist, das kulturelle Erbe der Nation zu übernehmen und zu entwickeln, und folglich kommt es bei ihnen hierbei zu Abweichungen.

Gegenwärtig äußern sich manche Schriftsteller und Künstler gegenüber den heutigen Literatur- und Kunstwerken geringschätzig und meinen, daß sie nicht den Werken von früher entsprechen. Das ist eine sehr ernste Sache. Sie sind der Auffassung, daß die unserer Nation eigenen Melodien schrill seien, und erkennen die Sängerinnen nur dann als befähigte an, wenn sie die Volkslieder mit schriller Stimme singen, und fördern diese Art zu singen. Das hat zur Folge, daß die nationale Kunst keine Nachwuchskünstler hat und hier nur Leute zusammen­kommen, die mit schriller Stimme singen. Deshalb gelang es uns nicht, unsere nationale Kunst zu entwickeln.

Die schrillen Melodien sind nicht den Melodien unserer Nation eigen, sondern den früheren Liedern der Clowns. Das bestätigen auch die Historiker. Wie könnten also diese Melodien zu unserer National­musik gehören! Selbst wenn es solch eine Nationalmusik vor langer Zeit gegeben haben soll, so besteht heute aber kein Grund, deren absolute Nachahmung zu fordern. In früheren Zeiten fanden Leute der höheren Stände, die Roßhaarkappe auf dem Kopf und auf Eseln reitend in den Tag hineinlebten, Gefallen an schrillen Melodien. Wie sehr man auch immer propagieren mag, daß diese Melodien schön seien, unserer Jugend, die sich heute modern kleidet, gefallen sie nicht. Die Behauptung, daß die schrillen Melodien gut seien, ist eine archaistische Tendenz, das Ursprüngliche unkritisch und unüberlegt wiederzu­beleben.

Diese Tendenz ist auch in der Übernahme nationaler Formen der Kunst zu beobachten. Heute sind manche Leute der Ansicht, im Zusammenhang mit der Entwicklung der nationalen Kultur und Kunst müsse man sich so kleiden wie in früheren Zeiten und auch die Nationalinstrumente ebenso wie die Vorfahren auf dem Boden sitzend musizieren.

Das Erbe der nationalen Kultur entsprechend den heutigen realen Bedingungen zu übernehmen und zu entwickeln – das ist ein wichtiger Kurs, an den sich unsere Partei beim Aufbau der nationalen Kultur konsequent hält. Wir dürfen uns zu diesem Erbe weder nihilistisch noch archaistisch verhalten. Im kulturellen Erbe der Nation müssen wir genau feststellen, was progressiv und volksverbunden, was rückständig und reaktionär ist; das Progressive und Volksverbundene ist kritisch zu übernehmen und zu entwickeln; das Rückständige und Reaktionäre ist abzulehnen.

Die Schriftsteller und Kunstschaffenden müssen diesen Kurs der Partei konsequent durchsetzen. Mehr noch: Bei der Übernahme und Entwicklung des kulturellen Erbes der Nation müssen sie verstärkt gegen die archaistische Tendenz, die unüberlegte Wiederbelebung von Altem, auftreten.

Die Schriftsteller und Künstler sollten bei ihrer schöpferischen Arbeit und bei der Popularisierung von Werken eine richtige Ein­stellung zum Geschichtsmaterial haben.

Wir haben bereits während des Vaterländischen Befreiungskrieges mit dem Ziel, zur Erziehung der Volksarmee und des Volkes beizutragen, darauf hingewiesen, Literatur, die den Kampf unserer Vorfahren gegen die ausländischen Aggressoren darstellt, und Heldensagen, die Memoiren der heldenhaften Kämpfer der Volksarmee enthalten, zu veröffentlichen.

Manche Leute jedoch versuchten, das Geschichtsmaterial, das sich auf die Beziehungen mit anderen Ländern negativ auswirken könnte, ohne politische Überlegung zu veröffentlichen, wobei sie behaupteten, daß dies schließlich historische Tatsachen seien. Deshalb kritisierten wir ihre falschen Auffassungen.

Wenn es auch historische Tatsachen sind, so müssen wir sie dennoch politisch gründlich analysieren, und wenn sie auch nur im geringsten die Erziehung des Volkes und die gesellschaftliche Entwicklung behindern, so müssen wir darauf verzichten, sie zu popularisieren. Die Schriftsteller und Künstler müssen künftig durch die weitere Erhöhung ihrer politischen Kenntnisse von einem festen politisch-ideologischen Standpunkt aus Werke schaffen, herausgeben und verbreiten.

Außerdem ist in Literatur und Kunst verstärkt dagegen aufzutreten, daß fremde Werke nachgeahmt werden.

Gegenwärtig neigen manche der Schriftsteller und Künstler dazu, fremde Werke zu kopieren; über ihre schöpferische Arbeit machen sie sich keine Gedanken. Nicht wenige Filme oder Romane ähneln in manchen Episoden fremder Kunst. Es kommt sogar vor, daß auch in der Malerei Fremdes völlig nachgebildet wird. All dies ist ein Ausdruck von Dogmatismus und Kriechertum und schadet außerordentlich der Entwicklung der nationalen Kultur und Kunst. Das Kopieren fremder Werke macht es uns unmöglich, hervorragende Werke zu schaffen, die den Gedanken und Gefühlen unseres Volkes und den realen Bedingungen entsprechen, und die Nationalkultur zu entwickeln. Das ist auch keine schöpferische Einstellung der Schriftsteller und Künstler zu den Forderungen der Partei.

Alle Schriftsteller und Künstler müssen eben solch eine falsche Haltung wie das Kopieren fremder Produkte entschieden überwinden, sich selbst Gedanken machen und hervorragende Werke schaffen, die die Wirklichkeit unseres Landes widerspiegeln. Zu diesem Zweck müssen sie sich mit der Linie und Politik unserer Partei, insbesondere in Bezug auf die Literatur und Kunst, fest ausrüsten und sie in ihrer schöpferischen Tätigkeit konsequent verkörpern.

Außerdem müssen sie sich gründlich mit der Wirklichkeit vertraut machen. Wenn sie nicht in das pulsierende reale Leben gehen und vom grünen Tisch aus handeln, sind sie nicht imstande, ideologisch und künstlerisch hervorragende Werke zu schaffen, die den Forderungen unseres Volkes und dem Geist der Epoche entsprechen.

Das reale Leben unseres Landes bietet viele für die künstlerische Gestaltung ausgezeichnete Themen. Zu schaffen sind Literatur- und Kunstwerke mit Themen über den großartigen Kampf unseres Volkes, das sich zum Wiederaufbau nach dem Krieg erhoben hat, oder zum Beispiel über die Fischer, die auf hoher See, den tosenden Wellen trotzend, um reiche Fangerträge ringen. Diese Werke werden also die Charaktere und die Gefühle der Koreaner ansprechen und sich die Liebe des Volkes verdienen. Deshalb ist den Schriftstellern und Künstlern zu raten, an Ort und Stelle gemeinsam mit den Arbeitern, Bauern und anderen Werktätigen zu leben und dabei die Wirklichkeit gründlich zu studieren.

Es gilt ferner, die Massen gewissenhaft an der literarischen und künstlerischen Tätigkeit zu beteiligen.

So wie in der gesamten revolutionären Arbeit ist es eben auch in Literatur und Kunst nicht möglich, Erfolge zu erreichen, wenn man sich nur auf einige Schriftsteller und Künstler stützt. Um die Literatur und Kunst entwickeln zu können, muß man die Massen in diese Arbeit einbeziehen. Das Volk ist nicht nur der Schöpfer der materiellen Güter, sondern auch der Schöpfer der Literatur und Kunst. Nur wenn sich die Massen an der literarisch-künstlerischen Tätigkeit in großem Umfang beteiligen, können mehr gute Literatur- und Kunstwerke geschaffen werden, die das Leben der Arbeiter, Bauern und der anderen werktätigen Massen wahrhaftig widerspiegeln. Das kann von den Stücken gesagt werden, die beim Landeswettbewerb der Laienkünstlergruppen zu sehen sind. Auf dem Forum dieser Veranstaltungen wurden viele hervorragende Literatur- und Kunstwerke vorgestellt, die vom Volk geschaffen wurden. Der Tanz „Mädchen bei der Apfelernte“, den die Laienkünstlergruppe des Kreises Jongju des Bezirkes Nord-Phyongan geschaffen hat, ist eine außerordentlich gute Arbeit. Die Wirklichkeit beweist anschaulich, daß man künstlerisch Ausgezeichnetes nur dann hervorbringen und unsere nationale Kultur und Kunst weiter spürbar entwickeln kann, wenn sich die Massen an Literatur und Kunst beteiligen.

Selbstverständlich können sich diese von den Laienkünstlergruppen geschaffenen Werke weder in der künstlerischen Gestaltung noch in ihrer Meisterschaft mit denen der Berufskünstler messen. Ihre Arbeiten zeichnen sich jedoch durch wahrhafte und lebendige Darstellung der Lebensverhältnisse aus, und deshalb eben finden sie bei den Menschen starken Widerhall.

Die Arbeit der Laienkünstlergruppen muß man weiterhin tatkräftig fördern und die Massen aktiv in die literarisch-künstlerische Tätigkeit einbeziehen.

Das Ministerium für Kultur und Propaganda sowie die Funktionäre auf dem Gebiet der Literatur und Kunst sind verpflichtet, unter den Massen gute organisatorische Arbeit zu leisten, damit sie die literarisch-künstlerische Tätigkeit rege entfalten, und die Anleitung der kulturellen Arbeit unter den Massen zu verstärken. Wenn auch die literarisch-künstlerischen Arbeiten der Massen noch nicht ausgereift sind, muß man sie schätzen und feinfühlig fördern.

Ich hoffe, daß Sie sich verstärkt für die konsequente Durchsetzung der Politik unserer Partei auf dem Gebiet der Literatur und Kunst einsetzen werden.