18. September 1956 // Reden
Walter Ulbricht // Freundschaft mit 600 Millionen Chinesen (Auszüge)

Freundschaft mit 600 Millionen Chinesen (Auszüge)

18. September 1956

Walter Ulbricht sprach auf dem VIII. Parteitag der KP Chinas


Quelle: Neues Deutschland, 18.09.1956
Hervorhebungen wie im Original.


Auf der Montagsitzung des Parteitags überbrachte der Erste Sekretär des ZK der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, Walter Ulbricht, dem Parteitag und allen Mitgliedern der Kommunistischen Partei Chinas sowie dem ganzen chinesischen Volke herzliche und brüderliche Grüße.

„Die deutsche Arbeiterklasse blickt mit großem Interesse auf die Beratungen des VIII. Parteitags“, sagte er. „Sie hat sich stets mit dem Befreiungskampf des chinesischen Volkes unter der Führung der Kommunistischen Partei Chinas solidarisch gefühlt. Ungeheure Leistungen hat die chinesische Arbeiterklasse im Bündnis mit den Bauern vollbracht, um den Sieg der Volksrevolution zu erkämpfen. Alle friedliebenden und fortschrittlichen Kräfte in Deutschland sind dem chinesischen Volke dankbar, daß es durch diesen Sieg von Weltbedeutung die Positionen des demokratischen und antiimperialistischen Lagers entscheidend gestärkt und das Kräfteverhältnis weiter zugunsten des Sozialismus verändert hat.

An der Seite der mächtigen Sowjetunion ist eure Volksrepublik im Kampf um die Sicherung des Weltfriedens und um die lichte Zukunft der Menschheit zu einer großen Kraft geworden. Alle Mitglieder der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, alle fortschrittlichen Kräfte des deutschen Volkes bewundern die gewaltigen Erfolge des chinesischen Volkes und seiner Kommunistischen Partei bei der Stärkung der volksdemokratischen Macht Chinas.

Die Erfolge sind nur möglich geworden, weil die Kommunistische Partei Chinas unter der kollektiven Führung ihres Zentralkomitees mit dem Genossen Mao Tse-tung an der Spitze es verstanden hat, die Lehre des Marxismus-Leninismus schöpferisch auf die konkreten Bedingungen Chinas anzuwenden und zu bereichern.

Nach dem XX. Parteitag der KPdSU, der die internationale Arbeiterbewegung um neue theoretische Erkenntnisse und Erfahrungen bereicherte, gibt euer Parteitag einen bedeutungsvollen schöpferischen Beitrag für die Anwendung der Lehre des Marxismus-Leninismus.

Eure Darlegungen über die verschiedenen Formen der Diktatur des Proletariats, insbesondere über die Probleme des Übergangs von der demokratischen zur sozialistischen Revolution, sind von großem Wert für alle Sozialisten. Wir sind überzeugt, daß die Kommunistische Partei Chinas durch die Zusammenhaltung aller patriotischen Kräfte in der Einheitsfront die komplizierten Aufgaben der Übergangsperiode meistern und den Völkern Asiens und Afrikas das lebendige Beispiel geben wird, was durch die Kräfte des Volkes erreicht werden kann. Unsere beiden Länder bilden heute einen festen Bestandteil des sozialistischen Weltsystems. Die Einheit des sozialistischen Lagers, die Einheit der internationalen kommunistischen Bewegung, die Freundschaft unserer Völker und besonders unsere feste Verbundenheit mit der KPdSU und ihrem Leninschen Zentralkomitee sind unverbrüchlich.

Teuere Genossen! Die Deutsche Demokratische Republik ist der erste Arbeiter-und-Bauern-Staat in der deutschen Geschichte, die Deutsche Demokratische Republik bildet gegenwärtig die westliche Flanke des sozialistischen Lagers. Aus der Tatsache, daß wir in Westeuropa unmittelbar neben den technisch hochentwickelten kapitalistischen Staaten den Sozialismus aufbauen, erwächst uns eine besonders hohe Verantwortung. Von der Festigung der Arbeiter-und-Bauern-Macht und dem Aufbau des Sozialismus in der DDR hängt in entscheidendem Maße die Sicherung des Friedens in Deutschland ab. Vor der Arbeiterklasse und allen fortschrittlichen Menschen in der DDR steht die geschichtliche Aufgabe, im friedlichen Wettbewerb die Überlegenheit des sozialistischen Systems gegenüber dem Kapitalismus in Westdeutschland zu beweisen. Die Erfüllung dieser Aufgabe trägt dazu bei, die friedliebenden und fortschrittlichen Kräfte in Westdeutschland zu stärken.

Die Direktive unserer Partei für den zweiten Fünfjahrplan und der Beschluß über die weitere Entwicklung der Demokratie geht davon aus, daß die DDR die Bastion des Friedens in Deutschland ist und die demokratischen und sozialen Errungenschaften nach Westdeutschland leuchten sollen.“

Nach Wiedergabe der wichtigsten Zahlen über den Aufbau des Sozialismus in Industrie und Landwirtschaft und über die Mechanisierung in der Landwirtschaft der DDR fuhr Walter Ulbricht fort:

„Wir haben in der DDR mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen, die sich aus der Spaltung Deutschlands ergeben. Der Osten Deutschlands war industriell weit weniger entwickelt als der Westen unserer Heimat. Die Grundstoffindustrie liegt hauptsächlich in Westdeutschland. Die monopolkapitalistischen Kreise Westdeutschlands und andere Reaktionäre haben sich jahrelang der Hoffnung hingegeben, die DDR wirtschaftlich erdrosseln zu können. Dank dem ’Arbeitsenthu-siasmus der Werktätigen unserer Republik und dank der großzügigen Hilfe der Sowjetunion und aller sozialistischen Länder haben sich diese Hoffnungen als falsch erwiesen.

Liebe Genossen! Obwohl die Hälfte der Bevölkerung Europas bereits in den sozialistischen Staaten das neue Leben gestaltet, wollen die westdeutschen Imperialisten das Rad der Geschichte zurückdrehen. Durch die Wiederherstellung des deutschen Militarismus wollen sie die Machtpositionen des deutschen Monopolkapitals und der Großgrundbesitzer auf ganz Deutschland ausdehnen. Sie erstreben die Schaffung eines neuen faschistischen Großdeutschlands und die Vorherrschaft in Westeuropa. Sie wollen die NATO-Staaten, mit denen sie verbunden sind, in ihre eigenen Kriegsabenteuer hineinführen. Adenauer hat Hitlers Losung von der Befreiung des Ostens wiederaufgenommen. Man kann die Gefahr, die der deutsche Militarismus für den Frieden darstellt, nicht scharf genug kennzeichnen. Das Verbot der Kommunistischen Partei Deutschlands zeigt, daß die Bonner Regierung begonnen hat, den Weg Hitlers zu beschreiten. Während sie in der Innenpolitik faschistische Methoden gegen die konsequenteste Kämpferin für den Frieden, die KPD, und gegen das werktätige Volk anwendet, unterstützt sie in der Außenpolitik die imperialistischen Pläne der NATO-Staaten. Das zeigt anschaulich die Zustimmung der Adenauer-Regierung zum Dullesplan in bezug auf den Suezkanal. Die Bonner Regierung hat in Übereinstimmung mit der britischen Regierung der ägyptischen Regierung vorgeschlagen, auf einen Teil der Souveränität zu verzichten. Die friedliebenden Kräfte in Deutschland verurteilen diese Politik. Sie halten die fünf Prinzipien, die zuerst zwischen der Volksrepublik China und der Republik Indien vereinbart wurden, für einen realen Weg zur Sicherung, des Friedens und zur Herstellung normaler, vertrauensvoller Beziehungen zwischen den Völkern.

Das Wiedererstehen des deutschen Militarismus einerseits und die Existenz der DDR, die eine Politik der Sicherung des Friedens durchführt, andererseits können nicht ohne Wirkung auf die Beziehungen der Völker und Staaten zu den beiden deutschen Staaten bleiben. Die Interessen des Friedens lassen es als erforderlich erscheinen, daß zwischen der Deutschen Demokratischen Republik und allen friedliebenden Staaten normale und vertrauensvolle Beziehungen geschaffen werden. Das wird den Friedenskräften in Deutschland helfen und auch der Wiedervereinigung Deutschlands dienen. Unser Volk wünscht die Wiedervereinigung seiner Heimat. Nachdem jedoch der deutsche Militarismus unter Führung der großen Monopole und der Hitlergenerale sein Haupt wieder erhoben hat, ist es zunächst notwendig, daß in Westdeutschland der Militarismus entmachtet und Frieden und Demokratie gesichert werden. Nur so kann das deutsche Volk wirklich frei über die Gestaltung eines wiedervereinten, friedlichen und demokratischen Deutschlands entscheiden.

Die deutsche Arbeiterklasse und alle friedliebenden Kräfte in Deutschland betrachten die Wiedervereinigung des deutschen Vaterlandes zu einem friedlichen und demokratischen Staat ohne Imperialisten und Militaristen als ihre nationale Aufgabe. Die deutsche Arbeiterklasse und die friedliebenden Kräfte des deutschen Volkes stehen in ihrem Kampf gegen den deutschen Militarismus, gegen die verbrecherischen Pläne der westdeutschen Machthaber und für ein einiges, friedliches und demokratisches Deutschland nicht allein. An der Seite der Friedenskämpfer in Deutschland stehen die friedliebenden Menschen aller Länder, stehen solche Länder wie die Sowjetunion und die Volksrepublik China, mit denen uns eine unverbrüchliche Freundschaft verbindet. Deshalb können wir mit fester Überzeugung erklären, daß es den westdeutschen Imperialisten niemals gelingen wird, ihre schändlichen Pläne zu verwirklichen.

Teure Genossen! Zehntausend Kilometer trennen geographisch unsere beiden Länder. Aber diese gewaltige Entfernung erscheint uns in unserem gemeinsamen Kampf für die Erhaltung des Friedens, für den Aufbau des Sozialismus, für die Festigung des sozialistischen Lagers nicht weit. Wir haben eine gemeinsame Weltanschauung, die uns brüderlich verbindet: die siegreiche Lehre des Marxismus.

Anläßlich des Besuches unserer Regierungsdelegation in der Volksrepublik China im Dezember vorigen Jahres wurde der Vertrag über Freundschaft und Zusammenarbeit zwischen der DDR und der Volksrepublik China abgeschlossen. Dieser Vertrag ist ein Beispiel für die Entwicklung freundschaftlicher Beziehungen zwischen gleichberechtigten Partnern auf allen Gebieten; Er ist ein neuer Beweis für die ständig erstarkende Freundschaft zwischen den Völkern und den Staaten des sozialistischen Weltsystems. Wir sind der Meinung, daß die wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit zwischen unseren beiden Ländern weiter ausgebaut werden sollte. Die DDR ist auch bereit, entsprechend den Wünschen der chinesischen Freunde wissenschaftlich-technische Kader zur Verfügung zu stellen.

Unsere Freundschaft wird sich immer mehr entwickeln zum Wohle des Friedens, zum Wohle unserer gemeinsamen Sache, zum Wohle der ganzen Menschheit.

Teure Genossen! Das ZK der SED hat unsere Delegation beauftragt, dem VIII. Parteitag der Kommunistischen Partei Chinas eine Grußbotschaft zu übermitteln, in der gesagt wird:

Die SED verbindet ihre Grüße an den VIII. Parteitag mit der Versicherung, alle ihre Kräfte für die weitere Festigung der Freundschaft zwischen dem deutschen und dem chinesischen Volke auf der Grundlage des zwischen unseren beiden Staaten abgeschlossenen Vertrags über Freundschaft und Zusammenarbeit einzusetzen.

Wir wünschen dem VIII. Parteitag einen erfolgreichen Verlauf und den Werktätigen der Volksrepublik China weitere Siege bei der sozialistischen Umgestaltung ihrer Heimat.

Es lebe die Kommunistische Partei Chinas und ihr Zentralkomitee!

Es lebe die feste und unzerstörbare Freundschaft zwischen dem deutschen und dem chinesischen Volke!

Es lebe die enge Kampfverbundenheit aller marxistisch-leninistischen Parteien im Kampf um Frieden, Demokratie und Sozialismus!

Es lebe die unverbrüchliche Freundschaft mit der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken!

Es lebe die unbesiegbare Lehre des Marxismus-Leninismus!