5. Mai 1936 // Artikel
Kim Il Sung // Erklärung über die Gründung der Liga für die Wiedergeburt des Vaterlandes

Erklärung über die Gründung der Liga für die Wiedergeburt des Vaterlandes

5. Mai 1936

Quelle: Kim Il Sung, Gesammelte Werke, Band 1


Landsleute, Brüder und Schwestern, die ihr im Vaterland und im Ausland lebt!

Schon 26 Jahre sind vergangen, seitdem unsere Feinde, die japani­schen Imperialisten, unseren zwanzig Millionen Landsleuten ihr ge­liebtes Vaterland mit seiner fünftausendjährigen Geschichte durch Gewalt raubten. Unsere Landsleute stöhnen unter dem grausamen Ko­lonialjoch der japanischen Imperialisten, sie erdulden allerlei schreck­liche Entbehrungen und Leiden, als heimatlose Sklaven vergießen sie ihr Blut und ihren Schweiß, und sie fristen ein erbärmliches, men­schenunwürdiges Dasein. Viele unserer Landsleute, außerstande, den Despotismus der japanischen Imperialisten noch länger zu ertragen, waren gezwungen, ihre angestammten Wohnorte zu verlassen und mit Frau und Kind auf der Suche nach einem Lebensunterhalt umherzuir­ren. Sie zogen in freudlose Fremde, wo ihnen die Berge und Flüsse unbekannt sind. Doch wohin sie auch gingen, überall erwarteten sie Erniedrigung und Beleidigung, Unglück und Tod.

Unsere Nation wurde wahrlich in einen beispiellos schrecklichen Abgrund geworfen. Welchen Weg soll unsere der Heimat beraubte und zum tragischen Schicksal eines Lebens in Finsternis verurteilte Nation gehen? Für unsere Nation gibt es keinen anderen Ausweg als den Kampf gegen die Räuber, die japanischen Imperialisten. Nur auf diesem Wege wird sie das Morgenrot der Wiedergeburt des Vaterlandes erleben können.

Ebendeshalb treten heute Tausende und Abertausende koreanische Jungen und Mädchen, die von brennender Liebe zu ihrem Heimatland erfüllt sind, in die Reihen der KRVA ein und kämpfen furchtlos mit der Waffe in der Hand gegen die japanischen Imperialisten. Der Kampf der Arbeiter, Bauern, Jugendlichen und Schüler gegen die Kolonialherr­schaft des japanischen Imperialismus nimmt jetzt im ganzen Land stän­dig an Breite zu.

Der flammende Patriotismus unserer Nation wurde der ganzen Welt auch in den vergangenen Jahren deutlich sichtbar. Aus Protest gegen die Besetzung Koreas durch die japanischen Imperialisten be­teiligten sich zahlreiche Menschen an der Bewegung der Freiwilligen­truppen, nahmen an dem viele Jahre währenden blutigen Kampf teil; während des Volksaufstandes vom 1. März erhob sich die ganze Nati­on im Land gegen Japan, und dies zeigte der ganzen Welt die Gesin­nung der klugen und mutigen koreanischen Nation. Diese Tatsachen beweisen, daß die koreanische Nation, von den flammenden Ideen der Souveränität und Unabhängigkeit getrieben und von leidenschaftli­chem Kampfgeist erfüllt, die große Sache, die Wiedergeburt des Va­terlandes, unbedingt verwirklichen wird.

Obwohl in der Vergangenheit viele Patrioten ihr Leben opferten und auf den Schlachtfeldern den Heldentod starben, wurde das Ziel ihres Ringens, die nationale Unabhängigkeit und Befreiung, nicht erreicht. Die Hauptursache besteht darin, daß alle Bewegungen für die Wieder­geburt des Vaterlandes ihren Kampf ohne ein einheitliches politisches Programm, ohne einen richtigen Kurs führten und die antijapanischen patriotischen Kräfte, denen es an enger Einheit und Geschlossenheit mangelte, für sich allein ohne jegliche Unterstützung kämpften. Ein weiterer Hauptgrund, weshalb der endgültige Sieg nicht erreicht wurde, besteht darin, daß es keine enge Beziehung zu den Ländern und Natio­nen gab, die gegen den japanischen Imperialismus auftreten, und eine gemeinsame Front gegen den gemeinsamen Feind, den japanischen Im­perialismus, fehlte.

Ausgehend von dieser bitteren Lehre und Erfahrung der vergangenen Tage formulierten wir ein politisches Grundsatzprogramm und eine Kampfaufgabe, deren Ziel es ist, die heilige Mission, die Wiedergeburt des Vaterlandes, zu verwirklichen. In Übereinstimmung mit diesem po­litischen Grundsatzprogramm gründeten wir heute die Liga für die Wie­dergeburt des Vaterlandes (LWV) als generelles Führungsorgan, das alle antijapanischen Kräfte innerhalb und außerhalb Koreas fest zusam­menschließen und einheitlich führen soll, und nahmen ein Zehn-Punkte­Programm an.

Entsprechend dem Hauptinhalt dieses Programms erklären wir hier­mit allen Landsleuten in Korea und im Ausland Folgendes:

1. Die ganze koreanische Nation muß sich, unabhängig von der Klas­sen- und Parteizugehörigkeit, vom Geschlecht, der Stellung, vom Alter und dem Glaubensbekenntnis, fest zusammenschließen, im Kampf gegen unseren Feind, die japanischen imperialistischen Eroberer, die Wiederge­burt des Vaterlandes erringen und eine wahre Regierung des koreanischen Volkes bilden.

Unser koreanisches Zwanzigmillionenvolk ist zu einem Leben eines heimatlosen Sklaven verdammt, ist es doch unter der Kolonialherrschaft der japanischen imperialistischen Räuber unbeschreiblicher nationaler Unterdrückung und Mißhandlungen und grausamer Ausbeutung ausge­setzt. Die Befreiung der koreanischen Nation ist die wichtigste Aufgabe für jeden Koreaner.

Ungeachtet aller Unterschiede müssen wir alle, Männer wie Frauen, Alt und Jung, alles zur Verfügung stellen: Wer Geld besitzt, Geld, wer Le­bensmittel hat, Nahrung, wer Kenntnisse und Fähigkeiten hat, eben diese. Wenn sich das Zwanzigmillionenvolk fest als ein Ganzes zusammen­schließt und an der antijapanischen Front der Wiedergeburt des Vaterlan­des teilnimmt, werden wir die japanischen Imperialisten schlagen und die Freiheit und Unabhängigkeit unserer Nation erreichen.

2. Im engen Bündnis mit den Chinesen müssen die Koreaner, die in der Mandschurei leben, die Aggressionsmaschinerie des japanischen Imperialismus und seinen Helfershelfer „Mandschukuo“ stürzen und für die wirkliche nationale Autonomie der Koreaner kämpfen, die auf dem Territorium Chinas leben.

Die nationale Autonomie der Koreaner in der Mandschurei, die wir fordern, hat nichts mit der „Jiandao-Autonomie“ gemein, die die räube­rischen japanischen imperialistischen Aggressoren und ihre Handlanger propagieren, um das koreanische und das chinesische Volk in die Irre zu führen und Zwietracht zwischen ihnen zu säen. Alle Koreaner in der Mandschurei müssen im engen Bündnis mit den antijapanisch gesinnten Volksmassen Chinas entschlossen gegen die verlogene „Jiandao- Autonomie“, die die Feinde propagieren, kämpfen, die japanisch­mandschurische Herrschaft stürzen und die wahre nationale Autonomie der in der Mandschurei lebenden Koreaner erringen.

3. Unsere Aufgabe ist es ferner, die revolutionären Streitkräfte weiter auszubauen und zu verstärken, um die Wiedergeburt des Vaterlandes zu erreichen.

Bei den japanischen Imperialisten und ihren Helfershelfern handelt es sich um bis an die Zähne bewaffnete, äußerst hinterhältige Aggresso­ren und Henkersknechte. Dem bewaffneten Feind müssen wir uns unbe­dingt mit der Waffe in der Hand entgegenstellen.

Wir müssen die KRVA noch mehr verstärken, überall bewaffnete re­volutionäre Volkseinheiten organisieren, einen entschlossenen Kampf gegen den Feind aufnehmen und die Eroberungstruppen des japanischen Imperialismus vernichten. Nur dann können wir das verfluchte Koloni­alregime stürzen und die Unabhängigkeit Koreas erringen.

4. Für den Aufbau eines mächtigen, souveränen und unabhängigen Staates werden wir wahrhaft volksverbundene und demokratische öko­nomische und kulturelle Maßnahmen durchsetzen müssen, und zwar:

Das ganze Vermögen der räuberischen imperialistischen Aggresso­ren Japans und der landesverräterischen projapanischen Handlanger wie Fabriken, Bergwerke, Ländereien, Geschäfte und Banken werden be­dingungslos konfisziert, die ungehinderte Entwicklung der nationalen Industrie, der Landwirtschaft und des Handels wird gesichert, für unser Volk werden die Rede-, Presse-, Versammlungs- und Organisationsfrei­heit sowie persönliche Rechte gewährleistet, das Bildungssystem der Sklaverei wird beseitigt, für die Arbeiter wird der Achtstundentag fest­gelegt.

Für die erfolgreiche Verwirklichung der Wiedergeburt des Vaterlan­des werden Sondergeldspenden und andere Formen der aktiven Unter­stützung durch national gesinnte Kapitalisten, ehrliche Patrioten und andere Menschen genutzt.

5. Zu den Ländern und Völkern, die eine wohlwollende und neutrale Haltung gegenüber der nationalen Befreiungsbewegung in Korea ein­nehmen, werden enge Beziehungen hergestellt, mit ihnen wird eine ge­meinsame Front gegen unsere Feinde, die japanischen imperialistischen Eroberer, gebildet.

Im engen Bündnis mit China und den anderen Ländern, die im japa­nischen Imperialismus ihren Feind sehen, mit den unterdrückten Völ­kern, die sich unter der Kolonialherrschaft der japanischen Imperialisten befinden, werden wir die räuberischen imperialistischen Aggressoren Japans vernichten.

Die Länder und Völker, die ihre Solidarität und ihr Wohlwollen für die nationale Befreiungsbewegung in Korea äußern, werden wir als unsere Freunde betrachten, diejenigen jedoch, die die japanischen imperialisti­schen Räuber unterstützen und gegen die koreanische Nation auftreten, als unsere Feinde.

Landsleute, Brüder und Schwestern, ihr alle, die ihr eure Heimat und Nation liebt, ihr alle, die ihr euch von den Ketten der grausamen Sklave­rei befreien und ein menschenwürdiges, sinnvolles Dasein führen wollt!

Wir verleihen unserer Hoffnung Ausdruck, daß überall in den Städten und Dörfern, in Fabriken, Bergwerken, bei der Eisenbahn, in verschiede­nen Lehranstalten, Zeitungsverlagen, in Kasernen und Geschäften unver­züglich Organisationen der LWV gegründet werden, wir hoffen, daß das ganze koreanische Volk, geeint unter dem Banner des Zehn-Punkte­Programms der LWV, energisch den Kampf für die Wiedergeburt des Vaterlandes aufnehmen wird.

Die große Sache unseres Volkes, das sich im Kampf für die Wieder­geburt des Vaterlandes fest zusammengeschlossen hat, wird unbedingt siegreich sein.

Kämpfen wir alle für die vollständige Unabhängigkeit des Vaterlan­des, die Befreiung und Freiheit der Nation!

Es lebe die Liga für die Wiedergeburt des Vaterlandes!