14. Oktober 1945 // Reden
Kim Il Sung // Alle Kräfte für den Aufbau eines neuen, demokratischen Korea

Alle Kräfte für den Aufbau eines neuen, demokratischen Korea

14. Oktober 1945

Rede auf der Begrüßungskundgebung der Massen in Pyongyang


Quelle: Kim Il Sung, Gesammelte Werke, Band 1


Liebe Landsleute!

Ich möchte Ihnen von ganzem Herzen dafür danken, daß Sie uns heute so begeistert begrüßen.

Dieses Zusammentreffen mit Ihnen, Landsleuten, im befreiten Vater­land erfreut uns wirklich sehr. Wir haben einen langjährigen Kampf ge­gen die japanischen imperialistischen Aggressoren geführt, um die große historische Sache, die Wiedergeburt des Vaterlandes, zu erreichen und dieses heutige Wiedersehen mit Ihnen zu feiern.

Die berüchtigten japanischen Imperialisten, die in der Vergangenheit 36 Jahre lang unsere Nation unterdrückten und ausbeuteten, erlitten eine Niederlage, und die Wolken, die ganz Korea verdunkelten, haben sich ver­zogen, und der Tag der Befreiung – von unserer Nation voller Ungeduld herbeigesehnt – ist gekommen. Das koreanische Dreißigmillionenvolk, das unter der barbarischen Kolonialherrschaft des japanischen Imperialismus stöhnte, hat die Fesseln des Kolonialsklaven gesprengt, die Freiheit und Befreiung erreicht und geht, befreit vom finsteren Dasein, den Weg eines neuen, lichtvollen Lebens. Unser Heimatland leuchtet wie die strahlende morgendliche Sonne voller Hoffnung.

Trotz grausamer Repressalien des japanischen Imperialismus gab un­ser Volk seine revolutionäre und nationale Gesinnung nicht auf und führte im In- und Ausland einen blutigen Kampf gegen die japanischen imperialistischen Aggressoren, um das geraubte Land zurückzugewin­nen. Insbesondere die wahren Patrioten Koreas führten jahrelang für die Wiedergeburt des Vaterlandes, die Freiheit und das Glück des Volkes mit der Waffe in der Hand einen harten Kampf gegen den japanischen Impe­rialismus. Jedes Mal, wenn sie auf Schwierigkeiten stießen, dachten sie an das von den japanischen Imperialisten mit Füßen getretene Vaterland und Volk, schöpften neuen Mut, überwanden kühn alle Hindernisse, bestan­den die Bewährungsproben und rangen heldenhaft darum, die große heili­ge Sache, die Befreiung des Vaterlandes, herbeizuführen.

Ich möchte den revolutionären Kämpfern und Ihnen, den Landsleu­ten, die sich allen Repressalien und Verfolgungen durch die japanischen Imperialisten nicht beugten und für das große historische Werk, die Wiedergeburt des Vaterlandes, beharrlich gerungen haben, meine größte Hochachtung entgegenbringen.

Ferner möchte ich diese Gelegenheit nutzen, um der heroischen Roten Armee der Sowjetunion, die unser Volk in seinem großen Vorhaben, sich zu befreien, unterstützt hat, meinen herzlichsten Dank auszusprechen.

Liebe Landsleute!

Dank der entscheidenden Rolle der Sowjetarmee während des Zweiten Weltkrieges wurden die Faschisten, der ärgste Feind der ganzen Menschheit, geschlagen, und in der Welt ist heute eine neue Situation entstanden. Die Völker vieler Länder Europas und Asiens haben sich vom faschistischen und imperialistischen Joch befreit und gehen den neuen, demokratischen Weg. Überall in der Welt führen die unterdrückten Nationen einen energischen Kampf um Freiheit, Demokratie und nationale Unabhängigkeit. Während die reaktionären Kräfte der Welt heute dem Verfall und dem Zusammenbruch entge­gengehen, wachsen und erstarken die internationalen demokratischen Kräfte zu einer unaufhaltsamen neuen großen Macht.

In dieser internationalen Situation hat unser Volk begonnen, eine neue Geschichte zu gestalten.

Vor dem koreanischen Volk, dessen jahrhundertealter Wunsch, die Wiedergeburt des Vaterlandes, in Erfüllung ging, steht heute die historische Aufgabe, ein neues Korea zu schaffen. Unsere Nation soll von nun an einen eigenen Staat errichten und das Land schnell auf­bauen, um die vollständige nationale Unabhängigkeit zu erreichen.

Wir sind verpflichtet, im befreiten Korea einen demokratischen, sou­veränen und unabhängigen Staat zu schaffen. Das entspricht voll und ganz der konkreten Realität unseres Landes und dem Willen unseres Volkes. Nur die Erfüllung dieser Aufgabe ermöglicht es uns, unser Land stark und zivilisiert zu machen und das Gedeihen unserer Nation zu er­reichen.

Ohne die Schaffung solch eines Staates werden wir weder das Land stärken und entwickeln noch mit dem Schicksal eines Kolonialsklaven Schluß machen können.

Durch eigene Lebenserfahrungen weiß unser Volk nur allzu genau, wie erbärmlich die Lage eines Kolonialsklaven ist.

Nach der Okkupation Koreas übten die japanischen Imperialisten seinerzeit eine barbarische Kolonialherrschaft aus. Sie unterdrückten unser Volk grausam, verhafteten wahllos unsere Menschen, warfen sie ins Gefängnis, ermordeten sie und versuchten hartnäckig, unsere Nation zu vernichten. Die bestialischen japanischen Imperialisten setzten un­ser Volk härtester nationaler Unterdrückung und Ausbeutung aus, be­raubten es der elementarsten politischen Rechte und demokratischen Freiheiten und zwangen es, das bittere Dasein von Kolonialsklaven zu fristen.

Unser Volk darf keinesfalls erneut zum kolonialen Knecht werden und das unwürdige Leben eines heimatlosen Sklaven führen.

Der Herr des befreiten Korea ist eben unser koreanisches Volk. Die Arbeiter, Bauern und alle anderen werktätigen Massen, die früher unter der japanischen imperialistischen Kolonialherrschaft maßlos gedemütigt und verachtet wurden, müssen wahre Herren des neuen Korea werden und alle Fragen des Landes entscheiden. Unsere Aufgabe ist es, einen wahren Staat des Volkes, einen neuen, starken und demokratischen Staat zu schaffen, in dem das ganze Volk an der Politik teilnimmt und die werktätigen Massen gut leben werden.

Dafür ist es vor allem notwendig, die Frage der Macht zu lösen.

Die im neuen Korea zu errichtende Macht ist die wahre Macht des Volkes, die die Interessen der Volksmassen konsequent verteidigt und die Stärkung und Entwicklung des Landes und der Nation zuverlässig garantieren kann. Solch eine Macht ist eben eine demokratische Volks­republik.

Wir müssen in allen Gebieten so schnell wie möglich Machtorgane des Volkes organisieren, sie festigen und auf dieser Grundlage eine de­mokratische Volksrepublik gründen. Auf diese Weise ist zu erreichen, daß die neue Macht unserem Volk, das früher unterdrückt wurde, wahre politische Rechte und ein glückliches Leben sichert.

Für den Aufbau eines neuen, demokratischen Korea kommt es darauf an, die projapanischen Elemente, die Vaterlandsverräter und andere Re­aktionäre energisch zu bekämpfen.

Die projapanischen Elemente und die Vaterlandsverräter spinnen heute alle möglichen Intrigen, um die Entstehung eines neuen Korea zu stören. Ohne deren Umtriebe zu vereiteln, kann weder eine wahre Volksmacht errichtet noch das Land demokratisiert werden. Wir müssen jede Handlung dieser Subjekte scharf verfolgen und konsequent alle antidemokratischen Machenschaften der Reaktionäre entlarven und vereiteln.

Zugleich ist der Kampf gegen die ideologischen Überbleibsel des ja­panischen Imperialismus zu verstärken. Wir alle haben die Pflicht, die Überbleibsel der von den japanischen Imperialisten verbreiteten Ideolo­gie konsequent mit der Wurzel auszumerzen, in uns hohe nationale Würde und Stolz auszuprägen und uns mit der neuen, demokratischen Ideologie auszurüsten.

Eine wichtige Frage bei der Schaffung eines demokratischen, souve­ränen und unabhängigen Staates besteht darin, die Wirtschaft unseres Landes wiederaufzubauen und zu entwickeln und so ein festes Funda­ment der nationalen Wirtschaft zu legen.

Die japanischen Imperialisten betrieben in Korea eine grausame Ko­lonialpolitik, hemmten in jeder Weise die Entwicklung der nationalen Wirtschaft unseres Landes, und bevor sie nach ihrer Niederlage die Flucht ergriffen, zerstörten sie völlig die ohnehin wenigen Betriebe. Sie haben auch unsere Landwirtschaft verwüstet.

Unter diesen Bedingungen müssen wir uns darum bemühen, die Wirtschaft des Landes so schnell wie möglich wiederaufzubauen. Nur die Entwicklung der Wirtschaft des Landes ermöglicht es, das zerrüttete Leben des Volkes zu verbessern, die vollständige Unabhängigkeit zu erringen, das Gedeihen und die Entfaltung des Vaterlandes zu erreichen.

Das ganze Volk muß seine ganze Kraft, all sein Wissen und seine technischen Fertigkeiten für die rasche Wiederherstellung der von den japanischen Imperialisten zerstörten Betriebe und verödeten Landwirt­schaft aufbieten und sich energisch dafür einsetzen, daß eine feste öko­nomische Basis des Landes geschaffen wird.

Es ist eine dringende Aufgabe beim Aufbau eines starken und zivili­sierten Landes, ein demokratisches Bildungssystem einzuführen und die Nationalkultur zur vollen Blüte zu bringen.

Seinerzeit betrieben die japanischen Imperialisten eine auf die kolonia­le Versklavung gerichtete Bildungspolitik, um unser Volk in Unwissen­heit, Finsternis und Analphabetentum zu halten und es als Arbeitsvieh einzuspannen. Sie versuchten mit allen Mitteln, unsere Sprache und Schrift, ja das ganze wertvolle kulturelle Erbe unserer Nation mit Füßen zu treten und das Nationalbewußtsein zu unterdrücken.

Wir müssen die Überbleibsel des auf die koloniale Versklavung gerich­teten reaktionären Bildungssystems der japanischen Imperialisten konse­quent beseitigen, ein volksverbundenes Bildungssystem einführen und so den Kindern des werktätigen Volkes den uneingeschränkten Zugang zum Lernen verschaffen und uns darum bemühen, unsere Nationalkultur wieder zu beleben und auf demokratischer Basis weiterzuentwickeln.

Liebe Landsleute!

Die Schaffung des Staates, vor der heute die koreanische Nation steht, ist eine wahrhaft wichtige und große Sache. Ob dieses historisch bedeutsame Werk erfolgreich bewältigt wird oder nicht, hängt voll und ganz davon ab, wie sich unser Volk dafür einsetzt. Wir sind verpflichtet, all unsere Kräfte für den Aufbau eines neuen, demokratischen Korea aufzubieten.

Die Schaffung eines demokratischen, souveränen und unabhängigen Staates, dieses große Unternehmen, kann weder eine Partei noch jemand allein bewerkstelligen. Für den Aufbau eines neuen, demokratischen Korea muß sich die ganze Nation fest zusammenschließen und das gan­ze Volk seine Kraft vereinen. Nur wenn wir die nationale Geschlossen­heit erreichen, werden wir in der Lage sein, alle Machenschaften der projapanischen Elemente und der Vaterlandsverräter konsequent zum Scheitern zu bringen, das Chaos rasch zu beheben und die große Sache, den Aufbau des Staates, voranzubringen.

Für das Entstehen eines neuen, demokratischen Vaterlandes hat die Geschlossenheit der ganzen Nation grundlegende Bedeutung. Ohne dieses Problem zu lösen, kann man weder den Aufbau eines neuen, demokrati­schen Korea noch die vollständige Unabhängigkeit des Landes erwarten. Wir dürfen keinesfalls die bitteren Lehren der Vergangenheit vergessen, als infolge nationaler Uneinigkeit unser Land zugrunde ging und sich un­sere Menschen in der schrecklichen Lage heimatloser Sklaven befanden.

Die Lakaien der japanischen Imperialisten und andere Reaktionäre versuchen heute überall, wohin sie ihren Fuß setzen, den nationalen Zu­sammenschluß zu untergraben. Wir haben rechtzeitig ihre auf die natio­nale Spaltung gerichteten Umtriebe konsequent zu durchkreuzen, und die verschiedensten Schichten der Bevölkerung müssen für den Aufbau eines neuen Vaterlandes fest zusammenhalten.

Zur Sicherung der Geschlossenheit der ganzen Nation kommt es dar­auf an, eine demokratische nationale Einheitsfront zu bilden, der die verschiedenen Schichten der Volksmassen angehören. Die gegenwärtige Situation in unserem Lande fordert dringend, so schnell wie möglich eine demokratische nationale Einheitsfront zu schaffen und alle patrioti­schen und demokratischen Kräfte fest zu vereinen. Unsere Aufgabe ist es, alle patriotischen und demokratischen Kräfte, die die vollständige Unabhängigkeit des Landes und seine demokratische Entwicklung wün­schen, fest in dieser Einheitsfront zu integrieren. Auf diesem Wege ist der Aufbau des Landes mit geballter Kraft des ganzen Volkes voranzu­bringen.

Es ist an der Zeit, daß die koreanische Nation für den Aufbau eines neuen, demokratischen Korea ihre Kräfte vereint. Allen Bevölkerungs­schichten kommt es zu, an der Gestaltung des neuen Korea teilzunehmen und dabei patriotischen Enthusiasmus zu bekunden. Wer Kraft hat, soll seine Kraft, wer Wissen hat, sein Wissen, und wer Geld besitzt, sein Geld geben, und so haben alle zum Aufbau des Landes einen aktiven Beitrag zu leisten. Alle Menschen, die aufrichtig das Land, die Nation und die Demo­kratie lieben, müssen im festen Zusammenschluß zur Schaffung eines de­mokratischen, souveränen und unabhängigen Staates voranschreiten.

Vor uns hat sich heute ein breiter Weg aufgetan, auf dem wir ein neues, starkes Korea aufbauen können. Die lichtvolle Zukunft des neuen Korea kommt jedoch keinesfalls im Selbstlauf. Für den Aufbau eines demokratischen, souveränen und unabhängigen Staates werden wir die sich auftürmenden Schwierigkeiten überwinden und große Leistungen vollbringen müssen. Das ganze Volk soll mit dem festen Willen arbei­ten, mit unseren eigenen Kräften das Land zu entwickeln.

Vereint unsere Nation ihre Kräfte und ihr Wissen, wird sie alle Vorhaben bewältigen und auch jede Festung einnehmen können. Un­ser Volk hat eine leuchtende Nationalkultur und ist klug. Unser von der Kolonialherrschaft des japanischen Imperialismus befreites Volk wünscht, vom hohen Elan zum Aufbau eines neuen, demokratischen Korea durchdrungen, leidenschaftlich, daß die vollständige Souveräni­tät und Unabhängigkeit erreicht werden. Deshalb sind wir durchaus in der Lage, mit unseren eigenen Kräften einen starken, demokratischen, souveränen und unabhängigen Staat aufzubauen.

Schreiten wir alle, das ganze koreanische Volk, mit großer Hoffnung auf eine lichtvolle Zukunft und fester Siegeszuversicht für den Aufbau eines neuen, demokratischen Korea kühn voran!

Es lebe die Unabhängigkeit Koreas!

Es lebe die Einheit und Geschlossenheit des koreanischen Volkes!