23. August 1954 // Reden
Kim Il Sung // Schlußwort auf der 30. Plenartagung des Ministerkabinetts der DVRK

Schlußwort auf der 30. Plenartagung des Ministerkabinetts der DVRK

23. August 1954

Quelle: Kim Il Sung, Gesammelte Werke, Band 9


Auf der heutigen Plenartagung des Ministerkabinetts wurden eine Reihe von Fragen, darunter auch der Plan zum Wiederaufbau und der Entwicklung der Volkswirtschaft für das Jahr 1955 beraten.

Im Zusammenhang mit diesen Fragen möchte ich einige Aufgaben hervorheben.

1. Über den Plan zum Wiederaufbau und zur Entwicklung der Volkswirtschaft für das Jahr 1955

Ich denke, daß der Planentwurf für das Jahr 1955 zum Wiederaufbau und zur Entwicklung der Volkswirtschaft, den das Staatliche Plankomitee vorgelegt hat, im großen und ganzen richtig ausgearbeitet wurde.

Dieser Planentwurf ist außerordentlich umfangreich und angespannt, weil wir beabsichtigen, den Dreijahrplan für den Wiederaufbau und die Entwicklung der Volkswirtschaft nach dem Krieg ein halbes Jahr bis ein Jahr vorfristig zu erfüllen.

Manche Genossen mögen sich fragen, wie es möglich ist, den Dreijahrplan in zwei bis zweieinhalb Jahren zu erfüllen. Wir können ihn jedoch durchaus vorfristig realisieren.

Die Erfüllung des Volkswirtschaftsplans im ersten Halbjahr zeigt folgendes: Im ersten Quartal wurde der Plan nicht erfüllt, aber im zweiten Quartal wurde er überboten, wobei auch der Rückstand des ersten Quartals eingeholt wurde. Der Plan für das erste Halbjahr wurde ebenfalls erfolgreich realisiert. Das ist dem patriotischen Geist, der glühenden Liebe unseres Volkes zum Vaterland, seiner schöpferischen Initiative und seinem hohen Elan wie auch den großen Umwälzungen zu danken, die die leitenden Funktionäre entsprechend den Forderungen des Märzplenums des ZK der Partei in ihrer Arbeit vollbrachten.

Die Erfüllung des Volkswirtschaftsplans für das erste Halbjahr beweist, daß es möglich ist, den Plan für das Jahr 1955 zu überbieten und auch den Dreijahrplan vorfristig zu erfüllen. Als wir den Entwurf für den Dreijahrplan der Volkswirtschaft ausarbeiteten, sahen wir für diesen Zeitraum eine jährliche Wachstumsrate der Produktion von mehr als 48 % vor. Vertreter anderer Länder meinten, daß solch eine hohe Wachstumsrate in der Produktion im Weltmaßstab selten sei. Wir haben jedoch den Plan für das erste Halbjahr dieses Jahres, des ersten Jahres des Dreijahrplans, wie vorgesehen erfüllt. Wir hätten den Plan für dieses Jahr bereits erfüllt und darüber hinaus überboten, wären unsere Mitarbeiter nicht im ersten Quartal auf der Stelle getreten. Wir dürfen uns nicht mit den bereits erreichten Erfolgen zufriedengeben, sondern müssen uns weiter anstrengen, um den diesjährigen Plan zu erfüllen und auch den Plan für das kommende Jahr zu überbieten.

Wir haben die Voraussetzungen für die Erfüllung des diesjährigen Plans und für die des nächsten Jahres, und wir sind uns auch dessen sicher.

Viele von uns waren sich unsicher, als wir nach dem Krieg den Dreijahrplan der Volkswirtschaft ausarbeiteten. Wahrhaftig, unmittel­bar nach dem Waffenstillstand befanden sich unsere Betriebe in einer mißlichen Lage. Jetzt jedoch ist der Wiederaufbau der Wirtschaft des Landes so weit vorangekommen, daß wir damit zufrieden sein können.

Den Mangel an Material, Arbeitskräften, an finanziellen Mitteln und Nahrungsgütern können wir nun ebenfalls überwinden. Bei der Ausarbeitung des Dreijahrplans der Volkswirtschaft hatten wir uns große Sorgen darum gemacht, ob sie in Übereinstimmung gebracht werden können. Bei der Erfüllung des Plans für das laufende Jahr hat sich aber bestätigt, daß dies durchaus möglich ist.

Nehmen wir nur die Frage des Materials. Wir haben große Holzressourcen. Mit der Lösung des Transportproblems im Gebiet des Gebirges Paektu und in der Paekmu-Hochebene ist es möglich geworden, die Holzbeschaffung zu sichern. Uns steht auch Zement zur Verfügung. Folglich können wir Dachziegel produzieren, obwohl das nicht eingeplant war. Es herrscht ein gewisser Mangel an Stahl­erzeugnissen. In einem Gespräch sagten mir Techniker, daß auch dieses Problem gelöst werden könne.

Die Ausgewogenheit der Arbeitskräfte könnte beeinträchtigt werden, wenn sich die Landwirtschaft künftig stark entwickelt und die Industrie ein hohes Entwicklungstempo erreicht. Aber unter den heutigen Bedingungen ist sie nicht allzu problematisch. Auch ohne Einsatz der ländlichen Arbeitskräfte können wir in der Industrie das Arbeitskräfteproblem lösen.

Ich denke, durch gute Regulierung können wir auch die Ausgeglichenheit der finanziellen Mittel herstellen. Zu diesem Zweck ist es notwendig, im kommenden Jahr in einer gewissen Höhe eine Staatsanleihe auszuschreiben, um Mittel zu mobilisieren. Die Gelder, die für nichtproduzierende Bereiche vorgesehen waren, müssen wir einsparen und einen Teil davon für Produktionszweige verwenden.

Auch bei Lebensmitteln können wir die Ausgewogenheit sichern. Dieses Problem läßt sich in vollem Maße lösen, wenn wir ihren Verbrauch regulieren und für einen effektiven Aufkauf sorgen. Wenn das Ministerium für Fischereiwesen sich für einen planmäßigen Fischfang und sich das Landwirtschaftsministerium für die Steigerung des Gemüseertrages einsetzen, werden sie damit zur Lösung des Problems der Nahrungsgüter bedeutend beitragen und die Lebens­bedingungen des Volkes weiter stabilisieren.

Die Liebe des Volkes zum Vaterland, seine schöpferische Initiative und sein Elan haben sich weiter erhöht. Die Methoden der Anleitung der Mitarbeiter sind erheblich verbessert worden.

Der Entwurf des Volkswirtschaftsplans für das Jahr 1955 ist also kein leeres Versprechen, sondern er beruht auf genauen Berechnungen.

Er ist ein Plan, für dessen Erfüllung hinreichende Möglichkeiten bestehen. Sie können ohne Skepsis den Planentwurf akzeptieren und entsprechend den Bedingungen der zuständigen Bereiche einen konkreten Plan ausarbeiten.

Die Aufstellung des Plans für das nächste Jahr erfordert einen optimalen Export- und Importplan.

Der Exportplan muß der Wirtschaftslage des Landes und den Interessen des Volkes voll und ganz Rechnung tragen.

Im Planentwurf für das bevorstehende Jahr ist vorgesehen, viele Betriebe für den Roheisenexport zu errichten. Roheisen dürfen wir jedoch nicht ausführen. Unsere Mitarbeiter wollen Roheisen exportieren, anstatt durch den Wiederaufbau der SM-Öfen Stahlblöcke zu produzieren. Roheisen darf man nicht exportieren, sondern muß daraus Stahlblöcke herstellen.

In der Textilindustrie führt man Seidengarn aus, obwohl wir Gewebe importieren. Das ist nicht in Ordnung. Anstatt Seidengarn zu exportieren, müssen wir für die Steigerung der Produktion Seiden­webstühle einführen.

Bei der Ausarbeitung des Importplans sollten wir unbedingt Experimentiergeräte, die für uns unentbehrlich sind, aufnehmen. Diese Geräte werden in der Land- und Viehwirtschaft, in der pharmazeutischen Industrie und in verschiedenen anderen Volkswirtschaftszweigen in großer Zahl benötigt. Die Frauen haben zur Zeit Schwierigkeiten bei der Seidenraupenzucht, weil sie keine Thermometer haben. Das wurde auf dem Landesfrauenkongreß festgestellt, der in jüngster Zeit stattfand. Bisher zeigten die leitenden Funktionäre kein Interesse für diese Fragen. Deshalb ist im Plan für das nächste Jahr vorzusehen, die betreffenden Institutionen mit Experimentiergeräten auszustatten und besonders solche Geräte zu importieren, die für kleine Laboratorien oder Prüfstellen notwendig sind.

Aufgabe der bezirksgeleiteten Feldbau- und Viehzuchtbetriebe ist es, den Plan für die Fleischproduktion unbedingt zu erfüllen. Erst wenn sie die Fleischproduktion steigern, können wir die Volksarmee und die Bevölkerung mit Fleisch versorgen. Im nächsten Jahr sollen sie 21 000 Tonnen Fleisch erzeugen. Sie haben alle Voraussetzungen, um diese Menge Fleisch zu produzieren. Auf diese Fragen gehe ich nicht weiter ein, weil ich diese Angelegenheit bereits auf der Beratung der Vorsitzenden der Bezirksvolkskomitees in allen Einzelheiten erläutert habe.

Das Jahr 1955 ist sozusagen eine Höhe, die bei der Erfüllung des Dreijahrplans der Volkswirtschaft schwer zu überwinden ist. Die Erfüllung dieses Plans hängt in starkem Maße davon ab, ob wir den Volkswirtschaftsplan für das Jahr 1955 verwirklichen. Die gute Erfüllung des Plans für das Jahr 1955 ermöglicht uns, den Dreijahrplan der Volkswirtschaft ohne Schwierigkeiten zu bewältigen. Man kann sagen, daß das Jahr 1956 solche Ausgangspositionen bietet, die die Erfüllung des Dreijahrplans der Volkswirtschaft erleichtern.

Wir müssen klar erkennen, daß das Jahr 1955 für die Erfüllung dieses Plans entscheidend ist, und uns noch mehr anstrengen, einen richtigen Plan ausarbeiten und entschlossen sein, ihn mutig und um jeden Preis zu erfüllen, müssen die ganze Kraft auf die Bewältigung der Aufgaben in der Volkswirtschaft konzentrieren.

Schon jetzt haben wir uns intensiv darauf vorzubereiten, die große Höhe im nächsten Jahr zu nehmen. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, daß jedes Jahr im ersten Quartal kein Produktionsanstieg zu verzeichnen ist; um das im kommenden Jahr zu verhindern, sollen wir bereits jetzt gute Vorbereitungen treffen. Ist aber einmal ein Plan erarbeitet, so müssen wir ihn ohne Veränderung auf alle Fälle erfüllen.

2. Über den wirksamen Getreideaufkauf

Zum ersten Mal befassen wir uns in diesem Jahr mit dem staatlichen Getreideaufkauf. Ihn gut abzuwickeln, ist für den erfolgreichen Wieder­aufbau nach dem Krieg und für die Stabilisierung und Verbesserung der Lebensbedingungen des Volkes von außerordentlich großer Bedeutung.

Der Getreideaufkauf, bei dem der Staat das überschüssige Getreide der Bauern konzentriert erfaßt, ermöglicht es, eine übermäßige Senkung des Getreidepreises auszuschließen, die Einnahmen der Bauern zu erhöhen sowie den Bauern, denen es an Nahrungsmitteln mangelt, und den städtischen Einwohnern das vom Staat aufgekaufte Getreide preisgünstig anzubieten und so ihre Lebenslage zu stabilisieren. Der Getreideaufkauf durch den Staat ist letzten Endes die einzig richtige Politik, die darauf gerichtet ist, allen Bauern, ob sie überschüssiges Getreide haben oder daran knapp sind, Nutzen zu bringen und ihre Lebenslage zu erleichtern.

Der Aufkauf des Getreides durch den Staat ermöglicht es ihm, dessen Marktpreis zu regulieren und dadurch den spekulativen Wuchergewinn der Privathändler einzuschränken.

Auf diese Weise kann man auch verhindern, daß die Bauern, die große Menge überschüssigen Getreides haben, die Preiserhöhung bei Getreide für Riesengewinn ausnutzen oder durch Wucherzinsen Profite aus den Kleinbauern schlagen und auf ähnliche Weise andere ausbeuten. Außerdem wird dadurch den Bauern die Gelegenheit genommen, zu Großbauern zu werden.

Der Getreideaufkauf ermöglicht es, Getreide und Rohstoffe für die Entwicklung der Volkswirtschaft planmäßig zu sichern, die Entwicklung der Volkswirtschaft insgesamt zu beschleunigen und den Arbeitern und Bauern reibungslos Nahrungsmittel zu liefern. Deshalb müssen wir dieser Arbeit große Aufmerksamkeit schenken.

Das von den Bauern erzeugte Getreide hat prinzipiell der Staat aufzukaufen. In der Gemeinde Wonhwa des Kreises Sunan im Bezirk Süd-Phyongan sagten mir die Bauern, daß sie, wenn sie auf dem Markt ihr Getreide anbieten, mit ihrer Ware bald wieder heimkehren, weil die Privathändler sie allzu sehr schikanieren. Durch den Getreideaufkauf kann der Staat den Bauern Erleichterungen gewähren und den Privathändlern die Möglichkeit nehmen, mit Getreide zu handeln. Dann wird auch die Unordnung auf den Märkten beseitigt.

Im Zusammenhang damit, daß es den Privathändlern nicht mehr möglich ist, mit Getreide zu handeln, könnte die Frage auftauchen, was die Bauern mit den überschüssigen Getreidemengen machen sollen, die sie nach dem Verkauf an den Staat noch übrig haben. Dieses Problem könnte man lösen, indem Bauernmärkte eröffnet werden, wo sie dieses Getreide verkaufen können.

Beim Getreideaufkauf kommt es erstens auf die Methode des Aufkaufs und zweitens auf den Aufkaufpreis an.

Diese Arbeit muß unter allen Umständen auf dem Prinzip der Freiwilligkeit der Bauern beruhen.

Selbstverständlich hat ein beträchtlicher Teil der Bauern noch nicht das Bewußtsein, daß sie sich freiwillig an dieser Sache beteiligen würden. Manche Bauern verkaufen zur Zeit eine gewisse Menge Getreide im Herbst. Das tun sie aber, weil sie Steuern begleichen müssen, d. h., gezwungenermaßen. Ein großer Teil von ihnen hält jedoch seine Ware im Herbst zurück und wartet auf eine Gelegenheit im Frühjahr, in dem die Preise steigen werden.

Aus diesem Grund darf man jedoch nicht ein System des Pflichtverkaufs von Getreide einführen, denn das widerspricht dem Vorhaben unserer Partei. Unsere Bauern mögen das nicht; sie waren voller Groll, als ihnen unter der Kolonialherrschaft des japanischen Imperialismus das Getreide zu Unrecht genommen wurde, das sie angebaut hatten. Durch wirksame Überzeugung und Erziehung kann man ihren Patriotismus wecken, und auf diese Weise ist es durchaus möglich, ohne Pflichtablieferung ihr überschüssiges Getreide aufzukaufen.

Getreide auf dem Wege des Tausches zu veräußern, wäre keine geeignete Methode.

Die Bauern freuen sich, wenn sie mit dem Geld, das sie beim Getreideaufkauf einlösen, Waren kaufen können, die sie sich wünschen und brauchen. Wozu sollte man ihnen also Waren anbieten und sie an diese fesseln. All diese Methoden sprechen nicht die Lebensgefühle unserer Bauern an. Also darf man nicht von Pflichtablieferung oder Tauschhandel reden. Der Getreideaufkauf muß auf dem Prinzip der Freiwilligkeit beruhen und durch Bargeldzahlung erfolgen.

Wichtig ist, angemessene Preise für den Getreideaufkauf festzu­legen.

Die Bauern würden sich aktiv an dieser Arbeit beteiligen, wenn die Preise hoch sind. Bei niedrigen Aufkaufpreisen würden sie kein großes Interesse zeigen. Unter Berücksichtigung der Interessen der Bauern sind diese Preise in annehmbarer Höhe festzulegen.

Zur Zeit können sich die Bauern nicht einmal für ein Sodumal Reis ein Paar Gummischuhe kaufen. Es geht darum, ob man den Preis für den Reis erhöhen oder den Preis für Industriewaren senken soll. Eine Erhöhung des Preises für Reis ist nicht angebracht. Es empfiehlt sich, den Preis für die Industriewaren insgesamt zu überprüfen und Maßnahmen zu ihrer Preissenkung zu ergreifen.

Bei der Festlegung des Preises für Getreide hat man für das laufende Jahr vorgesehen, daß ein Sodumal Reis 300 bis 410 Won kostet. Nach dem jetzigen Preisgefüge zu urteilen, ist das die richtige Höhe. Allerdings sollte man den Aufkaufpreis für Reis in den einzelnen Gebieten je nach der Qualitätsklasse ein wenig differenzieren. Auch die Preisproportion zwischen den Getreidearten ist durchdacht zu bestimmen.

Da der Getreideaufkauf eine überaus wichtige Angelegenheit ist, sollen Sie weiter die konkreten Bedingungen auf dem Dorf erkunden und geeignete Methoden für den Aufkauf aufspüren.

Das Ministerkabinett soll Arbeitsgruppen in die Dörfer nahe von Pyongyang und in die Bezirke Hwanghae, Süd-Phyongan und Nord- Phyongan entsenden, um mit den Bauern Maßnahmen zum Getreide­aufkauf zu beraten. Erst wenn man unter die Massen geht und sich mit ihnen ausspricht, kann man ihren Willen und ihre Forderungen kennenlernen und zweckentsprechende Methoden für den Getreide­aufkauf ausfindig machen. Aufgabe der Angehörigen dieser Arbeitsgruppen ist es, die Meinungen der vielen Bauern über den Getreideaufkauf anzuhören und ihnen zu erläutern, in welcher Lage das Land geraten würde, wenn sie das Getreide nicht an den Staat, sondern an Privathändler verkaufen.

Die Angehörigen dieser Gruppen, die in die Bezirke fahren, sollen die Bauern nicht nur aufklären und überzeugen, sondern auch mit Vorschlägen darüber zurückkehren, wie sie die Arbeit der Bauern erleichtern könnten, zum Beispiel durch mobile Aufkaufs­einrichtungen.

Auch das ZK der Partei soll seine Mitarbeiter in die Bezirke schicken, um die konkrete Lage auf dem Dorf kennenzulernen und geeignete Wege zur erfolgreichen Sicherung des Getreideaufkaufs ausfindig zu machen.

3. Über die Kommunalwirtschaft

In den Städten bewirtschaften jetzt die Privathändler Verkaufsstellen und Gaststätten, die mit keinen entsprechenden Einrichtungen versehen, kulturlos und unhygienisch sind. In Pyongyang sind zum Beispiel nach dem Waffenstillstand viele früher zerbombte Privatläden als kleine Krämerläden wieder erstanden. Auf den Märkten gibt es derart viele private Stände für Reisbrot, Kneipen und Kaufläden, daß man kaum weiß, wohin man seinen Fuß setzen soll. Die Mitarbeiter der Macht­organe denken jedoch nicht daran, entsprechende Maßnahmen einzuleiten.

Gemäß der Verfassung unseres Landes sind natürlich privater Handel und Privatunternehmen erlaubt, auf der Etappe der sozialis­tischen Revolution ist es aber notwendig, diese allmählich einzu­schränken.

Zur Zeit wird der Privathandel jedoch nicht eingedämmt, sondern willkürlich zugelassen. Die Mitarbeiter der Finanzorgane, die für die Lenkung des Privathandels zuständig sind, registrieren die Privat­händler und genehmigen ihnen nach entsprechendem Antrag die Eröffnung von Geschäften, ohne sich danach zu erkundigen, ob sie die Voraussetzungen dafür haben. Das tun sie, um von ihnen Steuern einzutreiben. Auf die politische und wirtschaftliche Entwicklung des Landes nehmen sie überhaupt keine Rücksicht.

Wir fürchten natürlich nicht die Entwicklung des Privathandels in unserem Land, denn sie gefährdet kaum die ökonomische Entwicklung unseres Landes. Es besteht jedoch keine Notwendigkeit, die im Krieg bankrott gegangenen Privathändler und -unternehmer uneingeschränkt wiederaufleben zu lassen. Es verhielt sich anders, wenn die Privathändler arbeitsunfähig wären oder ihnen kein Arbeitsplatz sicher wäre. Da sie aber arbeitsfähig sind und wir ihnen andere Arbeitsplätze zuweisen können, müssen wir sie dazu bringen, nach Möglichkeit aktiv an der Arbeit teilzunehmen, und sie zu sozialistischen Werktätigen umformen. Dies ist besonders unter den heutigen Bedingungen notwendig, unter denen der Wirtschaftsaufbau viele Arbeitskräfte erfordert.

Wir müssen damit Schluß machen, den Privathandel ohne jede Rücksicht und Einschränkung zuzulassen, und müssen ein strenges Genehmigungsverfahren einführen.

Es ist unerläßlich, exakte Vorschriften für den Privathandel auszu­arbeiten. Darin ist konkret festzulegen, wie groß die Räume sein und welche hygienischen Bedingungen beispielsweise in einer privaten Gaststätte vorhanden sein müssen. Können die Privathändler die in den Vorschriften angegebenen Bedingungen nicht sichern, so sollen sie ihr Geschäft aufgeben und in den Produktionsbetrieben eine Arbeit aufnehmen.

Erforderlich ist gleichfalls die Steuerpolitik gegenüber den Privathändlern und -unternehmern nochmals zu überprüfen. Die Massen sagen: Die Mitarbeiter der Finanzorgane erheben von den Händlern, die sich den Schein geben, als betrieben sie einen kleinen Handel, aber in Wirklichkeit große Geschäfte machen, geringe Steuern, während sie von den Privathändlern, die tatsächlich einen unbedeu­tenden Handel betreiben, hohe Steuern fordern. Das Ministerkabinett muß allseitig überprüfen, wie die Steuerpolitik des Staates durchgesetzt wird, und entsprechende Maßnahmen treffen.

Für den Städtebau sollten wir nach Kräften Mittel von Privat­personen einsetzen, was zur Zeit nicht geschieht. Es gibt Stadt­bewohner, die, obwohl sie in schlechten Häusern leben, nicht daran denken, ihr Geld im Wohnungsbau anzulegen, und nur darauf erpicht sind, Geld zu verdienen und zu akkumulieren.

Die Privatpersonen sollen auf den im Städtebauplan vorgesehenen Grundstücken und in den vom Staat vorgegebenen Abmessungen Wohnhäuser bauen. Wer dazu in der Lage ist, soll es aus eigener Kraft bewältigen. Ist der einzelne zu schwach, können mehrere Personen Geld zusammenlegen und gemeinsam Häuser bauen. Das entsprechende Material kann vom Staat zu einem angemessenen Preis erworben werden. Die Baubetriebe könnten auch den privaten Wohnungsbau übernehmen, um Verschwendungen von Material zu verhindern. Die Städte werden harmonisch und schön gestaltet sein, wenn die Privatpersonen selbst Häuser bauen und sich der Staat daran beteiligt. Das ist durchaus keine schlechte Sache.

Die privaten Wohnhäuser müssen rechtzeitig renoviert werden. In manchen Bezirken wird das außer acht gelassen. In der Stadt Chongjin im Bezirk Nord-Hamgyong habe ich in den Nebengassen viele leerstehende Wohnhäuser gesehen, die im Krieg beschädigt wurden. Weil sie sich im Privatbesitz befinden, werden sie überhaupt nicht instand gesetzt. Die Privatpersonen denken nicht daran, ihre Häuser zu reparieren, aber auch der Staat widmet ihnen keine Aufmerksamkeit, weil es eben Privatwohnungen sind. Als Folge davon machen die Städte einen verwahrlosten Eindruck.

Der Staat muß diese Wohnungen instand setzen, um das Wohnungs­problem der Stadtbevölkerung zu lösen und die Städte zu verschönern. Die zuständigen Institutionen müssen die Häuser, die die Privat­personen aus eigener Kraft nicht reparieren können, zu einem angemessenen Preis kaufen, sie zum Staatseigentum machen und für Arbeiter und Angestellte in Ordnung bringen.

Bahnhofsgebäude, Theater, Hotels, Badeanstalten, Parks und andere öffentliche Gebäude und Einrichtungen sind besser zu verwalten.

Zur Zeit geht man mit den öffentlichen Gebäuden und Einrichtungen nachlässig um. Mit dem Bewußtsein eines Herrn sollen die Vorsitzenden der Stadt- und Kreisvolkskomitees sie verantwortungsbewußt verwalten.

Die Stadt- und Kreisvolkskomitees sind verpflichtet, all diese Ein­richtungen in ihrem Bereich einheitlich zu erfassen und zu verwalten.

Für eine bessere Arbeit in diesem Bereich müssen wir unter den Werktätigen die ideologische und kulturelle Erziehung intensivieren. Erst dann werden sie diese Einrichtungen pflegen, schonen und bewußt an ihrer Verwaltung teilnehmen können.

Es kommt selten vor, daß die Werktätigen unsorgsam mit dem Staatseigentum umgehen und die öffentliche Moral verletzen. Doch es gibt Menschen, die die Abteile der Eisenbahnwagen und die Theater­säle verschmutzen und die Verkehrsordnung verletzen. Das hängt in starkem Maße mit der mangelhaften ideologischen Erziehung unter den

Werktätigen zusammen.

Die koreanische Nation ist eine Nation, die von alters her Anstand und Moral auszeichnet. Unser Volk hat im dreijährigen Vaterländischen Befreiungskrieg durch seinen heldenhaften Kampf den US-Imperialismus besiegt. Es ist ein kulturvolles und edelgesinntes Volk. Unser Volk, das den US-Imperialismus geschlagen hat, soll auch bei der Einhaltung der öffentlichen Moral in gebührender Weise ein Beispiel geben.

Wir müssen intensiv allen Werktätigen hohe moralische Eigen­schaften anerziehen. Aufgabe der Abteilung Propaganda und Agitation des ZK der Partei und des Ministeriums für Kultur und Propaganda ist es, die kulturelle und moralische Erziehung der Werktätigen als eine ebenso wichtige Sache anzusehen wie ihre politisch-ideologische Erziehung und in ihnen noch stärker hohe moralische Eigenschaften zu entwickeln.

Eine bessere Verwaltung der öffentlichen Gebäude und Ein­richtungen setzt die strikte Einhaltung der entsprechenden Disziplin voraus.

In dieser Beziehung sind Ordnung und Disziplin sehr vernachlässigt worden. Das Verkehrsministerium läßt mehr als 200 Fahrkarten verkaufen, obwohl jeder Wagen nur 102 Sitzplätze hat.

Für die disziplinierte Verwaltung dieser Einrichtungen müssen entsprechende Vorschriften ausgearbeitet werden, in denen festgelegt werden muß, welche Ordnung in den Eisenbahnwaggons zu herrschen hat und wie die Gaststätten, Theater, Schulen und Krankenhäuser zu verwalten sind.

Zugleich muß die Unsorgsamkeit in diesen Einrichtungen intensiv bekämpft werden.

Auch die Märkte sind besser zu verwalten.

Hier kommen viele Menschen her, um Waren zu verkaufen bzw. zu kaufen. Deshalb kann man erst durch eine hygienische und kulturvolle Gestaltung und gute Verwaltung der Märkte die Menschen erziehen und auf die Privathändler einen positiven Einfluß ausüben.

Manche sagen, es sei überflüssig, die Märkte besser zu gestalten, weil es hier nur Privathändler gibt. Das stimmt nicht. Die Märkte

werden auch von den Arbeitern, Bauern und Angestellten besucht.

Die Mitarbeiter der Volksmachtorgane müssen sich darum bemühen, die Märkte sauberzuhalten und besser zu verwalten. Die Kaufstände auf den Märkten sollen überdacht werden. Ebenso ist hier eine Kanalisation zu legen. Außerdem sind die Märkte ordnungsgemäß zu verwalten und ist hier die hygienische Kontrolle zu intensivieren.

Abschließend sei erwähnt, daß der Städtebau vorausschauend und effektiv durchzuführen ist.

Es gibt heute Bezirke, in denen man in den Städten wenig und in den Dörfern viele Häuser errichtet, wobei man sich darauf beruft, daß künftig moderne Städte gebaut werden. So bleiben die Städte fast leer. Wann sollen wir aus Ruinen Städte neu erstehen lassen, wenn der Wiederaufbau der Städte auf diese Weise erfolgt?

Den Städtebau müssen wir weiter beschleunigen. Es gilt, die Nebengassen der Städte instand zu setzen und viele Häuser zu bauen. Im nächsten Jahr haben wir nicht nur in Pyongyang, sondern in allen Städten viele Gebäude, darunter auch Wohnhäuser, Lehranstalten, Hotels, Gaststätten und Badeanstalten, zu bauen.

In Städten sind auch Parks für die Kinder anzulegen. Zur Zeit hat Pyongyang keine Spielplätze, und deshalb sind die Kinder gezwungen, an den Straßen zu spielen. Das darf nicht sein. Wir müssen in Pyongyang im kommenden Jahr Parks für Kinder schaffen, die mit verschiedenen Spielgeräten zu versehen sind.

Dem Ministerkabinett obliegt es, alle Städtebaupläne zu überprüfen und auch dafür Sorge zu tragen, daß der Staat Arbeitskräfte zur Verwaltung der Parks und Plätze zur Verfügung stellt.

Es ist eine wichtige Aufgabe der Vorsitzenden der Volkskomitees der Städte und Kreise, die Städte sachgemäß zu verwalten. Deshalb müssen sie sich nach Kräften bemühen, diese Arbeit zu verbessern.