14. August 1955 // Reden
Kim Il Sung // Ansprache auf der Festveranstaltung anlässlich des 10. Jahrestages der Befreiung am 15. August

Ansprache auf der Festveranstaltung anlässlich des 10. Jahrestages der Befreiung am 15. August

14. August 1955

Quelle: Kim Il Sung, Gesammelte Werke, Band 9


Liebe Genossen!

Wir begehen in einer Atmosphäre des grandiosen Kampfes für den Wiederaufbau der Volkswirtschaft nach dem Krieg den 10. Jahrestag der Befreiung am 15. August, unseren Nationalfeiertag.

Vor zehn Jahren hat sich unsere Nation von ihrem nahezu 40jährigen kolonialen Sklavendasein befreit. Seit dieser Zeit genießt das koreanische Volk die nationale Freiheit und Unabhängigkeit und beschreitet den Weg zur Schaffung einer neuen Geschichte.

Mit Blut unterstützte das sowjetische Volk unser Volk in seinem Befreiungskampf gegen die räuberischen japanischen Imperialisten und läßt ihm materielle und moralische Hilfe zuteil werden.

Anläßlich des 10. Jahrestages der Befreiung am 15. August möchte ich im Namen des ganzen koreanischen Volkes, der Partei der Arbeit Koreas und der Regierung der Republik dem sowjetischen Volk, unserem engen Freund, der Kommunistischen Partei, der Regierung und der Armee der Sowjetunion meinen tiefen Dank aussprechen und ihnen Ehre erweisen.

Ferner erlaube ich mir, dem chinesischen Volk, das zusammen mit dem koreanischen Volk einen langjährigen gemeinsamen Kampf gegen die japanischen Imperialisten geführt hat, in der schwersten Zeit des Vaterländischen Befreiungskrieges des koreanischen Volkes gegen die US-imperialistischen Aggressoren unter dem hoch erhobenen Banner des Widerstandes gegen die USA und der Unterstützung für Korea die aus seinen besten Söhnen und Töchtern organisierten Freiwilligen an die Koreafront entsandte, um unser Volk mit seinem Blut zu unterstützen, und es beim Wiederaufbau nach dem Krieg weiterhin unterstützt, der Kommunistischen Partei Chinas und der Regierung der Volksrepublik China und den chinesischen Volksfreiwilligen von ganzem Herzen Dank zu sagen und ihnen Ehre zu erweisen.

Mein herzlicher Glückwunsch gilt dem ganzen koreanischen Volk, das den bewaffneten Überfall der US-Imperialisten zurückschlug, die Freiheit und Unabhängigkeit des Vaterlandes verteidigte und auf­opferungsvoll für den Wiederaufbau der Volkswirtschaft nach dem Krieg und die friedliche Vereinigung des Vaterlandes kämpft.

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Liebe Genossen!

Das koreanische Volk war unter der Herrschaft der japanischen Imperialisten aller politischen Rechte und Freiheiten beraubt und grausamer kolonialer und feudaler Unterdrückung und Ausbeutung ausgesetzt. Die Entwicklung der Nationalwirtschaft wurde aufs äußerste behindert, und die Bildung und Kultur wie auch die Sitten der koreanischen Nation wurden erbarmungslos mit Füßen getreten. Die japanischen imperialistischen Herrscher warfen Hunderttausende unserer Patrioten, die sich zum antijapanischen Kampf für die Rettung unserer Nation vor dem Niedergang erhoben hatten, ins Gefängnis und ermordeten sie.

Mit der Niederlage der japanischen Imperialisten, die unser Vaterland okkupiert hielten, eröffnete sich unserem Volk der Weg zur Wiedergeburt.

Das befreite koreanische Volk stellte sich die Aufgabe, den kolonialen Herrschaftsapparat der besiegten japanischen Imperialisten völlig zu zerschlagen und einen demokratischen unabhängigen Staat aufzubauen.

Die Volksmassen entfalteten große revolutionäre Begeisterung und Aktivität, überwältigten die projapanischen Elemente, Nationalverräter, Gutsbesitzer, die Kompradorenbourgeoisie und andere reaktionäre Elemente und gründeten in ganz Korea die Volkskomitees, die Volksmachtorgane neuen Typs. Die Arbeiterklasse, die in der Volks­macht die führende Rolle spielt, verbündete sich fest mit der Bauernschaft, bildete die Einheitsfront mit den gegen den Imperia­lismus und Feudalismus auftretenden breiten Schichten und schlug den Weg zur Erfüllung der Aufgaben der antiimperialistischen, antifeudalen demokratischen Revolution ein.

Doch die US-imperialistischen Aggressoren haben von den ersten Tagen ihrer Stationierung im südlichen Teil unseres Vaterlandes an damit begonnen, eine koloniale Raubpolitik zu betreiben. Sie lösten in Südkorea die nach dem freien Willen des Volkes organisierten Volks­komitees auf, führten wieder den kolonialen Herrschaftsapparat ein, trommelten proamerikanische und projapanische Elemente, National­verräter und andere reaktionäre Elemente zusammen und inszenierten eine Marionettenregierung. Die imperialistischen US-Okkupanten und ihre Lakaien unterdrückten mit Bajonetten alle patriotischen und demokratischen Kräfte und traten in jeder Weise gegen den Aufbau eines einheitlichen und unabhängigen demokratischen Staates in Korea auf.

Somit ist unser Vaterland künstlich gespalten, und in dessen nördlichen und südlichen Teilen ist eine grundsätzlich entgegengesetzte Situation entstanden.

Unsere Partei hatte sich die Aufgabe gestellt, auf der Grundlage der in Nordkorea bestehenden günstigen Bedingungen eine revolutionäre demokratische Basis, die Basis für die Vereinigung des Vaterlandes, zu schaffen, und mobilisierte alle patriotischen Kräfte zu deren Erfüllung.

Diese von unserer Partei gestellte Aufgabe entsprach voll und ganz unseren nationalen Interessen und wurde vom ganzen Volk leiden­schaftlich unterstützt.

Mit absoluter Unterstützung der verschiedensten Bevölkerungs­schichten hat die Volksmacht unter der Führung unserer Partei die demokratischen Reformen verwirklicht.

Die Volksmacht hat die Bodenreform realisiert und den jahr­hundertelangen Wunsch der werktätigen Bauern, Herren des Bodens zu werden, erfüllt. Somit wurden auf dem Lande die feudalen Aus­beutungsverhältnisse beseitigt, verbesserte sich rapide das materielle und kulturelle Lebensniveau der Bauern, und unsere Landwirtschaft konnte einen neuen Weg ihrer Entwicklung einschlagen.

Die Volksmacht hat fernerhin die gesamte Industrie, alle Banken und Eisenbahnen, das gesamte Transport- und Nachrichtenwesen sowie alle Kultureinrichtungen, die sich im Besitz der japanischen Imperia­listen, der projapanischen Elemente und der nationalen Verräter befanden, enteignet und verstaatlicht, wodurch deren ökonomische Basis zerstört wurde.

Durch die Nationalisierung der wichtigen Industriebetriebe wurden im nördlichen Teil unseres Landes sozialistische Produktions­verhältnisse geschaffen.

Die Arbeiterklasse, die sich von der Ausbeutung befreite und zum wahren Herren des Staates wurde, rief im Interesse des eigenen Glücks und des Gedeihens des Vaterlandes mit ganzer Leidenschaft und Aktivität die Bewegung für die Produktionssteigerung ins Leben.

Die Volksmacht ergriff Maßnahmen, um in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens dem Volke demokratische Rechte und Freiheiten zu gewähren.

Den Arbeitern und Angestellten wurde das Recht auf Arbeit, Erholung und Studium, den Frauen wurden im gesellschaftlichen und politischen Leben die gleichen Rechte wie den Männern garantiert. Das Bildungssystem der kolonialen Versklavung wurde abgeschafft und ein volksverbundenes Bildungssystem eingeführt, und die demokratische Nationalkultur und Kunst haben sich zu entwickeln begonnen. Auf allen Gebieten der Politik, der Wirtschaft und der Kultur vollzogen sich demokratische Umwälzungen, und unsere Partei hat unter den Volks­massen unermüdlich marxistisch-leninistische Erziehung geleistet. Als Ergebnis formte sich in ihnen das fortschrittliche ideologische Bewußtsein und entwickelten sich in ihnen neue moralische Eigenschaften. Die politische Einheit und Geschlossenheit des ganzen Volkes, der auf Patriotismus beruhende proletarische Internationa­lismus, die grenzenlose Treue und Selbstlosigkeit gegenüber der Partei und Regierung, die Liebe zur Arbeit – all das sind die wichtigen Merkmale der Veränderungen, die sich in den vergangenen zehn Jahren im politischen Bewußtsein und in den moralischen Charakterzügen unseres Volkes vollzogen.

Die Gründung der Demokratischen Volksrepublik Korea im Jahre 1948 war ein epochemachendes Ereignis in der Geschichte unseres Landes. Die Republik nahm diplomatische Beziehungen mit der Sowjetunion und anderen Bruderstaaten auf und trat als ein Mitglied des sozialistischen Lagers auf den internationalen Schauplatz.

In den fünf Jahren der friedlichen Wiederherstellung nach der Befreiung hat unser Volk beim Aufbau des Staates in allen Bereichen große Erfolge erreicht. Ende 1949 hatten die Produktion in den wichtigen Industriezweigen und die Landwirtschaftsproduktion den Stand des Jahres 1944, des Jahres vor der Befreiung, übertroffen. Die Einrichtungen der Bildung, Kultur und des Gesundheitswesens haben sich um ein Mehrfaches vergrößert, und das materielle und kulturelle Lebensniveau der Bevölkerung wurde bedeutend erhöht.

Die rasche Entwicklung der Volkswirtschaft im nördlichen Teil der Republik hat auf die Bevölkerung des südlichen Teils einen anspor­nenden Einfluß ausgeübt und löste bei den US-Imperialisten und der verräterischen Clique um Syngman Rhee große Beunruhigung und Furcht aus.

Die US-Imperialisten und die Verräterclique um Syngman Rhee verstärkten in Südkorea die faschistische Polizeiherrschaft und unter­drückten die Widerstandsbewegung des Volkes und unternahmen im Juni 1950 den seit langem vorbereiteten bewaffneten Überfall mit dem Ziel, den nördlichen Teil der Republik zu besetzen und das ganze koreanische Volk zu versklaven.

Der dreijährige Vaterländische Befreiungskrieg gegen die US- imperialistischen Invasoren und deren Handlanger war für unser Volk die härteste Bewährungsprobe.

Das ganze koreanische Volk, das niemals wieder Kolonialsklave werden will, erhob sich wie ein Mann zum gerechten Kampf für die Verteidigung der Freiheit und Unabhängigkeit des Vaterlandes und der volksdemokratischen Ordnung.

Unser Volk und seine heroische Streitmacht, die Volksarmee, habe im Vaterländischen Befreiungskrieg unter Führung der Partei der Arbeit Koreas und der Regierung der Republik an der Front und im Hinterland beispielloses Heldentum und patriotische Selbstlosigkeit bekundet und die schwere Bewährungsprobe in Ehren bestanden. Die vereinten reaktionären Kräfte von 16 Staaten, angeführt von dem US- Imperialismus, erlitten an der Koreafront eine schmähliche Niederlage und waren gezwungen, das Waffenstillstandsabkommen zu unter­zeichnen. Das war ein historischer Sieg unseres Volkes.

Der Sieg, der von unserem Volk im Vaterländischen Befreiungs­krieg erkämpft wurde, demonstrierte der ganzen Welt die Überlegenheit und die unerschöpfliche Lebenskraft der im nördlichen Teil der Republik errichteten volksdemokratischen Ordnung. Es war nicht nur ein Sieg des koreanischen Volkes, sondern auch des Friedens, der Demokratie und des sozialistischen Lagers und hat ferner gezeigt, daß die Kraft des unter dem Banner des proletarischen Internationalismus zusammengeschlossenen Volkes durch keinerlei Kräfte besiegt werden kann.

Die internationalistische Hilfe, die während des Vaterländischen Befreiungskrieges die Sowjetunion, die Volksrepublik China und andere volksdemokratische Bruderstaaten unserem Volk angedeihen ließen, war eine wichtige Voraussetzung für unseren Sieg. Insbesondere die Tatsache, daß das chinesische Volk die Bewegung „Widerstand gegen die USA und Unterstützung für Korea“ entfaltete, seine Freiwilligen entsandte, die unser Volk mit ihrem Blut unterstützten, war ein neues Beispiel des proletarischen Internationalismus. Die unsterblichen Verdienste, die sich die chinesischen Volksfreiwilligen in unserem gemeinsamen Kampf gegen die US-imperialistischen Aggressoren und deren Helfershelfer erworben haben, und die von den Völkern der Bruderstaaten unserem Volk erwiesene internationalistische Hilfe werden in der Geschichte des Vaterländischen Befreiungskrieges unseres Volkes für immer erstrahlen.

Der Koreakrieg hat bewiesen, daß die Zeit, in der die Imperialisten sich der kleinen und schwachen Nationen willkürlich bemächtigten und sie ausplünderten, bereits der Vergangenheit angehört und die Völker ihre nationale Unabhängigkeit und Freiheit erreichen können, wenn sie mit der Waffe in der Hand konsequent und mutig gegen die Aggressoren kämpfen.

Im Laufe des Krieges wurde unser Volk noch mehr gestählt, sein Vertrauen zur Partei der Arbeit Koreas und zur Regierung der Republik hat sich vertieft, und die politisch-ideologische Geschlossenheit des Volkes ist weiter erstarkt.

Angesichts des Waffenstillstandes stellte sich vor unserem Volk die dringende und schwere Aufgabe, die durch den Krieg zerstörte Volkswirtschaft rasch wiederaufzubauen und zu entwickeln, die Lebensbedingungen der verarmten Bevölkerung zu stabilisieren und zu verbessern.

Von dieser Aufgabe ausgehend haben Partei und Regierung nach dem Krieg den Dreijahrplan ausgearbeitet und das ganze Volk für dessen Verwirklichung mobilisiert.

Im Dreijahrplan ist vorgesehen, die Lebenslage des Volkes, die infolge des Krieges unermeßlichen Schaden erlitt, zu stabilisieren und zu verbessern, für die Festigung der ökonomischen Basis des Landes die Volkswirtschaft auf den Vorkriegsstand zu bringen und durch die Beseitigung der kolonialbedingten Einseitigkeit der Industrie die Voraussetzungen für die künftige sozialistische Industrialisierung des Landes zu schaffen.

Unter der Führung der Partei der Arbeit Koreas und der Regierung der Republik erhob sich unser Volk einmütig im gleichen Geist wie im Kampf gegen die Feinde in der Zeit des Krieges zum Wiederaufbau, um den Nachkriegsdreijahrplan zu erfüllen.

Dank der schöpferischen Bemühungen und dem aufopferungsvollen Kampf unseres Volkes wurde auch der Plan für 1954, das erste Jahr des Dreijahrplans, erfolgreich erfüllt und wird auch der Plan für dieses Jahr, das entscheidende Jahr bei der Verwirklichung des Dreijahrplans, ergebnisreich verwirklicht.

Im ersten Halbjahr 1955 haben sich die Investitionen in der Industrie gegenüber dem ersten Halbjahr 1953 auf das 4,7fache gesteigert. Somit erreichte die Zahl der ihrer Bestimmung übergebenen großen und kleinen

Betriebe, die in den zwei Jahren nach dem Waffenstillstand in der Abbauindustrie, Maschinen-, Eisenhütten-, Baumaterial-, Textilindustrie und den anderen Industriezweigen neu gebaut, vollständig oder teilweise wiederhergestellt und ausgebaut wurden, rund 290.

Die Bruttoindustrieproduktion der staatlichen und genossen­schaftlichen Betriebe wuchs im ersten Halbjahr 1955 gegenüber dem gleichen Zeitraum 1953 auf das 2,5fache.

Besonders in der Schwerindustrie ist eine große Entwicklung zu verzeichnen. Im ersten Halbjahr 1955 erhöhte sich die Stromerzeugung im Vergleich zum gleichen Zeitraum 1953 auf das 3,4fache, die Kohlegewinnung auf das 6fache, und der Maschinenbauindustrie gelang es, spanabhebende Maschinen, Friktionspressen, Schiffs­motoren, Gleichstromgeneratoren und andere verschiedene neue Erzeugnisse, die früher nicht hergestellt werden konnten, zu liefern. Das sind tatsächlich epochale Erfolge in der Entwicklung unserer Industrie.

Im ersten Halbjahr 1955 nahmen die Produktion der Leichtindustrie im Vergleich zum gleichen Zeitraum 1953 bei Baumwollgewebe auf das Doppelte und bei Seidengewebe auf das 4fache und der Fischfang auf das 3,3-Ffache zu.

Rasch entwickelte sich auch der Eisenbahntransport. Im Vergleich zum ersten Halbjahr 1953 steigerte sich der Gütertransport bei der Eisenbahn im ersten Halbjahr 1955 um 84 Prozent, und die derzeitige monatliche Durchschnittstransportmenge hat den Vorkriegsstand von 1949 überholt.

Auch in der Landwirtschaft wurden nicht wenige Erfolge erzielt. In den zwei Jahren nach dem Krieg wurden große landwirtschaftliche Nutzflächen, die durch den Krieg verwüstet wurden, wiederhergestellt, und es entstanden viele Dammbauten, Wasserpumpstationen und andere Bewässerungsanlagen, wodurch sich die bewässerten Flächen um etwa 40 000 Hektar vergrößerten.

Es ist ein epochales Ereignis in der Entwicklung der Landwirtschaft unseres Landes in der Nachkriegszeit, daß zahlreiche land­wirtschaftliche Genossenschaften organisiert wurden. Ihre Zahl beträgt bereits mehr als 10 000, und nahezu 44 Prozent aller Bauernfamilien sind in diesen Genossenschaften zusammengelegt.

Diese rapide Entwicklung in der Bewegung für den genossen­schaftlichen Zusammenschluß in der Landwirtschaft zeugt davon, daß die Bauern durch die landwirtschaftlichen Genossenschaften, die in der Kriegszeit in einigen Gebieten versuchsweise gebildet wurden, deren Überlegenheit am eigenen Leibe verspürt und sich klar und eindeutig davon überzeugt haben, daß nur der Weg des genossenschaftlichen Zusammenschlusses es ihnen ermöglicht, nach dem Krieg den Mangel an Arbeitskräften und Zugvieh zu überwinden, die Produktionsbasis der Landwirtschaft schnell wiederherzustellen und ihre eigene Lebenslage zu verbessern.

Die Regierung der Republik hat für die Festigung der materiellen Basis der Landwirtschaft große Summen investiert. Im ersten Halbjahr 1955 wurden die Investitionen in die Landwirtschaft gegenüber dem gleichen Zeitraum 1953 auf das 3,6fache gesteigert.

Die Partei und Regierung haben der Entwicklung der Land­maschinenausleihstationen große Aufmerksamkeit gewidmet. Als Ergebnis erhöhte sich nach dem Krieg die Zahl dieser Stationen auf das 2,6fache, die der Traktoren auf mehr als das Doppelte, und wurden in verschiedenen Gebieten zahlreiche Zugviehausleihstationen gebildet.

Auf der Grundlage des raschen Wachstums der Produktion von Grundbedarfsartikeln hat die Regierung in der kurzen Zeit nach dem Krieg dreimal die Preise für diese Waren herabgesetzt. Folglich gingen die Warenpreise im staatlichen und genossenschaftlichen Handel im ersten Halbjahr 1955 gegenüber dem gleichen Zeitraum 1953 annähernd um 55 Prozent zurück, wodurch die Einwohner einen Gewinn von mehr als 11 Mrd. Won hatten. Dank der Preissenkung, die am 1. August dieses Jahres zum vierten Male nach dem Krieg vorgenommen wurde, kamen unsere Werktätigen erneut in den Genuß des Gewinns von 3,4 Mrd. Won.

Durch die Senkung der Warenpreise und die Steigerung der Löhne hat sich das Realeinkommen der Arbeiter und Angestellten bedeutend erhöht.

Der Staat hat für sie in der Nachkriegszeit Wohnraum mit Gesamt­fläche von 2 Mio. Quadratmetern bauen lassen.

Die Regierung der Republik erwies auch den Bauern große staatliche Hilfe. Sie hat sie von der Ablieferung der unbeglichenen Naturalsteuer von der Rückzahlung der Bankanleihen und von der Entrichtung Nutzungsgebühren für Bewässerungsanlagen befreit, ihnen Darlehen einer Höhe von Hundertmillionen Won gewährt und das benötigte Saatgut, Lebensmittel und chemische Düngemittel bereitgestellt, um ihre landwirtschaftliche Arbeit zu unterstützen. Die Regierung hat ferner kürzlich den Prozentsatz der Naturalsteuer neu festgelegt und orientiert darauf, sie zu senken. All diese Maßnahmen sind ein klarer Ausdruck: ständigen Fürsorge seitens der Partei und der Regierung für die Hebung des Lebensstandards der Bauern.

Nicht wenige Erfolge wurden in der Nachkriegszeit ebenfalls auf dem Gebiet der Kultur und im Gesundheitswesen erreicht. Trotz der schweren Bedingungen der Kriegszeit setzten die Lehranstalten aller Stufen ihre Arbeit fort, und deren Netz wurde nach dem Waffen­stillstand rapide ausgebaut. Folglich gibt es gegenwärtig in unserem Lande mehr als 4800 Grund- und Mittelschulen, 72 Fachschulen verschiedener Bereiche und 16 Hochschulen.

Ebenfalls sind etliche Volksgesundheitseinrichtungen wiederher­gestellt und ausgebaut worden. In den zwei Jahren nach dem Waffenstillstand hat sich die Zahl der Krankenhäuser und Ambulatorien auf mehr als 400 und die der Ärzte nahezu um 49 Prozent erhöht.

Auch beim Wiederaufbau der Städte haben wir Großes geleistet. Dank der aufopferungsvollen Bemühungen aller Bauschaffenden und dem patriotischen Kampf der Mitarbeiter der staatlichen Organe, der Studenten und Schüler sowie der Armeeangehörigen um höhere Arbeitsleistungen erstehen die Städte aus den Ruinen mit neuem Antlitz wieder auf. In den zwei Jahren nach dem Waffenstillstand haben wir zahlreiche Wohnhäuser, Lehranstalten, Krankenhäuser, Schauspiel­theater, Kinos und andere Gesellschaftsbauten errichtet.

In der kurzen Zeit nach dem Waffenstillstand hat unser Volk unter der Führung der Partei der Arbeit Koreas und der Regierung der Republik beim Wiederaufbau der Volkswirtschaft glänzende Erfolge erreicht.

Doch diese unsere Erfolge sind lediglich die ersten Schritte. Wir müssen einen angespannten Kampf für die Erfüllung und Überbietung des Dreijahrplans fortsetzen und uns nach dessen Erfüllung weiterhin bemühen, die Volkswirtschaft auf einem höheren Niveau zu entwickeln.

Unsere Partei beabsichtigt, nach der Verwirklichung des Drei­jahrplans zur Erfüllung des ersten Fünfjahrplans überzugehen. Wir müssen im ersten Fünfjahrplan vorsehen, durch die Schaffung der Grundlagen der sozialistischen Industrialisierung die technische Rekonstruktion in allen Volkswirtschaftszweigen zu beschleunigen, große Kraft für die Agrarproduktion, die Produktion von Konsumgütern und den Wohnungsbau einzusetzen und auf diesem Wege die Lebensbedingungen des Volkes weiter zu verbessern. Mit der Erfüllung dieser Aufgaben wird die demokratische Basis, die ein Unterpfand für die Vereinigung des Vaterlandes ist, noch mehr erstarken. Es ist natürlich nicht leicht, mit all diesen Aufgaben fertig zu werden.

Beim Aufbau unserer Wirtschaft gibt es gegenwärtig nicht wenige Schwierigkeiten.

Die Kriegsschäden sind unermeßlich, und deshalb sind wir gezwungen, nahezu alles neu zu erbauen.

Im Dreijahrplanzeitraum bauen wir nicht nur die zerstörte Volkswirtschaft auf den früheren Stand wieder auf, sondern rekonstruieren sie auf der Grundlage der neuen Technik und schaffen auch manche neue Industriezweige, die es zuvor nicht gab. Folglich vollziehen sich mit dem Vorangehen des Wiederaufbaus nach dem Krieg tief greifende und wesentliche Veränderungen in den verschiedenen Zweigen der Volkswirtschaft. Unsere Betriebe werden heute nicht auf der Grundlage einer von den japanischen Imperialisten als Erbe hinterlassenen veralteten Technik, sondern auf der einer modernen Technik wiederaufgebaut, und aus unseren alten Städten, die unansehnlich und kulturlos waren, werden neue, moderne Städte. Es ist äußerst schwierig, die für diesen umfangreichen Aufbau erforderlichen verschiedenen Ausrüstungen und Materialien hinreichend bereitzu­stellen.

Ferner mangelt es uns an nationalen technischen Kadern. In den zehn Jahren nach der Befreiung haben wir nicht wenige technische herangebildet, doch diese zehn Jahre waren ein zu kurzer Zeitraum dafür in unserem Lande, das früher eine rückständige Kolonie war, für den Aufbau einer neuen Gesellschaft genügend technische Kader heranzubilden. Mehr noch: Wir haben im Krieg viele unserer technischen Kader verloren. Folglich haben wir heute angesichts der sich in hohem Tempo wiederherstellenden und entwickelnden Volkswirtschaft einen großen Mangel an technischen Kadern.

In unserer Arbeit sind auch nicht wenige Fehler festzustellen. Während unseres Aufbaus kommt es zu sporadischen und hastigen Arbeiten, wir kranken an unkonkreten Überlegungen und an mangelhafter Planung; die Erhöhung der Bauqualität wird immer noch nicht genügend berücksichtigt. Ferner machen sich so manche Unzulänglichkeiten bemerkbar, sowohl beim Aufspüren ungenutzten Materials innerer Reserven, bei deren Mobilisierung und Nutzung als auch bei der Einsparung von Arbeitskräften, bei der rationellen Nutzung von Ausrüstungen, bei der Lagerung und Verwaltung staatlicher und gesellschaftlicher Güter.

Diese Hindernisse und Fehler können jedoch durchaus behoben werden.

Wir sind verpflichtet, alle Schwierigkeiten kühn zu überwinden und die Fehler zu korrigieren.

Wir müssen künftig mehr arbeiten und aufopferungsvoller denn je kämpfen, um unser Vaterland stärker und schöner aufzubauen und die Lebenslage der Bevölkerung zu verbessern.

Unsere Aufgabe ist es, die Naturreichtümer des Landes weiter zu erkunden und nach wie vor unsere Kraft auf die Entwicklung der Schwerindustrie, die das Fundament für die Entwicklung der Volkswirtschaft insgesamt bildet, zu konzentrieren und auf diesem Wege schrittweise die sozialistische Industrialisierung des Landes zu realisieren.

Wir müssen beim Aufbau der Schwerindustrie auf Zweige, die mit dem Leben des Volkes in enger Verbindung stehen, unsere Kraft konzentrieren, die Schwerindustrie vorrangig und gleichzeitig auch die Leichtindustrie rasch entwickeln.

Wir haben unser besonderes Augenmerk auf die Wiederherstellung und Entwicklung der Landwirtschaft zu richten. Es ist eine unserer dringendsten Aufgaben, die Ernährungsfrage zu lösen. Infolge der vorjährigen Hochwasser- und Frostschäden in einigen Gebieten unserer Republik ist unsere Lebensmittellage etwas angespannt. Unter Aufbietung aller Kräfte müssen wir die Getreideproduktion steigern und somit die Ernährungsfrage in vollem Maße lösen.

Die Regierung der Republik hat allein im zweiten Halbjahr dieses Jahres für die Entwicklung der Landwirtschaftsproduktion 1 Mrd. Won mehr aufgewandt, als zu Jahresbeginn geplant war, und beschlossen, die für den Bau von Bewässerungsanlagen benötigten Materialien bevorzugt zu liefern, und sieht vor, im kommenden Jahr in der Landwirtschaft mehr finanzielle Mittel und Arbeitskräfte einzusetzen.

In dem zu erarbeitenden Fünfjahrplan sind für die Festigung der materiellen Basis der Landwirtschaft eine Reihe von Maßnahmen vorzusehen: die umfangreichen Bewässerungsbauarbeiten, die Erweiterung der Flächen der erschlossenen Ackerböden und die Steigerung der Produktion von chemischen Düngemitteln und Landmaschinen.

Um all diese Aufgaben erfolgreich zu erfüllen und die land­wirtschaftlichen Produktivkräfte zu stärken, gilt es, die sozialistische Umgestaltung der Landwirtschaft zu beschleunigen, die Anleitung und Hilfe der bereits geschaffenen landwirtschaftlichen Genossenschaften durch die Partei und den Staat zu verstärken und sie so organisatorisch und ökonomisch immer mehr zu festigen.

Alle Werktätigen sind verpflichtet, in sämtlichen Bereichen der Volkswirtschaft die Arbeitsproduktivität ständig zu erhöhen, ein striktes Sparsamkeitsprinzip einzuführen und auf diesem Wege die Baukosten und die Selbstkosten der Produkte herabzusetzen und ihre Qualität noch mehr zu erhöhen.

In allen Zweigen der Volkswirtschaft und Betrieben müssen die Werktätigen das staatliche und gesellschaftliche Vermögen wie ihren Augapfel hüten und die revolutionäre Wachsamkeit gegenüber den Anschlägen der Feinde erhöhen.

Auf diesem Wege ist der Dreijahrplan nach dem Krieg zu erfüllen und zu überbieten und in absehbarer Zeit in der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes ein neuer großer Aufschwung herbeizuführen.

Genossen!

In den zehn Jahren nach der Befreiung wurde im nördlichen Teil der Republik, wo das Volk zum Herrn der Macht geworden ist, das gesamte alte System, das lange Zeit die Entwicklung unseres Landes behinderte, konsequent beseitigt, und alle Gebiete der Politik, Wirtschaft und Kultur sind bedeutend vorangekommen. Der südliche Teil der Republik hingegen, über den die US-Imperialisten und deren Lakaien herrschen, geht mit jedem Tag einem tieferen Verfall und Untergang entgegen.

Im August 1945 wurden der nördliche und der südliche Teil unseres Landes zur gleichen Zeit befreit. Angesichts der damals entstandenen internationalen Situation zogen jedoch die US-Truppen in die Gebiete südlich des 38. Breitengrades ein.

Mit dem Ziel, die Spaltung Koreas zu verewigen, errichteten die US- Imperialisten in Südkorea eine Marionettenregierung, verfolgten eine koloniale Raubpolitik und untergruben den Aufbau eines einheitlichen und unabhängigen demokratischen Staates. Demzufolge schmachten unsere Landsleute Südkoreas, unsere Brüder und Schwestern, unter der Okkupation durch die US-Imperialisten und der Despotie der Marionettenregierung.

Aufgrund der aggressiven Politik des US-Imperialismus gegenüber Korea und der volksfeindlichen, landesverräterischen Politik der Clique um Syngman Rhee wurde die südkoreanische Nationalwirtschaft zerstört, und das Volk befindet sich in einer tragischen Lage.

Der von den US-Imperialisten und der Verräterclique um Syngman Rhee entfesselte Koreakrieg hat die Wirtschaft Südkoreas in eine noch elendere Lage getrieben. Infolge des Krieges wurden die süd­koreanische Industrie und Landwirtschaft schrecklich zerstört.

Aber bis heute, zwei Jahre nach dem Waffenstillstand, gibt es in Südkorea nichts, was sichtbar wiederaufgebaut wurde.

Die Konsumgüterproduktion in Südkorea ist 1954 im Vergleich zur Zeit des Waffenstillstands bedeutend zurückgegangen. Im ersten Halbjahr 1954 verringerte sich gegenüber dem gleichen Zeitraum 1953 die Kohleförderung um 28 Prozent, die Produktion von Gummischuhen um 68 Prozent und die von Seifen um 37 Prozent. Mitteilungen der „Seoul Simun“ zufolge haben allein im Jahr 1954 viele Textilfabriken in Südkorea ihren Betrieb eingestellt.

Die USA versprachen Südkorea, ihm 1954 eine „Hilfe“ in Höhe von 200 Mio. Dollar zu gewähren, und redeten davon, daß sie 60 Prozent davon in die Industrie investieren werden. In Wirklichkeit aber gelangte nur ein verschwindend kleiner Anteil der Summen dieser „Hilfe“ in Südkorea, wovon der größte Teil Ladenhüter der USA war. Auch im Jahre 1955 versprachen sie Südkorea große „wirtschaftliche Hilfe“, doch bis Ende Februar dieses Jahres erhielt es überschüssige Konsumgüter, die nur knapp 5 Prozent der Summen der versprochenen „Hilfe“ ausmachen.

Es liegt auf der Hand, daß sich die USA-Monopolkapitalisten, die nur das Anlegen von Kapital und den Verkauf von Ladenhütern in Südkorea im Auge haben, überhaupt nicht für die Entwicklung seiner Nationalwirtschaft interessieren.

Die Verräterclique um Syngman Rhee faselte zwar von einem „Plan zum Wiederaufbau“ für 1954 und 1955, um die südkoreanische Bevölkerung zu beschwichtigen; da sich jedoch über 90 Prozent dieser finanziellen Mittel auf die „Hilfe“ der USA stützen, gleicht dieser „Plan zum Wiederaufbau“, wie die südkoreanischen Zeitungen berichten, Delikatessen auf einem Reklamebild.

In Südkorea ist nicht nur die Industrie Bankrott gegangen, sondern auch die Landwirtschaft ist unsagbar verwüstet.

Aufgrund der heuchlerischen „Bodenreform“ der Marionetten­regierung wurde die Landwirtschaft noch mehr ruiniert, und die meisten Bauern, die bis über den Kopf verschuldet waren, sind von Gläubigern abhängig geworden.

Nach der „Bodenreform“ nahm in Südkorea die Anbaufläche noch mehr ab, und zwar 1953 um mehr als 15 Prozent gegenüber 1945. Der Getreideertrag geht nach wie vor zurück, und 1954 bis 1955 herrschte ein Mangel an Getreide von mehr als 4,3 Mio. Sok.

Dem Ist-Stand von Ende April dieses Jahres nach erreichte in Südkorea die Zahl der nahrungsmittellosen Bauernhöfe rund 460 000, und Ende 1954 betrug der Bruttobetrag der Schulden der Bauern 20 Mrd. Hwan.

Die Zahl der Bauernfamilien, die unter diesen Bedingungen den Ackerbau aufgaben und ihre Dörfer verließen, belief sich allein 1954 auf Zehntausende.

Mit der Ruinierung der Industrie und Landwirtschaft nimmt die Zahl der Arbeitslosen in Südkorea von Jahr zu Jahr rapide zu. Süd­koreanischen Informationen zufolge gibt es gegenwärtig in Südkorea nahezu 2 Millionen Arbeitslose.

Die Nationalwirtschaft ist ruiniert, und die Bevölkerung befindet sich in einer äußersten Notlage. Die Clique um Syngman Rhee jedoch gibt sich fieberhafter denn je der Aufrüstung hin. Die südkoreanische Marionettenregierung hatte im August 1953, nur wenige Tage nach der Unterzeichnung des Waffenstillstandsabkommens, mit den USA den sogenannten Vertrag über die gegenseitige Verteidigung zwischen Südkorea und den USA abgeschlossen. Die US-Imperialisten verletzten das Waffenstillstandsabkommen, führen viele Waffen in Südkorea ein und verstärken die Ausrüstung der Marionettenarmee. Die Clique um Syngman Rhee zwangsrekrutiert die Schüler und Studenten und bildet neue Divisionen mit dem Ziel, erneut einen brudermörderischen Krieg zu entfesseln.

Im Jahr 1954 betrugen die direkten Militärausgaben des Gesamt­betrages vom Haushaltsplan der Marionettenregierung 72 Prozent.

Trotz der terroristischen Repressalien der US-Imperialisten und der Clique um Syngman Rhee verstärkt sich allmählich die Widerstands­bewegung der südkoreanischen Bevölkerung, die gegen die Aggres­sionspolitik der US-Imperialisten gegenüber Südkorea und gegen die volksfeindliche, landesverräterische Politik der Marionettenregierung gerichtet ist.

Die südkoreanischen Werktätigen haben allein von Januar bis September 1954 mehr als 100 Streikkämpfe geführt. Daran nahmen Zehntausende Arbeiter teil, darunter auch die Hafenarbeiter Pusans, Kunsans und Masans und über 7000 Arbeiter der „Koreanischen Kohle­gesellschaft“.

Auch der Kampf der Bauern, die gegen die Ausplünderung durch die Gutsbesitzer und die von der Marionettenregierung erhobenen verschiedenen Steuern und Abgaben auftreten, entbrennt jetzt häufiger. Selbst den Angaben des Ministeriums für Land- und Forstwirtschaft der Marionettenregierung zufolge wurden infolge des Aufbegehrens der südkoreanischen Bauern gegen die Zwangsablieferung bis Mitte Februar dieses Jahres nur 56 Prozent der geplanten Zwangsablieferung des vorjährigen Herbstgetreides eingetrieben.

Die Stimme der südkoreanischen Jugend gegen die Zwangs­rekrutierung wird immer lauter. Im Jahre 1954 haben 31 Prozent aller südkoreanischen Wehrpflichtigen und in jüngster Zeit 80 Prozent der Hochschulabsolventen die Zwangsaushebung abgelehnt.

Keinerlei terroristische Repressalien der Clique um Syngman Rhee werden den Kampfgeist der südkoreanischen Bevölkerung brechen können, die sich für die Existenzfreiheit und die demokratischen Rechte erhoben haben.

Genossen!

Die Spaltung des Landesterritoriums und der Nation bringt dem südkoreanischen Volk unermeßliches Leid und ist ein großes Unglück für das ganze koreanische Volk. Deshalb ist es die größte nationale Aufgabe des ganzen koreanischen Volkes, die friedliche Vereinigung des Vaterlandes zu erreichen. Unsere gesamte Arbeit muß sich der Verwirklichung dieser erhabenen Aufgabe unterordnen.

In den zehn Jahren nach der Befreiung haben wir aufrichtig alle möglichen Anstrengungen unternommen, um das Vaterland friedlich zu vereinigen. Die Kampfesgeschichte unseres Volkes nach der Befreiung war wahrlich eine Geschichte des Kampfes um die Vereinigung und Unabhängigkeit des Vaterlandes.

Der im Dezember 1945 auf der Moskauer Konferenz der Außenminister der drei Länder angenommene Beschluß zur Koreafrage war ein gerechter Beschluß, der Voraussetzungen für die friedliche Vereinigung Koreas und dessen künftige Entwicklung garantiert.

Trotz der ehrlichen Anstrengungen der sowjetischen Seite für die Durchsetzung dieses Beschlusses und der einmütigen Forderungen des ganzen koreanischen Volkes war die Arbeit der Sowjetisch-Ameri­kanischen Gemeinsamen Kommission aufgrund der verräterischen Machenschaften der US-Imperialisten und der antinationalen Praktiken der Verräterclique um Syngman Rhee gescheitert und wurde der Beschluß der Moskauer Konferenz der Außenminister der drei Länder nicht in die Tat umgesetzt.

Unter diesen Bedingungen vertraten unsere Partei und die Regierung der Republik den Standpunkt, die Frage der Vereinigung Koreas durch die eigene Kraft der Koreaner auf dem Wege der gegenseitigen Verständigung und Verhandlungen zu lösen.

Auf Initiative unserer Partei fand im April 1948 die historische Gemeinsame Konferenz der Vertreter der Parteien und gesell­schaftlichen Organisationen Nord- und Südkoreas statt und im Juni gleichen Jahres eine Beratung der führenden Repräsentanten dieser Parteien und Organisationen. Diese Zusammenkünfte waren die ersten praktischen Maßnahmen für die Lösung der Frage der Vereinigung Koreas durch eine Erörterung auf einem Treffen der Koreaner.

In der nach dieser gemeinsamen Aprilkonferenz veröffentlichten Gemeinsamen Erklärung wurde daraufhin gewiesen, daß der vorgesehene Abzug der Truppen beider Länder, der Sowjetunion und USA, aus Korea in der damals entstandenen Situation ein gerechter Schritt ist, der der Lösung der Koreafrage günstige Voraussetzungen schafft, und es wurden hier konkrete Vorschläge für die Schaffung einer demokratischen einheitlichen Regierung in Korea unterbreitet.

Die schriftlichen Appelle der Demokratischen Front für die Vereinigung des Vaterlandes und die Beschlüsse des Präsidiums der Obersten Volksversammlung der DVRK, die in den darauf folgenden Jahren 1949 und 1950 veröffentlicht wurden, demonstrierten über­zeugend den konsequenten Kampf unserer Partei, der Regierung der Republik und der alle patriotischen Kräfte Nord- und Südkoreas vertretenden Demokratischen Front für die Vereinigung des Vaterlandes um dessen friedliche Vereinigung.

Das ganze Volk und alle patriotischen Persönlichkeiten Nord- und Südkoreas, die sich die Vereinigung, Unabhängigkeit und Freiheit des Vaterlandes wünschen, unterstützten leidenschaftlich unsere Linie für die friedliche Vereinigung und beteiligten sich aktiv am Kampf für deren Realisierung.

Die US-Imperialisten und die Clique um Syngman Rhee jedoch treten in jeder Weise gegen die friedliche Vereinigung Koreas auf. Sie unterdrückten mit Bajonetten die Bewegung der patriotischen Persönlichkeiten und der Bevölkerung in Südkorea, die die friedliche Vereinigung des Vaterlandes fordern, und beantworteten schließlich unsere Vorschläge für die Vereinigung mit einem bewaffneten Überfall auf den nördlichen Teil der Republik.

All unsere Bemühungen nach dem Waffenstillstand für die Einberufung einer politischen Tagung und für die Lösung der Koreafrage auf der Genfer Konferenz lösten sich durch die aggressiven Handlungen der US-Imperialisten und die landesverräterischen Praktiken der südkoreanischen Obrigkeit erneut in ein Nichts auf.

Danach hat die 8. Tagung der Obersten Volksversammlung der DVRK wiederum vorgeschlagen, einen schriftlichen Appell an das „Parlament“ Südkoreas, an alle Parteien und gesellschaftlichen Organisationen, an die Armee und das ganze Volk zu entsenden und die Frage der Vereinigung Koreas zu erörtern, und der Zentralvorstand der Demokratischen Front für die Vereinigung des Vaterlandes und alle Institutionen und Organisationen der Republik haben sich mit dem Ziel, den Aufruf der Obersten Volksversammlung zu realisieren, mehrmals an die zuständigen Institutionen und Organisationen Südkoreas mit dem Vorschlag gewandt, eine Reihe konkreter Maßnahmen für den wirtschaftlichen und kulturellen Austausch zwischen dem Norden und dem Süden einzuleiten.

Der Appell der 8. Tagung der Obersten Volksversammlung wurde von der südkoreanischen Bevölkerung und sogar auch von manchen Parlamentsmitgliedern und Angehörigen der Marionettenarmee Südkoreas, ganz zu schweigen vom Volk des nördlichen Teils der Republik, in starkem Maße unterstützt.

Die Clique um Syngman Rhee hat jedoch all diese unsere gerechten und vernünftigen Vorschläge rundweg abgelehnt.

Obwohl seit der Befreiung zehn Jahre vergangen sind, ist folglich die Vereinigung des Vaterlandes, die das ganze koreanische Volk einmütig herbeisehnt, nicht verwirklicht worden, und das Landes­territorium und die Nation sind nach wie vor gespalten.

Der Herd dieses nationalen Leids und Unglücks besteht in der Okkupation Südkoreas durch die US-Imperialisten.

Wir stehen den in der Welt aggressivsten Kräften gegenüber – den imperialistischen US-Okkupationstruppen. Deshalb hat unser Kampf für die Vereinigung des Vaterlandes zweifellos einen schwierigen und langwierigen Charakter.

Unser Grundsatz und Standpunkt für die friedliche Vereinigung des Vaterlandes sind klar und eindeutig. Die Frage der Vereinigung Koreas muß durch den Willen des koreanischen Volkes gelöst werden. Deshalb müssen alle ausländischen Truppen aus Korea abziehen und müssen Nord- und Südkoreaner durch eine Zusammenkunft die Koreafrage erörtern und auf der Grundlage ihres freien Willens eine demokratische einheitliche Regierung bilden. Das ist der einhellige sehnliche Wunsch des ganzen koreanischen Volkes und der einzig gerechte Weg zur friedlichen Lösung der Koreafrage.

Die US-Imperialisten und ihre Lakaien, die Clique um Syngman Rhee, treten gegen unsere Vorschläge über die friedliche Vereinigung des Vaterlandes hartnäckig auf. Die Clique um Syngman Rhee faselt nach wie vor lautstark von einer „Vereinigung durch den Feldzug nach dem Norden“, verübt an der militärischen Demarkationslinie Provo­kationen und Gewalttaten gegenüber der neutralen Aufsichts­kommission. In jüngster Zeit schwätzen die südkoreanischen Mario­netten unverhohlen davon, daß sie uns gewaltsam Kaesong, Ongjin und die nördlichen Ufergebiete am Unterlauf des Flusses Han rauben wollen.

Wenn jemand behauptet, wir bestehen deshalb darauf, die Frage der Vereinigung des Vaterlandes auf dem Wege der Verhandlung friedlich zu lösen, weil unsere Kräfte schwach wären, dann ist das töricht.

Wir wollen das Vaterland auf friedlichem Wege vereinigen. Wir orientieren deshalb darauf, weil wir keinen Bürgerkrieg wünschen und die Qualen so schnell wie möglich überwinden wollen, die das koreanische Volk infolge der Spaltung des Landesterritoriums erleidet.

Wir fordern, die Schranken, die Korea in Nord und Süd trennen, niederzureißen und einen freien Wirtschafts- und Kulturaustausch zwischen dem Norden und dem Süden zu verwirklichen, damit das Volk des südlichen Teils Elektroenergie, Stahl, Kupfer, Blei, chemische Düngemittel, Kalziumkarbid, Soda, Zement, Kohle und dgl., woran Nordkorea reich ist, nutzen kann.

Wir müssen für die friedliche Vereinigung des Vaterlandes zunächst den Waffenstillstand in einen dauerhaften Frieden verwandeln und Voraussetzungen schaffen, die es dem Nord- und Südkorea ermöglichen, sich anzunähern.

Es kommt darauf an, Verhandlungen zwischen der Obersten Volksversammlung der Demokratischen Volksrepublik Korea und dem südkoreanischen „Parlament“ durchzuführen, freien Reiseverkehr der Bevölkerung zu sichern, durch die Realisierung des Austausches in Wirtschaft, Kultur, Wissenschaft und Kunst die Verbindungen zwischen den Nord- und Südkoreanern zu festigen und eine Atmo­sphäre der gegenseitigen Verständnisse zu schaffen.

All das sind Angelegenheiten unseres koreanischen Volkes selbst. Keinerlei Kraft vermag diesen Willen des koreanischen Volkes zu brechen.

In Korea muß ein dauerhafter Frieden gesichert sein, um die friedliche Vereinigung unseres Landes herbeiführen zu können. Die an der Koreafrage interessierten Staaten haben die Pflicht, sich dafür einzusetzen, daß es zu keinerlei provokatorischen Handlungen kommt, die in Korea die Erhaltung des Friedens gefährden können. Wir hoffen, daß die Regierungen der interessierten Staaten für die friedliche Regelung der Koreafrage eine Fernostkonferenz einberufen, an der asiatische Staaten im starken Maße teilnehmen werden, und Wege zur friedlichen Vereinigung Koreas einleiten.

Da die weitere Stationierung der ausländischen Streitkräfte in Korea ein Hindernis für die friedliche Vereinigung Koreas ist, sollen die Staaten, die ihre Truppen nach Korea entsandt haben, schnell Maß­nahmen zu deren Abzug ergreifen.

Wir schlagen ferner vor, daß die Behörden Nord- und Südkoreas dem koreanischen Volk und allen Völkern erklären, die Verpflichtung zu übernehmen, keine Waffengewalt gegen die andere Seite anzuwenden, um das gegenwärtige Mißtrauen und die Spannungen zwischen dem Norden und dem Süden zu beseitigen, und die Frage der Vereinigung Koreas einzig und allein auf friedlichem Wege zu lösen sowie die Armeen Nord- und Südkoreas auf ein Minimum zu reduzieren, damit die Bevölkerung von den Militärausgaben entlastet und die Arbeitskräfte in den nichtproduzierenden Bereichen für den friedlichen Aufbau eingesetzt werden können.

Ferner fordern wir entsprechend den Wünschen des ganzen koreanischen Volkes, das gegenseitige Annäherung und Verhandlungen zwischen Nord- und Südkorea fordert, eine Konferenz der Vertreter der Behörden Nord- und Südkoreas möglichst schnell einzuberufen, um die Frage der Vereinigung Koreas zu erörtern.

Auf dem Wege des Kampfes unseres Volkes für die Vereinigung und Unabhängigkeit des Vaterlandes stellen sich viele Schwierigkeiten und Hindernisse.

Das ganze koreanische Volk muß seinen standhaften Kampf fortsetzen und so alle Hindernisse beiseite räumen und das große Werk, die Vereinigung des Vaterlandes, verwirklichen.

Es ist vor allem wichtig, die Demokratische Front für die Vereinigung des Vaterlandes auszubauen und zu festigen, in der alle Klassen und Schichten vereinigt sind. Wir werden jeden voller Freude und ungeachtet seiner politischen Ansicht und seines Glaubensbekenntnisses und seiner Vermögenslage mit offenen Armen empfangen und mit ihm Verhand­lungen führen, wenn er ehrlich die Geschlossenheit der Nation und die Vereinigung des Vaterlandes wünscht. Selbst wenn es sich um Menschen handeln sollte, die in der Vergangenheit vor dem Staat und Volk Verbrechen begangen haben, werden wir, wenn sie ihre Vergehen bereuen und am Kampf für die friedliche Vereinigung des Vaterlandes teilnehmen, sie begrüßen und mit ihnen verhandeln.

Genossen!

Die internationale Situation verändert sich gegenwärtig äußerst günstig für den Kampf unseres Volkes um die friedliche Vereinigung des Vaterlandes. Dank des unermüdlichen Kampfes der Völker der Sowjetunion, der Volksrepublik China und anderer Bruderländer sowie der friedliebenden Völker der ganzen Welt hat sich die internationale Lage in gewissem Maße verbessert.

Das Zustandekommen des Waffenstillstands in Indochina, die Bandungkonferenz der asiatischen und afrikanischen Länder und die Weltkonferenz der Vertreter der friedliebenden Kräfte in Helsinki waren sehr bedeutsame Ereignisse im Kampf gegen die Aggression und den Krieg, für den Weltfrieden und die friedliche Koexistenz zwischen Staaten mit unterschiedlichen Gesellschaftsordnungen.

Die Ereignisse wie der Abschluß eines Staatsvertrages der Sowjetunion mit Österreich, die Verbesserung der Beziehungen zwischen der Sowjetunion und Jugoslawien, die Festigung der Freund­schaftsbeziehungen zwischen der Sowjetunion und Indien leisten einen großen Beitrag zum Weltfrieden.

Insbesondere die Gipfelkonferenz der vier Großmächte, die in jüngster Zeit in Genf stattfand, war ein wichtiges Ereignis, das zur internationalen Entspannung und zur großen Sache des Weltfriedens beiträgt. Das koreanische Volk hat zusammen mit allen friedliebenden Völkern diese Konferenz begeistert begrüßt und wünscht, daß deren Beschlüsse konsequent durchgesetzt werden.

Wir werden die Beziehungen der Freundschaft mit den Völkern der Sowjetunion, der Volksrepublik China und der anderen volks­demokratischen Staaten wie auch mit allen friedliebenden Völkern weiter festigen und zugleich einen beharrlichen Kampf für einen dauerhaften Frieden in der Welt und die friedliche Vereinigung unseres Vaterlandes fortführen.

Genossen!

Mit großer Genugtuung wertet unser Volk heute die in den zehn Jahren nach der Befreiung erzielten Ergebnisse seiner Bemühungen und seines Kampfes aus und ist fest entschlossen, künftig um noch größere Erfolge und Siege aufopferungsvoll zu ringen.

Voller Tatkraft schreitet das ganze koreanische Volk im festeren Zusammenschluß um die Partei der Arbeit Koreas und der Regierung der Republik für neue Siege beim Aufbau des Sozialismus und die friedliche Vereinigung des Vaterlandes voran!

Es lebe die Partei der Arbeit Koreas, die Organisatorin und

Inspiratorin all unserer Siege!

Es lebe die Regierung der Demokratischen Volksrepublik Korea!

Es lebe die Demokratische Front für die Vereinigung des Vaterlandes!

Es lebe die unverbrüchliche internationalistische Freundschaft und Geschlossenheit der Völker des Friedens-, des demokratischen und sozialistischen Lagers!

Ruhm der Demokratischen Volksrepublik Korea, unserem teuren Vaterland!