18. Oktober 1945 // Reden
Kim Il Sung // Unsere Aufgaben beim Aufbau eines neuen, demokratischen Staates

Unsere Aufgaben beim Aufbau eines neuen, demokratischen Staates

18. Oktober 1945

Ansprache auf einem Empfang des Politischen Volkskomitees des Bezirks Süd-Phyongan


Quelle: Kim Il Sung, Gesammelte Werke, Band 1


Gestatten Sie mir, Ihnen, den Mitarbeitern des Politischen Volks­komitees des Bezirks Süd-Phyongan, die dieses denkwürdige Treffen heute veranstaltet haben, sowie den hier anwesenden Vertretern der verschiedenen Schichten und namhaften Persönlichkeiten Pyongyangs meinen herzlichen Dank und meine Verehrung für Sie auszusprechen.

Mit dreizehn Jahren überquerte ich den Fluß Amnok, fest entschlos­sen, nicht eher zurückzukehren, bis Korea unabhängig ist. Damals sang ich das von einem Unbekannten geschriebene „Lied vom Fluß Amnok“ vor mich hin und dachte: Wann werde ich wieder diesen Boden betreten können, wann werde ich erneut in das Land zurückkehren, wo ich auf­gewachsen bin und wo meine Vorfahren ihre letzte Ruhestätte gefunden haben? Bei diesem Gedanken preßte sich mein kindliches Herz vor Trauer zusammen.

Nun ist schließlich der Tag gekommen, von dem ich geträumt habe, und wir alle sind heute hier versammelt. Wie sollte man sich darüber nicht freuen!

In der Vergangenheit, als wir unsere Heimat verließen und in der Fremde gekämpft haben, vergaßen wir Sie, die Sie im Vaterland zu­rückgeblieben waren, niemals. Wir wußten sehr gut, daß Sie das Land leidenschaftlich lieben, daß Sie mit uns, die wir in der Fremde kämpf­ten, fühlten und uns unterstützten. Das verlieh uns noch mehr Kraft.

Die Befreiung unseres Vaterlandes wurde dadurch erreicht, daß zahlrei­che koreanische Revolutionäre und andere patriotisch gesinnte Menschen innerhalb und außerhalb des Landes den Kampf gegen den japanischen Imperialismus in verschiedenen Formen entfaltet hatten: Die einen mit der Waffe in der Hand, die anderen, wie Sie es taten, organisierten den Widerstand, legal und illegal. Ihr Kampf hatte uns, die wir auf fremdem Boden kämpften, außerordentlich beflügelt.

Man sagt, daß das Schicksal eines Volkes, das seines Landes beraubt ist, schlimmer ist als das Dasein eines herrenlosen Hundes. Das ist sehr treffend ausgedrückt. Das Teuerste ist für uns das Vaterland. Diese Wahrheit spürten wir am eigenen Leibe in der Fremde noch schmerzlicher, als wir um die Un­abhängigkeit des Vaterlandes kämpften. Wir haben in jenen Tagen tapfer gekämpft, von dem festen Glauben erfüllt, daß wir unbedingt den Tag der größten Freude, jenen glücklichen Tag erleben, an dem wir in unser Vater­land, das uns genommen wurde, zurückkehren und einen neuen Staat auf­bauen werden, welche Schwierigkeiten auch immer auftreten mögen.

Wir wußten, daß wir in unserer Nachbarschaft die Sowjetunion haben, die mit allen Kräften die Befreiungsbewegung der unterdrückten Nationen unterstützt. Wir glaubten unerschütterlich daran, daß der Sieg auf unserer Seite sein wird, wenn wir gemeinsam mit dem sowjetischen Volk kämpfen werden. Und wir haben trotz aller Schwierigkeiten bis zum Sieg gekämpft und haben jetzt endlich die Befreiung und die Freiheit erlangt. Wir haben unser Ziel erreicht und den japanischen Imperialismus geschlagen.

Jetzt ist unser Kampf in eine neue Phase eingetreten. Vor uns steht die große und gleichzeitig schwierige Aufgabe, einen neuen, demokrati­schen Staat aufzubauen. Was müssen wir also zur Lösung dieser großen Aufgabe tun?

Zunächst einmal müssen die Spuren der chronischen sektiererischen Zänkereien, die die Befreiungsbewegung in unserem Land störten, mit Stumpf und Stiel ausgerottet werden. Diese Zänkereien haben damals unser Land an den Rand des Abgrundes gebracht, ihretwegen konnte unsere Nation nicht in geschlossener Front gegen die Eindringlinge kämpfen. Wir müssen sorgsam darauf achten, daß sich solch ein Fehler keinesfalls wiederholt.

Das Wichtigste ist für uns Einigkeit. Alle patriotischen und demokra­tischen Kräfte müssen sich fest zusammenschließen. Vorläufig haben wir noch keine nationale Einheitsfront. Unsere Aufgabe besteht darin, eine demokratische nationale Einheitsfront zu schaffen, die die Kräfte all derjenigen fest vereint, die das Land leidenschaftlich lieben und fest auf demokratischen Positionen stehen.

Weiterhin müssen wir die Freundschaft und Geschlossenheit mit den uns freundschaftlich verbundenen Ländern allseitig festigen. Wir haben alle Anstrengungen zu unternehmen, um die Freundschaft mit der Sow­jetunion zu stabilisieren. Die Rote Armee hat nicht nur mit ihrem Blut unserem Volk bei der Befreiung geholfen, sondern sie verbleibt auch vorläufig in unserem Land, um uns beim Aufbau eines demokratischen, souveränen und unabhängigen Staates zu helfen. Wir dürfen aber die­sem treuen Freund nicht allzu viel Mühe bereiten. Es gilt, unsere Einig­keit zu festigen und so schnell wie möglich mit eigenen Kräften eine neue Macht zu errichten. Auf diese Weise wollen wir erreichen, daß unser Land als völlig unabhängiger, demokratischer Staat auf dem in­ternationalen Schauplatz mit den mit ihm freundschaftlich verbunde­nen Ländern als gleichberechtigter Partner auftritt.

Die Wiederherstellung der Industrie und die Weiterentwicklung der nationalen Wirtschaft ist eine der dringlichsten Aufgaben für uns. Die von den japanischen Imperialisten auf ihrer Flucht zerstörten Fabriken und Bergwerke sind so schnell wie möglich wiederaufzubauen, in Gang zu bringen, und die Produktion ist aufzunehmen. Somit ist den Arbeitern ein stabiles Leben zu sichern, den Arbeitslosen, die auf der Suche nach einer Beschäftigung von einem Ort zum anderen eilen, sind Arbeitsplät­ze zu geben, und das Leben des Volkes ist insgesamt zu normalisieren.

Für den Wiederaufbau und die Entwicklung unserer nationalen Wirt­schaft muß den Unternehmern in ihrer Tätigkeit freie Hand gelassen und ihre Initiative gefördert werden. Alle Unternehmer sollten voller Begeiste­rung ehrlich im Interesse des Vaterlandes und des Volkes arbeiten.

Neben der Entwicklung der Industrie ist es wichtig, die Landwirt­schaft auf die Beine zu stellen. Ohne ihre Entwicklung bleibt nicht nur das Nahrungsgüterproblem ungelöst, sondern auch die Industrie kann sich nicht entfalten.

Um all diese Aufgaben mit einem guten Ergebnis erfüllen zu können, ist es notwendig, daß all unsere Menschen hohen Patriotismus bekunden. Die japanischen Imperialisten haben die nationale Würde der Koreaner mit Füßen getreten und unserer Jugend die Sklavenpsychologie einge­impft. Für den Aufbau eines unabhängigen, demokratischen Staates muß in unserem Volk das verloren gegangene Gefühl des Nationalstolzes wieder geweckt werden. Wir sind dazu aufgerufen, die koloniale Skla­venpsychologie in uns entschlossen auszumerzen, großen Nationalstolz und die feste Überzeugung zu erlangen, daß wir mit jeder Sache fertig werden können.

Mögen wir alle unsere Kräfte vereinen und beharrlich um den Aufbau eines neuen, demokratischen Staates ringen!