3. Oktober 1945 // Reden
Kim Il Sung // Über die progressive Demokratie

Über die progressive Demokratie

3. Oktober 1945

Vortrag vor den Schülern der Politischen Arbeiter-und-Bauern-Lehranstalt Pyongyang


Quelle: Kim Il Sung, Gesammelte Werke, Band 1


Vor fünf Monaten erlitten die deutschen Aggressoren eine Niederla­ge, die in der dunklen Absicht den Zweiten Weltkrieg vom Zaune bra­chen, die ganze Welt zu erobern. Auch ihr Verbündeter, der japanische Imperialismus, mußte am 15. August dieses Jahres seine bedingungslose Kapitulation erklären. So endete der Zweite Weltkrieg mit einem großen Sieg der antifaschistischen demokratischen Kräfte. Die Menschheit der Welt hat bereits begonnen, ein friedliches Leben aufzubauen.

Der Triumph der antifaschistischen demokratischen Kräfte über den Faschismus in der Welt brachte nach dem Krieg in der internationalen Lage gewaltige Veränderungen mit sich. Im Weltmaßstab wurden die antidemokratischen Kräfte stark geschwächt. Die demokratischen Kräfte hingegen sind beispiellos erstarkt. Das zeugt davon, daß die Geschichte der Menschheit in eine neue Phase ihrer Entwicklung eingetreten ist.

Die neue Situation in der Welt stellt der gesamten Menschheit neue, gro­ße und ehrenvolle Aufgaben. Ihre vorrangige wichtige Aufgabe nach dem Krieg besteht darin, die faschistischen aggressiven Restkräfte konsequent auszuschalten und für Frieden und Demokratie zu kämpfen. In der ganzen Welt ringen die Völker beharrlich für die Lösung dieser edlen Aufgabe.

Im langjährigen blutigen Kampf für die Zerschlagung der imperia­listischen Aggressoren Japans und für die Wiedergewinnung des ihm geraubten Landes hat das koreanische Volk schließlich die große his­torische Sache, die Wiedergeburt des Vaterlandes, verwirklicht. So gelang es unserem Volk, das Joch der kolonialen Sklaverei abzuschüt­teln, das ihm der brutale japanische Imperialismus fast ein halbes Jahrhundert aufgezwungen hatte, und festen Schrittes den Weg zur Souveränität und Unabhängigkeit zu gehen. Das ist ein großes histori­sches Ereignis für die koreanische Nation.

Es gilt, alle unsere Anstrengungen aufzubieten, um auf dem Boden des um den Preis des kostbaren Blutes zahlloser Revolutionäre und Patrioten wiedergewonnenen Vaterlandes ein neues Korea aufzubauen.

1. Aufbau eines neuen Korea und die Demokratie

Heute steht vor unserer Nation die bedeutende historische Aufgabe, die Überreste des japanischen Imperialismus und des Feudalismus gründlich auszumerzen und ein freies, unabhängiges und starkes Land aufzubauen.

Wollen wir solch einen Staat mit Erfolg schaffen, so müssen wir vor allem einen richtigen Weg bestimmen, den unser Land beschreiten wird. Anderenfalls ist es nicht möglich, die Volksmassen in erforderlicher Wei­se für den Aufbau des Staates zu organisieren und zu mobilisieren und die volle Souveränität und Unabhängigkeit des Landes zu erringen. Mehr noch: Unser Volk würde dazu verdammt werden, erneut ein koloniales Sklavenleben zu führen. Es geht also darum, welchen Weg unser Korea einschlagen wird. Das ist eine sehr bedeutsame Frage, von der das Schicksal des Vaterlandes und des Volkes abhängt.

Unser befreites Volk erlebt bewegte Tage voller unermeßlicher Freude und großer Hoffnung, ist erfüllt vom flammenden Enthusiasmus für den Aufbau des Staates. Doch die Volksmassen wissen nicht, welchen Weg sie gehen sollen. Deshalb müssen wir ihnen so schnell wie möglich den richtigen Weg zeigen, den Korea beschreiten muß.

Der Weg, den Korea gehen muß, ist der der progressiven Demokra­tie, der wahren Demokratie. Er allein verheißt unserem Volk Freiheit und Rechte, ein glückliches Leben, die volle Souveränität und Unab­hängigkeit des Landes.

Die Reaktionäre sind heute auf jede Weise bemüht, unser Volk in den Abgrund der Antidemokratie zu stürzen.

Die feudalen Kräfte sind derart borniert, daß sie in unserem Land die feudale Willkürherrschaft restaurieren wollen. Weshalb sollten wir diese morsche und überlebte Herrschaft im befreiten Korea wiederer­richten, die die Volksmassen auf grausamste Weise unterdrückt und ausgebeutet hat! Das ist anachronistisch, absurd, ist ein Hirngespinst. Es ist nur allzu natürlich, daß dieses reaktionäre und volksfeindliche Manöver der feudalen Kräfte heute einmütig von den Volksmassen verurteilt wird.

Die Wortführer mancher Schichten reden wiederum von „demokra­tischen Rechten“ und von der „Demokratie“ und bestehen darauf, in unserem Land eine bürgerliche Republik einzuführen. Von diesen de­mokratischen Rechten und dieser Demokratie, für die sie eintreten, haben vor langem bereits die Vertreter der besitzenden Klassen gesprochen. Wie die Geschichte unzweideutig bezeugt, griffen die Kapitalisten zu solch einer betrügerischen Parole, um die Volksmassen auf ihre Seite zu ziehen. Sobald sie aber ans Ruder kamen, schufen sie die Diktatur der Bourgeoisie und begingen Verrat am Volk. Die bürgerliche Republik, von der manche lauthals reden, ist schließlich im wahrsten Sinne des Wortes eine der Klas­se der Gutsherren und Kapitalisten dienende Macht. Die „demokratischen Rechte“ und die „Demokratie“, die sie meinen, sind nur ein Vorwand einer Hand voll Angehöriger privilegierter Klassen, um die ganze Gewalt im Land an sich zu reißen und die Unterdrückung und Ausbeutung der Volksmassen zu bemänteln.

Es sind eben die Vertreter der Kompradorenbourgeoisie, die meinen, in unserem Land eine bürgerliche Republik schaffen zu müssen. Das sind projapanische Elemente und Vaterlandsverräter, die während der Kolonialherrschaft des japanischen Imperialismus das Land und die Na­tion verrieten und im Komplott mit ihm unser Volk unterdrückten und ausbeuteten. Kaum waren die US-Truppen in Südkorea gelandet, und schon priesen sie die proamerikanische Zusammenarbeit. Sie versuchen nun, unter dem Schutz der imperialistischen Kräfte bei uns eine reaktio­näre Macht zu errichten und unser Volk auf den Weg der Antidemokra­tie zu treiben.

Auf keinen Fall dürfen wir auf die Ränke der projapanischen Elemente und Vaterlandsverräter hereinfallen. Es darf nicht dazu kommen, daß bei uns eine bürgerliche Republik in der scheinheiligen Toga der „demokrati­schen Rechte“ und der „Demokratie“ geschaffen wird.

Das heißt aber nicht, wir könnten sofort eine sozialistische Ordnung in unserem Land einführen. Manche Leute sprechen davon, man müsse bei uns unverzüglich eine „Sowjetmacht“ bilden. Das ist eine Auffas­sung, die aus einer unklaren Kenntnis von den konkreten Verhältnissen in Korea resultiert.

Während ihrer Okkupation in unserem Land, die sich fast ein halbes Jahrhundert hinzog, betrieben die japanischen Imperialisten eine brutale Kolonialpolitik und hemmten stark die kapitalistische Entwicklung in Korea. Als Folge davon ist unser Land nach wie vor eine Halbfeudalge­sellschaft. Heute haben wir in unserer Gesellschaft nicht nur Überreste des japanischen Imperialismus, sondern auch sehr ausgeprägt feudalisti­sche Verhältnisse. Besonders auf unserem Dorf ist die feudalistische Ausbeutung vorherrschend.

Beim Aufbau eines neuen Korea müssen wir unbedingt diese Realitäten unseres Landes in Betracht ziehen. Wir dürfen mit unseren Forderungen weder hinter der geschichtlichen Entwicklung zurückbleiben noch eine Phase überspringen. Auf jeden Fall müssen wir uns beim Aufbau des Staa­tes ein Ziel entsprechend den realen Bedingungen in Korea setzen und bei dessen Durchsetzung die Massen richtig führen.

Das koreanische Volk verlangt heute, daß nicht mit Worten, sondern tatsächlich gesichert wird, daß die Volksmassen Herr des Landes sind und alle Menschen in den Genuß der Freiheit und des Wohlstandes kommen, und darum ist es gewillt, den Weg der progressiven Demokra­tie zu beschreiten. Das koreanische Dreißigmillionenvolk, das lange Zeit unter der Feudalherrschaft und unter dem kolonialen Regime des japani­schen Imperialismus jeglicher Freiheiten und Rechte beraubt und grau­samster Unterdrückung und Ausbeutung ausgesetzt war, will diesen Weg einschlagen, der ihm Gedeihen und Entwicklung des Vaterlandes und ein ständiges Erblühen der Nation verheißt. Nur wenn wir diese Bahn gehen, werden die Volksmassen ihre ganze Kraft und alle ihre Po­tenzen für die Schaffung des Staates aufbieten, wird die große Sache, Neugestaltung des Vaterlandes, erfolgreich vorangehen.

Unsere Aufgabe ist es, auf der Grundlage der progressiven Demokra­tie einen souveränen und unabhängigen Staat aufzubauen. Vorausset­zung dafür ist die Schaffung einer demokratischen Volksrepublik. Im ganzen Land werden zur Zeit Volkskomitees auf Initiative der Volks­massen gebildet. Wir müssen so schnell wie möglich in allen Bezirken Volkskomitees schaffen und darauf gestützt eine demokratische Volks­republik gründen.

Die demokratische Volksrepublik ist eine Macht, die nicht nur den Willen unseres Volkes widerspiegelt, sondern am besten den realen Be­dingungen unseres Landes entspricht, ist also zweifellos eine Volksmacht, die wahre Demokratie verkörpert. Nur diese Macht ist in der Lage, die Interessen unseres Volkes beharrlich zu verfechten und die Stärkung und Weiterentwicklung des Landes und der Nation zuverlässig zu sichern.

Wir müssen alle Patrioten aus den verschiedensten Bevölkerungs­schichten unter dem Banner der Demokratie fest zusammenschweißen, um einen demokratischen, souveränen und unabhängigen Staat schaffen zu können. Einzig und allein diese vereinte Kraft der Volksmassen er­möglicht es uns, das große Werk, die Gestaltung des neuen Korea, erfolg­reich zu bewältigen. Jede Partei und jede Fraktion beharrt heute auf ihrer Meinung und geht ihren Weg, und das kann niemals zur Erfüllung unserer großen Aufgabe, der Schaffung des Staates, führen. Die volle Souveräni­tät und Unabhängigkeit des Landes können wir nur dann erringen, wenn sich das ganze Volk, das das Land und die Nation liebt, ungeachtet der Unterschiede in den politischen Ansichten, den Glaubensbekenntnissen, der Vermögenslage und der Bildung im festen Zusammenschluß am Auf­bau des Staates beteiligt.

Besonders die gegenwärtige Lage in unserem Land fordert gebiete­risch, mit aller Konsequenz die Volksmassen fest zu vereinen. Projapani­sche Elemente, Vaterlandsverräter und andere Reaktionäre, die sich als Patrioten ausgeben, versuchen, mit zuckersüßen Worten den unaufgeklär­ten Teil der Bevölkerung auf ihre Seite zu ziehen, und unternehmen alles, um ihre politischen Absichten zu verwirklichen. Wenn wir es in dieser Situation versäumen, uns wirksam zu betätigen und alle patriotischen Kräfte zu vereinen, können wir weder die Manöver der Reaktion rechtzei­tig durchkreuzen noch ein neues, demokratisches Korea aufbauen.

Der feste Zusammenschluß der breiten Volksmassen verlangt, eine nationale Einheitsfront zu bilden, die alle patriotischen demokratischen Kräfte verschiedener Bevölkerungsschichten erfaßt.

Auch heute, nach der Befreiung des Landes, müssen wir bei uns die Bewegung für eine nationale Einheitsfront ebenso entfalten wie in der Zeit des Kampfes gegen die Kolonialherrschaft des japanischen Imperialismus. Natürlich unterscheidet sich diese Bewegung in ihrem Inhalt und ihrer Form von der der vergangenen Jahre. Die frühere Bewegung entfaltete sich in illegaler Form, bei der es darum ging, gegen die Kolonialherrschaft des japanischen Imperialismus in Korea vorzugehen, unser Volk von der Lage eines Kolonialsklaven zu befreien und Freiheit und Unabhängigkeit zu er­langen. Heute wollen wir allerdings eine nationale Einheitsfront mit dem Ziel bilden, die Überreste des japanischen Imperialismus und die feudalen Überbleibsel auszumerzen und die volle Souveränität und Unabhängigkeit des Landes zu erreichen. Folglich wird diese Bewegung legal unter den Massen entfaltet.

Die von uns beabsichtigte Einheitsfront hat auf jeden Fall demokrati­schen Charakter. Wir müssen auf schnellstem Wege eine nationale Ein­heitsfront auf der Grundlage der Demokratie bilden, um Arbeiter, Bauern und andere breite Bevölkerungsschichten zu vereinen und sie zum Aufbau des Staates tatkräftig aufzurufen. Mit vereinter Kraft des ganzen Volkes müssen wir projapanische Elemente, Verräter an der Nation und andere Reaktionäre konsequent vertreiben und ein neues Korea aufbauen.

Die Bildung solch einer Einheitsfront und deren Verstärkung und Weiterentwicklung werden uns schließlich dazu befähigen, eine einheit­liche und souveräne Macht, d. h. einen wahren demokratischen Staat zu schaffen. Das ist eben der Weg der progressiven Demokratie, den wir zu beschreiten haben.

2. Merkmale unserer Demokratie

Die Demokratie, nach der wir streben, unterscheidet sich grundsätzlich von der „Demokratie“ der europäischen und amerikanischen kapitalisti­schen Staaten. Wir dürfen aber auch nicht die Demokratie des sozialisti­schen Staates mechanisch übernehmen. Unser Land hat sich erst unlängst vom 36 Jahre währenden kolonialen Regime des japanischen Imperialis­mus befreit, und es wäre ein großer Fehler, wollten wir in unserem Land die „Demokratie“ der europäischen und amerikanischen kapitalistischen Staaten oder die Demokratie des sozialistischen Staates kopieren.

Unsere Demokratie ist von neuer Prägung, die der Wirklichkeit Ko­reas auf der Etappe der antiimperialistischen und antifeudalen demokra­tischen Revolution am besten entspricht. Demnach zeichnet sie sich durch diese und jene Aspekte aus.

Worin bestehen nun die Merkmale unserer Demokratie?

1) Souveränität. Unsere Demokratie zeichnet sich durch Souveräni­tät aus.

Die erstrangige und wesentliche Forderung der ganzen Nation besteht heute darin, die volle nationale Unabhängigkeit zu erringen. Die japani­schen Imperialisten hatten unserem Volk das Land genommen und ihm ein bitteres und leidvolles Sklavendasein aufgezwungen. Unser Volk hat­te, bis in das Mark hinein, am eigenen Leibe verspürt, wie furchtbar es ist, des Landes beraubt zu sein. Das ist auch die Ursache dafür, daß unser Volk heute, angesichts der verwirklichten großen historischen Aufgabe, der Wiedergeburt des Vaterlandes, so beharrlich darum ringt, so schnell wie möglich einen völlig unabhängigen Staat aufzubauen.

Ein souveräner und unabhängiger Staat muß geschaffen werden, um die vollständige nationale Unabhängigkeit erringen zu können. Souve­ränität – das ist das unerläßliche Erfordernis einer wahren nationalen Unabhängigkeit. Bewahrt man keine souveräne Haltung, so ist es nicht möglich, die vollständige nationale Unabhängigkeit zu erlangen, die Würde und die Interessen der eigenen Nation zu schützen und das Ge­deihen des Landes und der Nation zu sichern.

Deshalb ist es unbedingt notwendig, die progressive Demokratie durchzusetzen. Die Demokratie, die wir meinen, schließt aus, auf an­dere Länder angewiesen und von ihnen abhängig zu sein, und fordert, alle Probleme beim Aufbau des Staates selbst zu lösen, aus eigener Kraft zu meistern, d. h., eine souveräne und schöpferische Einstellung zu wahren. Allein der Staat, der auf wahrer Demokratie beruht, ist würdig, ein machtvolles und geachtetes Land, ein vollständig unabhän­giger Staat zu sein.

Manche Leute sind so töricht zu glauben, daß die nationale Unab­hängigkeit im Selbstlauf entsteht und daß andere einen unabhängigen Staat bei uns schaffen. Wie sollten Menschen anderer Länder unser Land aufbauen? Das ist absolut unzulässig.

Ein Versuch, mit der Kraft anderer die nationale Unabhängigkeit zu erreichen, resultiert aus der kriecherischen Denkweise, als Lakai ande­rer zu leben. Wenn wir der Kraft unseres Volkes nicht vertrauen und darauf hoffen, daß irgend jemand für uns ein neues Korea aufbaut, wird unser Land erneut in eine Kolonie des Imperialismus abgleiten, ganz zu schweigen von einer vollständigen nationalen Unabhängigkeit.

Wenn wir einen wahren demokratischen Staat aufbauen wollen, müssen wir das unter allen Umständen aus eigener Kraft tun. Wir kön­nen mit gutem Ergebnis ein neues, demokratisches Korea ins Leben ru­fen und die vollständige und stabile nationale Unabhängigkeit erreichen, wenn wir die Einstellung eines Hausherrn bewahren und intensiv darum ringen, alle Probleme beim Aufbau des Staates entsprechend den realen Bedingungen unseres Landes zu lösen und alle Schwierigkeiten mit ei­gener Kraft zu überwinden.

Wir müssen unbeirrt die souveräne Haltung bewahren und alles daransetzen, ein neues Vaterland aufzurichten. Es geht also darum, die Überreste der Kolonialherrschaft des japanischen Imperialismus und die feudalen Überbleibsel aus der Welt zu schaffen und unser Land zu einem wahrhaft souveränen und unabhängigen Staat zu machen, der auf progressiver Demokratie beruht.

Dieser unabhängige Staat, der die wesentlichen Forderungen unserer sich durch Souveränität auszeichnenden Demokratie verkörpert, wird keine Einmischung fremder Länder dulden und nicht in Abhängigkeit von anderen geraten.

Unsere Demokratie lehnt es nicht nur ab, von anderen unterjocht zu werden, sondern ist auch dagegen, daß wir andere unterjochen. Ein sou­veräner und unabhängiger Staat, der progressive Demokratie widerspie­gelt, läßt keine Einmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Länder zu, er achtet ihre Souveränität.

Es liegt im Wesen eines imperialistischen Staates, andere zu überfallen und von sich abhängig zu machen. Die imperialistischen Staaten, die die Souveränität anderer Länder brutal verletzen und sich in deren innere An­gelegenheiten einmischen, schmieden alle nur erdenklichen Ränke, um schwache und kleine Länder zu überfallen und in ihre Abhängigkeit zu bringen. Ein demokratischer, souveräner und unabhängiger Staat darf niemals so wie die imperialistischen Staaten handeln, wie stark er auch immer werden mag.

Die Bemühungen des demokratischen Staates, der bei uns aufgebaut wird, sollten darauf gerichtet sein, mit Staaten und Nationen, die die Souveränität unserer Nation achten, nach den Prinzipien der Gleichbe­rechtigung und des gegenseitigen Vorteils diplomatische Beziehungen aufzunehmen und Freundschaft zu pflegen.

2) Vereinigung. Ein weiteres Merkmal unserer Demokratie besteht in der Vereinigung.

Die von uns vertretene Demokratie dient nicht einer Klasse, einer Par­tei, einer Organisation oder einer religiösen Sekte, sondern den breiten Volksmassen. Daher gebietet diese Demokratie, eine nationale Einheits­front zu bilden, in der alle antiimperialistischen und patriotisch gesinnten Klassen, Parteien und Organisationen erfaßt sind, daß sich zahlreiche Pat­rioten aus den verschiedensten Bevölkerungsschichten vereinen. Das des­halb, weil unsere Demokratie von dem Prinzip ausgeht, die Interessen der ganzen Nation in den Mittelpunkt zu stellen und diesen Interessen alles unterzuordnen.

Es gibt Leute, die keine klare Vorstellung von diesen Erfordernissen unserer Demokratie haben und auf falschen Ansichten bestehen. Die ei­nen stellen eine Losung für einen prinzipienlosen Zusammenschluß auf und versuchen, die Einheitsfront auch mit dem Feind des Volkes zu bil­den, während die anderen eine linksradikale Parole ausgeben, d. h., daß sie auch Menschen zurückweisen, die wir für uns gewinnen können. Das bereitet Hindernisse für die Vereinigung aller patriotischen Kräfte. Unsere Aufgabe ist es, entsprechend den wesentlichen Forderungen der progres­siven Demokratie eine wirkliche nationale Einheitsfront zu bilden und die breiten Massen zuverlässig zusammenzuschließen.

Die antiimperialistische und antifeudale demokratische Revolution in unserem Land zu verwirklichen und einen demokratischen, souve­ränen und unabhängigen Staat aufzubauen – das ist der gegenwärtige Wunsch der ganzen Nation. Die verschiedensten Schichten des ganzen Volkes, mit Ausnahme der projapanischen Elemente, Vaterlandsverrä­ter und anderer Feinde der Nation, sehnen sich danach, im befreiten Korea einen demokratischen, souveränen und unabhängigen Staat auf­zubauen.

Unter der kolonialen Herrschaft des japanischen Imperialismus waren unsere Arbeiterklasse und die Bauernmassen, denen man selbst die elemen­tarsten Freiheiten und Rechte versagte, grausamster Unterdrückung und Ausbeutung ausgesetzt. Sie schmachteten unter Rechtlosigkeit und Hunger. Deshalb sind sie von dem brennenden Wunsch erfüllt, die Überreste des japanischen Imperialismus und die Überbleibsel des Feudalismus zu liqui­dieren und ein neues, demokratisches Korea, einen Staat, aufzubauen. Auch die Intellektuellen und die lernende Jugend Koreas, die unter der bestiali­schen Kolonialherrschaft des japanischen Imperialismus nationale Unter­drückung und Erniedrigung erdulden mußten, fordern den Aufbau eines neuen Korea, in dem sie sich frei betätigen können und die demokratische Nationalkultur und die nationale Bildung entwickeln werden. Die ehrliche nationale Bourgeoisie, ganz zu schweigen von den kleinen Händlern und Handwerkern, hofft ebenfalls auf ein neues Korea, wo es möglich ist, die Überreste des japanischen Imperialismus zu überwinden und die private Unternehmertätigkeit zu entfalten, denn unter dem kolonialen Regime des japanischen Imperialismus war ihre freie Betätigung eingeengt, und das japanische Monopolkapital machte sie wirtschaftlich bankrott. Ebenso sind patriotisch gesinnte Gläubige gewillt, am Aufbau eines neuen Landes aktiv mitzuwirken, weil sie es am eigenen Leibe verspürt haben, daß es ohne na­tionale Unabhängigkeit keine Religionsfreiheit gibt.

Wie wir sehen, sind alle Bevölkerungsschichten sehr stark an einem neuen, demokratischen Korea interessiert. Darum ist es eine Aufgabe der gesamten Nation, einen demokratischen, souveränen und unabhän­gigen Staat aufzubauen. Das Gemeinsame der Interessen ist die Voraus­setzung dafür, daß das ganze Volk auf der demokratischen Basis die Einheitsfront bildet und sich fest vereint.

Unsere Demokratie spiegelt, wie man sieht, die Interessen der gan­zen Nation und die Forderungen der Volksmassen wider. Demzufolge hat diese Demokratie den Charakter der Vereinigung in Form der Ein­heitsfront und ist die progressive Demokratie, die den breiten Volks­massen dient.

Dabei müssen wir uns unter allen Umständen im Klaren sein, daß unsere Demokratie die Selbständigkeit der verschiedenen Bevölke­rungsschichten sichert, obgleich sie die Vereinigung aller patriotischen Kräfte fordert.

Unsere Einheitsfront ist der Zusammenschluß der verschiedenen Be­völkerungsschichten auf der Grundlage der allgemeinen Interessen der Nation. In diesem allgemeinen Rahmen gibt es aber die konkrete Selb­ständigkeit. Alle Klassen, Parteien und Massenorganisationen schließen sich unter einem demokratischen Banner fest zusammen, haben jedoch die freie Wahl, hinsichtlich der politischen, ideologischen, organisatori­schen und propagandistischen Beziehung jeweils selbständig zu beste­hen, sich zu betätigen und zu entwickeln.

Wir dürfen nicht unter Berufung auf die Vereinigung der gesamten Nation die Selbständigkeit der verschiedenen Bevölkerungsschichten ig­norieren. Wenn wir nur die Vereinigung dieser Schichten als Ganzes in den Vordergrund rücken und die Selbständigkeit der einzelnen Schichten nicht anerkennen, werden nicht alle Bevölkerungsschichten Interesse an der Einheitsfront haben, und sie werden keine Initiative und Aktivität beim Aufbau des Staates an den Tag legen. Das würde der Bildung einer nationalen Einheitsfront und der Erfüllung der gesamtnationalen Aufga­ben große Hindernisse in den Weg legen. Aus diesem Grunde sollten wir Demokraten um die gesamtnationale Vereinigung ringen und zugleich die Selbständigkeit der einzelnen Schichten achten.

Diese Selbständigkeit darf allerdings nicht in den Vordergrund gescho­ben werden. Die Selbständigkeit der einzelnen Bevölkerungsschichten darf nicht höher sein, als dies der Einheit der ganzen Nation zuträglich ist, darf also den Rahmen der allgemeinen Interessen der Nation nicht über­schreiten. Wir wären außerstande, die nationale Einheit zu erreichen und die Kraft des ganzen Volkes für den Aufbau des Staates in vollem Maße zu organisieren und zu mobilisieren, wenn wir zulassen würden, daß die Selbständigkeit der einzelnen Klassen, Parteien und Organisationen über­trieben wird. Schließlich würde solch ein Verhalten dazu führen, die Inte­ressen der einzelnen Bevölkerungsschichten nicht zu wahren, ganz zu schweigen von den Grundinteressen der gesamten Nation.

Unsere Demokratie fordert mit Nachdruck, die Selbständigkeit der einzelnen Schichten zu sichern und zugleich die allgemeine Vereinigung durchzusetzen. Nur wenn wir unter konsequenter Berücksichtigung die­ser Selbständigkeit die gesamtnationale Vereinigung verwirklichen, können wir eine wirklich stabile Einheitsfront schaffen und so schnell wie möglich eine neue Gesellschaft aufbauen, die dem ganzen Volk Wohlstand garantiert.

Wir haben die progressive Demokratie unbedingt zu verwirklichen, auf schnellstem Wege eine nationale Einheitsfront zu bilden, die Einheit und Geschlossenheit der ganzen Nation zu erreichen und somit die Kraft des ganzen Volkes machtvoll für den Aufbau eines neuen Korea zu or­ganisieren und zu mobilisieren.

3) Freiheit. Unsere Demokratie sichert den Volksmassen Freiheit und Gleichheit. Das gehört zu den wesentlichen Merkmalen der pro­gressiven Demokratie.

Die bürgerliche Demokratie, die nur einer kleinen Minderheit, den pri­vilegierten Klassen, Freiheiten und Rechte sichert, bringt den breiten Volksmassen Rechtlosigkeit und Ungleichheit. Die von der bürgerlichen Demokratie verkündete „Freiheit“ und „Gleichheit“ sind nichts anderes als ein Mittel, das die Willkür der besitzenden Klassen bemänteln soll.

Unsere Demokratie unterscheidet sich grundsätzlich von der bürger­lichen Demokratie. Sie lehnt Rechtlosigkeit und Ungleichheit strikt ab, sichert dem Volk auf allen Gebieten der Politik, Wirtschaft und Kultur gleiche Rechte und ermöglicht es den Volksmassen, tatsächlich Freiheit und Gleichheit zu genießen.

Für unsere Demokratie kann es daher keine privilegierte Schicht ge­ben; die Menschen haben alle die gleichen politischen Rechte. Außer den Landes- und Nationalverrätern haben alle weiblichen und männlichen Bürger ab 20. Lebensjahr aktives und passives Wahlrecht, unabhängig von Klassenzugehörigkeit, Nationalität, Glaubensbekenntnis, Beruf, Vermögenslage und Bildungsstand. In den Machtorganen aller Ebenen werden nicht etwa Privilegierte, sondern Menschen vertreten sein, die vom Volk nach seiner freien Willensäußerung gewählt werden, d. h. treue Diener des Volkes, die das große Vertrauen der Volksmassen genießen. Die Politik des Landes wird von ihnen ausgeführt. Auf diesem Wege ma­chen die Volksmassen von den ihnen zuteil gewordenen politischen Rech­ten Gebrauch und nehmen tatsächlich an der Staatspolitik teil.

Der wahre demokratische Staat, der unsere Demokratie verkörpert, sichert dem Volk die Rede-, Presse-, Versammlungs-, Organisations­und Religionsfreiheit sowie die freie Wahl des Wohnortes und garantiert zuverlässig die Freiheit und Gleichheit der Volksmassen in politisch­wirtschaftlicher Hinsicht.

Die demokratische Freiheit muß aber auf jeden Fall mit der zentralis­tischen Einheitlichkeit verbunden sein.

Demokratie und Zentralismus bilden ein untrennbares Ganzes. Wah­rer Zentralismus ohne gesicherte Demokratie ist undenkbar, und ohne Zentralismus ist auch wahre Demokratie unvorstellbar. Daher ist die richtige Verbindung der Demokratie und des Zentralismus von großer Bedeutung.

Demokratische Freiheit und Gleichheit können nur durch zentralisti­sche Einheitlichkeit zuverlässig garantiert werden. Anleitung und Dis­ziplin, die vom Zentralismus ausgehen, ermöglichen es, Verletzungen der demokratischen Freiheit und Gleichheit rechtzeitig zu überwinden, unter den Massen die Demokratie tatkräftig zu entfalten und Freiheit und Gleichheit auf wahrhaft demokratischer Grundlage wahrzuneh­men. Fehlt es an solch einer Anleitung und Disziplin, so können demo­kratische Freiheit und Gleichheit nicht gesichert werden, und es würde eine Anarchie entstehen. Schließlich werden demokratische Freiheit und Gleichheit nur auf dem Papier stehen bleiben, wenn wir sie nicht mit der zentralistischen Einheitlichkeit verknüpfen. Die Gewährleistung der zentralistischen Einheitlichkeit ist also notwendige Voraussetzung dafür, daß demokratische Freiheit und Gleichheit der Volksmassen ver­wirklicht werden.

Deshalb darf man aber nicht nur die zentralistische Einheitlichkeit in den Vordergrund rücken. Würden wir nur die zentralistische Anleitung und Disziplin hervorheben und die demokratische Freiheit außer Acht las­sen, würde das schließlich die zentralistische Einheitlichkeit schwächen.

Die zentralistische Einheitlichkeit kann erst dann stabil sein, wenn sie auf demokratischer Freiheit und Gleichheit beruht. Die Disziplin des Zentralismus wird immer fester, je mehr sich das politische Bewußtsein der Volksmassen erhöht, je wirksamer sie von den demokratischen Frei­heiten und der Gleichheit Gebrauch machen und je aktiver sie an der Staatspolitik mitwirken. Um die zentralistische Einheitlichkeit zuverläs­siger sichern zu können, muß man demnach dem Volk demokratische Freiheit und Gleichheit gewähren und unter den Volksmassen die De­mokratie in vollem Maße entfalten, damit sie bewußt und aktiv an der Staatspolitik teilnehmen.

Wie wir sehen, muß sich die demokratische Freiheit auf die zentralisti­sche Anleitung stützen, während die zentralistische Anleitung die Grund­lage der demokratischen Freiheit sein muß. Wahre Demokratie ist nur die demokratische Freiheit, die sich auf die zentralistische Anleitung stützt. Allein die zentralistische Anleitung, deren Grundlage die demokratische Freiheit bildet, ist wahrer Zentralismus.

Unsere Pflicht ist es, Demokratie und Zentralismus richtig miteinan­der zu verbinden und wahre demokratische Freiheit und Gleichheit zu verwirklichen und somit zu erreichen, daß die Volksmassen wirklich Herren des Landes werden und ihre ganze Kraft und Leidenschaft dem Aufbau des Staates widmen.

4) Stärken. Unsere Demokratie strebt nicht nur nach Souveränität und Unabhängigkeit, nationaler Einheit und demokratischer Freiheit, sondern auch nach dem Aufbau eines starken Staates.

Zum Unterschied von der bürgerlichen Demokratie, die der Berei­cherung und Karriere sowie dem Wohlleben einer kleinen Minderheit, der privilegierten Klassen, dient, tritt unsere Demokratie für den Wohlstand und das Gedeihen des ganzen Volkes ein. Darum ist der Aufbau eines starken Landes eine unabdingbare Forderung unserer De­mokratie. Nur auf diesem Weg können wir das materielle und kulturelle Leben des Volkes verbessern, ihm tatsächlich ein glückliches Leben sichern, darüber hinaus die Souveränität des Landes stabilisieren und gleichberechtigt mit den anderen Ländern auch den internationalen Schauplatz betreten.

Der Aufbau eines starken Landes ist auch Unterpfand für die Ent­wicklung der progressiven Demokratie. Unsere Demokratie wird ein zuverlässiges Fundament haben, sich festigen und ihre Lebenskraft noch besser entfalten, wenn das Land stabil ist.

Voraussetzung für das Entstehen eines starken Landes ist, nach der Schaffung der Volksmacht die nationale Wirtschaft wiederherzustellen, die ökonomische Basis zu stärken und das Erblühen und die Entwick­lung der Nationalkultur zu sichern. Ohne die Wirtschaft und Kultur vo­ranzubringen, kann man weder das Gedeihen und die Entwicklung des Landes und der Nation erwarten noch die vollständige Unabhängigkeit erreichen. Darum müssen wir vor allem die vom japanischen Imperia­lismus zerstörte Wirtschaft des Landes wiederherstellen und weiterent­wickeln und die von ihm ruinierte Nationalkultur wieder beleben und ausbauen.

Der Aufbau unserer Wirtschaft und Kultur muß natürlich in enger Verbindung mit den Interessen aller Bevölkerungsschichten erfolgen. Wir müssen uns anstrengen, um die Wirtschaft und Kultur als Ganzes zu entwickeln. Andererseits sollten wir aber auch hinlängliche Bedingun­gen für die Verbesserung der Lage der verschiedenen Bevölkerungs­schichten schaffen, indem wir ihre Interessen berücksichtigen.

Wir sind verpflichtet, den Arbeitern Arbeitsplätze zu sichern, die Überreste der imperialistischen und kolonialen Unterdrückung und Aus­beutung, worunter die Arbeiter litten, ein für allemal zu beseitigen und ihre Arbeitsbedingungen ständig zu verbessern. Die hohen Pacht- und Wucherzinsen, die die Bauern zu tragen haben, sind ihnen zu erlassen. Durch die Bodenreform ist das Prinzip durchzusetzen: Nur wer Ackerbau betreibt, kann über den Boden verfügen. Den mittleren und kleinen Händ­lern und Unternehmern ist eine Tätigkeit nur soweit zu sichern, daß sie die Interessen des Staates nicht beeinträchtigen. Wir müssen die werktäti­gen Massen von den schweren Bürden der Steuern befreien, indem wir die vielen Steuern abschaffen, ein gerechtes Steuersystem und eine ver­nünftige Einkommenssteuer festlegen. Den Intellektuellen ist ebenfalls der Weg für ihre ungehinderte wissenschaftliche und technische For­schung und die Anwendung ihrer Kenntnisse freizulegen. Den Söhnen und Töchtern der armen Familien sind der Schulbesuch und ein sorgen­freies Lernen zu ermöglichen. Auch die patriotischen Persönlichkeiten verschiedener Schichten sollen entsprechend ihren Neigungen und Fähig­keiten arbeiten und ihre Talente entfalten können.

Die Verbesserung der Lage der verschiedenen Bevölkerungsschich­ten hat große Bedeutung für den Aufbau eines neuen Korea. Nur auf diesem Wege können wir die Schaffung eines neuen Korea unzweideu­tig als eine Angelegenheit der Volksmassen selbst machen, die schöpfe­rische Initiative und die Aktivitäten der Massen wirksam werden lassen und ein starkes Land aufbauen.

Es ist unsere Aufgabe, das ganze Volk zu mobilisieren, um die Neu­gestaltung des Vaterlandes kraftvoll voranzutreiben, einen starken, de­mokratischen Staat zu schaffen, in dem für alle das Bekleidungs- und Ernährungsproblem gelöst und es jedem möglich ist, zu arbeiten und zu lernen.

5) Revolution. Ein weiteres wichtiges Merkmal unserer Demokratie besteht in ihrem revolutionären Charakter.

Der Verlauf der geschichtlichen Entwicklung der Menschheit ist ein revolutionärer Prozeß zur Überwindung der Hinterlassenschaft der über­lebten Gesellschaft. Ohne eine Revolution ist es nicht möglich, die Ge­sellschaft zu entwickeln und einen souveränen und unabhängigen Staat aufzubauen.

Unsere Demokratie fordert, auf allen Gebieten – Politik, der Wirt­schaft, der Kultur und der Ideologie – die Überreste der brutalen Koloni­alherrschaft des japanischen Imperialismus und auch die des Feudalismus, die der demokratischen Bewegung Schaden zufügen, konsequent zu be­kämpfen und auszumerzen. Das entspringt dem Wesen unserer Demokra­tie, die den Reformismus ablehnt und nach der Revolution strebt.

Wir müssen die antiimperialistische und antifeudale demokratische Revolution für die Schaffung eines demokratischen, souveränen und unabhängigen Staates verwirklichen. Vor allem geht es darum, die noch verbliebenen Kräfte des japanischen Imperialismus und des Feudalis­mus konsequent auszuschalten, das Erbe der faschistischen kolonialen Herrschaftsmaschinerie des japanischen Imperialismus für immer zu beseitigen, eine wahre Volksmacht zu errichten und die in den Köpfen der Menschen noch vorhandenen ideologischen Überbleibsel des japa­nischen Imperialismus und des Feudalismus mit der Wurzel auszumer­zen. Zudem sind verschiedene demokratische Reformen erforderlich: Bodenreform, Verstaatlichung der wichtigsten Industriezweige, Gleichberechtigung von Mann und Frau und Demokratisierung der Bildung und Justiz und andere.

Die strikte Verwirklichung der antiimperialistischen und antifeudalen demokratischen Revolution wird es verhindern, daß die japanischen Impe­rialisten und die Imperialisten anderer Länder ihre raubgierigen Hände erneut nach unserem Land ausstrecken. Nur solch eine Revolution kann es auch ermöglichen, die Souveränität und Unabhängigkeit und die nationale Einheit zu erreichen, demokratische Freiheiten zu erringen und ein starkes Land aufzubauen.

Zur Zeit gibt es aber Leute, die auf den Kampf gegen die Überreste des japanischen Imperialismus und des Feudalismus verzichten wollen. Man­che dieser Elemente behaupten: „In Korea sind die Überreste des japani­schen Imperialismus bereits beseitigt.“ Andere unter ihnen predigen sogar, daß man einen souveränen und unabhängigen Staat erst dann aufbauen könne, wenn man mit den projapanischen Elementen und Vaterlandsverrä­tern zusammenarbeitet. Wir bestehen darauf, die projapanischen Elemente und die Vaterlandsverräter zu vertreiben und das Eigentum der japani­schen Imperialisten und ihrer Helfershelfer zu konfiszieren und zu nationa­lisieren. Doch manche Elemente schwätzen davon, daß „das zu radikal ist“, daß man „beim Aufbau des Staates allen die Hand reichen muß“, bringen dem Feind der Nation unsinniges Mitgefühl entgegen und legen ihre schützende Hand auf sie.

Auf diese Weise lehnen sie die Revolution ab und fordern eine prinzipienlose Einheit; diese inkonsequenten Auffassungen und politi­schen Ansichten behindern ganz erheblich die Einheit und Geschlossen­heit der Nation und sind außerordentlich schädlich für das Entstehen eines Staates.

Unsere Demokratie gebietet, Schulter an Schulter mit den antiimperia­listischen Demokraten zu gehen, den Feinden des Volkes aber unversöhn­lichen Kampf anzusagen. Wir müssen natürlich für den erfolgreichen Aufbau unseres Staates die breiten Massen zusammenschweißen und uns mit den verschiedensten Bevölkerungsschichten vereinen. Deshalb darf man aber nicht versuchen, sich auf einen prinzipienlosen Zusam­menschluß einzulassen. Mit den patriotischen Schichten, die das Vater­land und die Nation lieben, müssen wir Hand in Hand gehen, aber nie­mals mit den projapanischen Elementen und Vaterlandsverrätern. Ist es denkbar, mit den „Herren Politikern“ zusammenzuarbeiten, die Vaterland und Nation verrieten und mit den japanischen Generalgouverneuren wie Koiso und Abe unter einer Decke steckten, von einer „Autonomie der Nation“ und dergleichen redeten? Es erübrigt sich zu sagen, daß es nicht dem Vaterland und dem Volk dient, d. h. keine richtige Handlung ist, ih­nen die Hand zu reichen.

Die projapanischen Elemente und Vaterlandverräter versuchen heute hektisch, ihre früheren Positionen zurückzuerobern. Sie reden davon, daß unser Land „sich einer Treuhandherrschaft fügen müsse“, und verüben Verrat an den Grundinteressen der gesamten Nation. Das sind eben dieje­nigen, die die koloniale Politik des japanischen Imperialismus untertänigst unterstützten und im Komplott mit ihm und unter dem Vorwand des ag­gressiven „Großostasiatischen Krieges“ unsere Menschen ermordeten und ihnen ihr Hab und Gut raubten. Die Gestaltung eines neuen Korea ist nicht möglich, solange diese Subjekte nicht vertrieben sind.

Die breiten Volksmassen in Korea sind nicht gewillt, mit den Schein­demokraten zusammenzugehen, die sich als Patrioten ausgeben. Im Gegen­teil, sie wollen, daß wir diese Elemente verjagen, die antiimperialistischen, patriotischen und demokratischen Parteien und die Persönlichkeiten ver­schiedenster Schichten vereinen und auf dem Weg des ehrlichen Zusam­menschlusses unsere Revolution auf den richtigen Weg führen. Nur wenn wir mit aller Konsequenz die projapanischen Elemente, die Vaterlandsver­räter und die anderen Reaktionäre bekämpfen und durch einen wahren Zu­sammenschluß der Bevölkerungsschichten, die das Land und die Nation lieben, den Aufbau des Landes aktiv voranbringen, können wir die Gefälle zwischen Nord- und Südkorea überwinden und ein neues, demokratisches, vereinigtes und starkes Korea aufbauen.

Wir müssen alle gegen die Revolution gerichteten Tendenzen ent­schieden zurückweisen und die breiten Volksmassen fest zusammen­schließen und somit beharrlich um einen folgerichtigen Verlauf unserer Revolution ringen. Mit einem guten Ergebnis müssen wir die antiimperi­alistische und antifeudale demokratische Revolution verwirklichen und einen demokratischen, souveränen und unabhängigen Staat ins Leben rufen.

6) Frieden. Unsere Demokratie strebt nach Frieden.

Die bürgerliche Demokratie ist ein Mittel, um zwischen den Völkern Zwietracht zu säen und einen Eroberungskrieg gegen andere Länder zu entfesseln. Unsere Demokratie hingegen hat zum Ziel, Harmonie und Freundschaft zwischen den Völkern herbeizuführen und den Frieden zu erhalten und zu festigen.

Unsere Demokratie dient den breiten Volksmassen und strebt da­nach, eine neue Gesellschaft aufzubauen, in der die Bevölkerung ein freies und glückliches Leben führen kann. Ihr wichtiges Ziel ist es des­halb, Hader und Feindschaft zwischen den Völkern konsequent zurück­zuweisen und um den Frieden im Land und in der Welt zu ringen. Wir können durch beharrliches Ringen um die Durchsetzung unserer Demo­kratie wesentlich dazu beitragen, den Frieden in unserem Land zu si­chern und den Weltfrieden zu erhalten.

Wir müssen uns wirksam betätigen, um entsprechend den Forderun­gen der progressiven Demokratie den Frieden des Landes zu erhalten und zu stabilisieren. Hierbei kommt es vor allem darauf an, daß alle Be­völkerungsschichten und demokratischen Parteien zueinander gute Be­ziehungen unterhalten und durch gegenseitige Hilfe am Aufbau des Staates mitwirken.

Manche Leute begehen heute schädliche Handlungen, die die Ein­tracht und Geschlossenheit zwischen den Menschen stören. Die einen oder anderen Kommunisten treten ohne jeden Grund gegen die Demo­kratische Partei (DP) auf. Die Gegner des Volkes, der KP und der De­mokratie unter den Mitgliedern der DP müssen wir natürlich konsequent bekämpfen. Es ist aber falsch, wegen einer geringen Anzahl übler Ele­mente in dieser Partei gegen die DP als Ganzes aufzutreten. Ebenso ist es äußerst gefährlich, daß manche Mitglieder der DP unbegründet die KP ablehnen.

Verstärkt sich die Tendenz, prinzipienlos andere Parteien zurückzu­weisen und gegen diese aufzutreten, so wird das schließlich den Interes­sen und Forderungen der breiten werktätigen Massen zuwiderlaufen, unsere demokratische Bewegung und die Geschlossenheit der Volks­massen stark behindern. Das zur Zeit hin und wieder zu beobachtende Auftreten mancher Leute gegen andere Parteien ist falsch. Das kann zu der folgenschweren Situation führen, daß Konflikte zwischen den ver­schiedenen Bevölkerungsschichten entstehen und der Frieden in unse­rem Land gestört wird.

Mit besonderer Aufmerksamkeit müssen wir Tendenzen bekämpfen, die der Erhaltung des Friedens in Korea Hindernisse in den Weg legen. Das Manöver der Reaktion, den Frieden im Land zu untergraben, müssen wir strikt durchkreuzen und gleichzeitig alle Erscheinungen konsequent überwinden, die zwischen den verschiedenen Bevölkerungsschichten und zwischen Parteien Hader und Zwietracht säen könnten. Auf diesem Weg haben wir alle patriotischen Menschen, ganz gleich, welcher Partei sie angehören und wer sie auch sein mögen, unter dem Banner der Demokra­tie fest zusammenzuschließen und gemeinsam voranzuschreiten und so­mit zu erreichen, daß sie ihrer Verantwortung beim Aufbau des Staates gerecht werden.

Wir sind verpflichtet, für den Frieden in unserem Land und zugleich für den Weltfrieden zu kämpfen.

Frieden kommt nicht von selbst, er muß erkämpft werden. Die Welt­reaktion lauert ständig auf eine Chance, andere Länder zu überfallen. Sie versucht hartnäckig, den Frieden zu stören und die Völker in den Schrecken eines Krieges zu stürzen. Ohne den Kampf gegen diese ag­gressiven Kräfte ist es ausgeschlossen, den Weltfrieden zu erhalten und zu festigen. Nur wenn die friedliebenden Völker der ganzen Welt mit vereinter Kraft die Machenschaften der Weltreaktion, die den Frieden untergraben will, auf Schritt und Tritt entlarven und sie intensiver be­kämpfen, kann der Weltfrieden dauerhaft sein.

In Freundschaft und im festen Zusammenschluß mit den friedlieben­den Völkern der ganzen Welt müssen wir den Kampf gegen den Imperi­alismus und die Kräfte des Krieges aktivieren und bedeutend zum Welt­frieden beitragen.

Das oben Dargelegte ist meiner Meinung nach im Wesentlichen das Merkmal unserer Demokratie.

3. Beschleunigen wir die Arbeit zur Bildung der Volksmacht

Das koreanische Volk hat voller Freude über die Freiheit und Befrei­ung den Weg für den Aufbau eines neuen Korea eingeschlagen und ringt darum, den kolonialen Herrschaftsapparat des japanischen Impe­rialismus zu zerschlagen und eine wahre Volksmacht zu schaffen. Es ist unsere Aufgabe, den Elan der Volksmassen beim Aufbau des Staates richtig zu organisieren und zu mobilisieren und die Arbeit zur Bildung der Volksmacht zu intensivieren.

Zur Schaffung der Volksmacht müssen wir den Volkskongreß aller Ebenen einberufen. Dabei geht es nicht darum, die Volksmassen in die Irre zu leiten und Karriere zu machen. Der Volkskongreß zielt darauf, durch Willensbekundung der Massen Vertreter des Volkes auszuwählen.

Der einzuberufende Volkskongreß wird ein großes Ereignis im poli­tischen Leben unseres Volkes sein. Damit wird unser Volk zum ersten Mal in seiner Geschichte unmittelbar an der Schaffung der Staatsmacht teilnehmen und klar erkennen, daß es der Herr der Macht ist. Der Volkskongreß wird uns große Gelegenheit geben, den Reifegrad unseres Volkes zu prüfen, und zudem wird er eine erhabene politische Schule sein, die dazu beiträgt, die Volksmassen politisch bewußt zu machen und deren Enthusiasmus beim Aufbau des Staates zu verstärken.

Wir sind verpflichtet, auf dem Volkskongreß aller Ebenen Menschen durch die Willensäußerung des Volkes zu wählen, denen man vertrauen kann, daß sie in allen Machtorganen von der Gemeinde bis hin zu den zentralen Stellen dem Volk ergeben dienen werden. Auf diesem Weg müssen wir die Volkskomitees aller Ebenen bilden und die Zentralregie­rung gründen.

Nur eine Macht, die auf der Grundlage der Willenserklärung des ganzen Volkes entsteht, wird eine wahre Volksmacht sein, die den Inte­ressen des Volkes dient. Allein die Macht, die sich aus den auf dem Volkskongreß gewählten Vertretern des Volkes zusammensetzt, ist be­fugt, das ganze koreanische Volk zu repräsentieren, eine vollberechtigte Staatsmacht zu sein und die Volksmassen zum Aufbau eines vereinten starken Landes zu mobilisieren.

Die volksfeindlichen und antidemokratischen Elemente trachten da­nach, die Einberufung des Volkskongresses zu sabotieren und nach ihrem Ermessen eine Regierung zu etablieren. Sie beabsichtigen die Bildung eines Ministerkabinetts, dessen Mitglieder von einigen Parteivorsitzenden ernannt bzw. abberufen werden können. Das hat nichts mit einer wahren politischen Bewegung im Interesse des Volkes zu tun. Das ist ein unsin­niges volksfeindliches Manöver, das ausschließlich einem Machtstreben entspringt.

Unsere Pflicht ist es, all die Machenschaften der volksfeindlichen und antidemokratischen Elemente konsequent zu vereiteln und einen energischen Kampf zu führen, um auf der Basis des Volkskongresses die demokratische Zentralregierung zu bilden. Vor allem gilt es, in Nordkorea, wo günstige Voraussetzungen für die Neugestaltung des Vaterlandes gegeben sind, die Arbeit zur Schaffung einer Volksmacht zu beschleunigen und ein stabiles Fundament für die Bildung einer de­mokratischen Zentralregierung zu legen.

Wir sollten das Wesen der progressiven Demokratie klar erkennen und sie unbedingt verwirklichen, auf diesem Weg eine demokratische Volksrepublik, eine wahre Volksmacht, schaffen und ein neues, starkes, demokratisches Korea aufbauen.