5. November 1945 // Artikel
Kim Il Sung // Gespräch mit Teilnehmern der nationalen Bewegung

Gespräch mit Teilnehmern der nationalen Bewegung

5. November 1945

Quelle: Kim Il Sung, Gesammelte Werke, Band 1


Sie haben, wie ich glaube, in der Vergangenheit im In- und Ausland viele Prüfungen bei Ihrer Teilnahme an der antijapanischen Bewegung für die Wiedergeburt des Landes bestehen müssen.

Unter der Kolonialherrschaft des japanischen Imperialismus lebte das koreanische Volk, zahllosen Beleidigungen und Erniedrigungen ausgesetzt, 36 Jahre lang in Hunger und Elend. Viele unserer Landsleute verließen ihre ans Herz gewachsenen Heimatorte, gingen auf der Suche nach einem besseren Dasein in die Fremde mit ihren unbekannten Ber­gen und Flüssen, weil sie ihres Vaterlandes beraubt waren.

Aber das koreanische Volk gab seine nationale Gesinnung nicht auf und erhob sich kühn zum Kampf gegen die japanischen Imperialisten. Die Revolutionäre und das patriotisch gesinnte Volk in Korea kämpften jahrelang in verschiedenen Formen für die Befreiung und Unabhängig­keit des Landes mit der Waffe in der Hand wie auch in der Illegalität. In diesem Kampf hatten sie schwere Prüfungen zu bestehen und vergossen viel Blut. Durch einen langen blutigen Kampf gegen den japanischen Imperialismus vollbrachte unser Volk schließlich die große historische Sache, die Wiedergeburt des Vaterlandes.

Da jetzt das Land befreit ist, kehren unsere Landsleute, die gezwungen waren, in der Fremde umherzuirren, wieder in die Geborgenheit des Va­terlandes zurück. In der Vergangenheit hatten sie, denen das Los heimat­loser Sklaven zuteil wurde, voller Leid mit bitteren Tränen in den Augen die Flüsse Amnok und Tuman oder die Genkaisee überquert, und heute betreten sie, begeistert von der Befreiung, mit Freudentränen wieder das Vaterland. Auch die Patrioten, die in dem großen Vorhaben, die Unab­hängigkeit Koreas zu erringen, ins Ausland gingen und dort kämpften, haben ihre nationale Gesinnung bewahrt und kehren jetzt zurück, erfüllt von dem brennenden Wunsch, den Aufbau eines neuen Staates zu unter­stützen. Unser Vaterland ist heute erfüllt von überschäumender Freude unseres befreiten Volkes und von einer Woge seiner Begeisterung, mit der es ein neues Leben schaffen will

Vor unserem Volk steht heute als wichtigste Aufgabe der Aufbau ei­nes souveränen und unabhängigen demokratischen Staates. Für diese Aufgabe werden wir hart arbeiten müssen. Die Neugestaltung des Vater­landes ist keine leichte Sache, sie ist mühsam und mit einem schweren und komplizierten Kampf verbunden. Doch was auch immer sein mag, wir müssen festen Schrittes diesen von uns gewählten Weg gehen, kühn alle Hindernisse und Schwierigkeiten überwinden und die große Sache, den Aufbau unseres Staates, erfolgreich vollenden.

Um ein neues, demokratisches Korea zu schaffen, müssen wir die Überreste des japanischen Imperialismus konsequent beseitigen. Die projapanischen Elemente, die in der Vergangenheit zu Helfershelfern der japanischen Imperialisten wurden und unsere Heimat und Nation verrieten, unternehmen gegenwärtig verzweifelte Versuche, ihre verlo­ren gegangenen Positionen wiederherzustellen. Sie greifen zu allen nur denkbaren Intrigen und Machenschaften, um den Aufbau eines neuen Korea zu stören; sie tun alles nur Mögliche, um unser Land erneut in eine Kolonie des Imperialismus zu verwandeln.

Wenn wir unter diesen Bedingungen die Überbleibsel des japani­schen Imperialismus unbestraft wirken lassen, wird es uns nicht gelin­gen, den Staat mit Erfolg aufzubauen, werden wir nicht imstande sein, ein neues, demokratisches Korea zu gestalten. Das ganze Volk muß die projapanischen Elemente mit geeinten Kräften konsequent unschädlich machen und schneller ein neues Korea aufbauen.

Bei der Neugestaltung des Vaterlandes kommt es zuallererst darauf an, daß wir eine richtige Einstellung zum Aufbau des Staates beziehen. Wir müssen uns konsequent darauf einstellen, daß wir den Staat nur mit unseren eigenen Kräften aufbauen werden. Mit dieser Einstellung wer­den wir imstande sein, die vollständige Unabhängigkeit des Landes zu erlangen und einen mächtigen, souveränen und unabhängigen demokra­tischen Staat mit Erfolg aufzubauen, in dem unser Volk frei und glück­lich leben wird.

Jede Nation, die die volle Unabhängigkeit ihres Landes, seine Festi­gung und Entwicklung erreichen will, muß unbedingt folgende Position einnehmen: an die eigenen Kräfte glauben und alles aus eigener Kraft ent­scheiden. Wenn man nicht an seine eigenen Kräfte glaubt und sich auf fremde Hilfe stützt, wird man nicht in der Lage sein, erfolgreich einen Staat zu schaffen. Es gibt in der Geschichte nicht ein einziges Beispiel dafür, daß das Volk irgendeines Landes mit Unterstützung fremder Kräfte die wahre Unabhängigkeit seines Staates und die Blüte der Nation errun­gen hätte.

Wenn man sich auf äußere Kräfte verläßt, geht das Land zugrunde. Wir dürfen uns keineswegs auf fremde Kräfte stützen und etwa jenen Weg beschreiten, den in der Vergangenheit verderbte und unfähige Feudalherrscher wählten. Unser Volk darf bei der Neugestaltung sei­nes Vaterlandes nur seinen eigenen Kräften vertrauen. Dies muß die feste Überzeugung unseres Volkes sein, das jetzt den Weg des Auf­baus des Staates beschreitet.

Einige Leute neigen dazu, die Schaffung eines unabhängigen korea­nischen Staates mit Hilfe anderer Länder in die Wege zu leiten. Gewisse Personen setzen ihre Hoffnung auf die US-Truppen, die in Südkorea stationiert sind. Das ist ein kompletter Unsinn.

Die USA, ein imperialistischer Staat, haben übrigens in der Ge­schichte wiederholt die Souveränität fremder Länder angetastet. Es gibt in der Welt zahlreiche Länder, die von den USA an der Leine geführt werden, doch es gibt kein einziges Land, das mit ihrer Hilfe seine Un­abhängigkeit errungen hätte.

Die in Südkorea stationierten US-Truppen unterdrücken die patrioti­schen Aktionen der südkoreanischen Bevölkerung und bahnen gleich­zeitig den projapanischen Elementen und Landesverrätern den Weg zur Restauration. So sind heute die Feinde unseres Volkes, die projapani­schen Elemente und die Verräter an der Nation, ungestraft in Südkorea am Ruder.

Die eigene Geschichte der USA und das Vorgehen der in Südkorea stationierten US-Truppen lehren, daß wir uns über die USA keinesfalls Illusionen machen dürfen. Die Geschichte der USA ist besudelt mit Aggressionen und Raubzügen. Die heute in Südkorea stationierten US­Truppen enthüllen allmählich ihr wahres Gesicht, das Gesicht von Ag­gressoren. Mit Illusionen über die USA, mit Versuchen, ein neues Land mit „Unterstützung“ ihrer Truppen zu gestalten, wird man keinen souveränen und unabhängigen Staat errichten können, sondern wie­derum zu einem heimatlosen Sklaven werden, so wie in der Vergan­genheit.

Wir müssen mit aller Entschiedenheit gegen die schädliche Auffas­sung derjenigen auftreten, die versuchen, den Staat mit „Hilfe“ anderer Länder aufzubauen, müssen beharrlich für den Aufbau eines neuen Korea kämpfen und uns dabei ausschließlich auf unsere eigenen Kräfte stützen.

Die koreanische Nation wird durchaus imstande sein, einen mächti­gen, souveränen und unabhängigen demokratischen Staat mit eigenen Kräften zu schaffen. Das koreanische Volk ist ein kluges und mutiges Volk, das eine fünftausendjährige Geschichte hat, ein Volk, das durch seinen Patriotismus stark ist und entschlossen um sein Land und seine Nation kämpft. Das koreanische Volk erhebt sich heute, damit sich das koloniale Sklavendasein der Vergangenheit nie mehr wiederholt; es ist erfüllt vom begeisterten Wunsch, einen Staat zu gründen. Unser Land ist reich an Naturschätzen. Wir haben unerschöpfliche Lagerstätten von Bodenschätzen, reiche Ressourcen an Wasserkraft und Meeresproduk­ten. Wenn wir die unversiegbaren Kräfte des ganzen Volkes tatkräftig mobilisieren und die Reichtümer des Landes rationell erschließen und nutzen, werden wir all unsere Aufgaben durchaus lösen und zweifellos ein neues, mächtiges, zivilisiertes Land auf unserem Heimatboden er­richten können.

Um einen souveränen und unabhängigen demokratischen Staat mit eigenen Kräften aufzubauen, muß sich unser ganzes Volk unter dem Banner der Demokratie eng zusammenschließen. Ein neues Korea kann nur dann erfolgreich entstehen, wenn alle Menschen, die das Land lie­ben und sich um das künftige Schicksal der Nation sorgen, geeint zu einem Ganzen, zum Aufbau des Staates schreiten.

Folglich müssen alle sich zusammenschließen, die den Aufbau eines neuen, demokratischen Korea wünschen. Arbeiter, Bauern, alle Schich­ten der patriotischen und demokratischen Kräfte einschließlich der nati­onalen Bourgeoisie sind aufgerufen, die Reihen zu schließen und ihre Kräfte zur Neugestaltung des Vaterlandes zu vereinigen.

Da jetzt die gesamte Nation fest geschlossen den Staat schaffen muß, ist es eine Forderung, daß sich zuallererst alle Teilnehmer des Kampfes gegen die japanischen Imperialisten zusammenschließen. Sie müssen ihre Kräfte vereinigen und den Aufbau des Staates in Angriff nehmen, ganz gleich, an welcher Bewegung sie früher beteiligt waren – an der kommunistischen oder der nationalistischen – und wo sie kämpften – innerhalb oder außerhalb des Landes. Nur dann wird es möglich sein, die Geschlossenheit der patriotischen und demokratischen Kräfte zu fes­tigen und das Vaterland erfolgreich neu aufzubauen.

Dennoch gibt es heute einige Nationalisten, die die Kommunisten ver­leumden und die Zusammenarbeit mit ihnen ablehnen. Diese falsche Ein­stellung kann man damit erklären, daß sie keine richtige Vorstellung von den Kommunisten haben. Selbst in den finstersten Jahren der Kolonialherr­schaft des japanischen Imperialismus gedachten die wahren Kommunisten Koreas tief in ihren Herzen des heiligen Schwures, die Wiedergeburt des Vaterlandes zu erringen. Unbeirrt führten sie den langen blutigen und sieg­reichen Kampf für die Befreiung und Freiheit des Volkes. Niemand ist solch ein wahrer Patriot wie die Kommunisten, und keiner liebt das Land und die Nation so leidenschaftlich wie sie.

Wir dürfen uns nicht von den Intrigen der Reaktionäre täuschen lassen, die die Neugestaltung des Vaterlandes verhindern wollen. Im Interesse ihrer finsteren politischen Ziele gießen die Feinde des Volkes Kübel schmutziger Verleumdungen über die Kommunisten aus und versuchen, durch alle möglichen Umtriebe unsere demokratischen Kräfte zu spalten. Wir müssen die Machenschaften der Feinde konsequent durchkreuzen und so schnell wie möglich alle demokratischen Kräfte zusammenschließen.

Es kann auf dem Wege zum Aufbau des Staates keinen Grund geben, daß sich Kommunisten und national gesinnte Kräfte nicht zusammen­schließen könnten. In der Vergangenheit führten sie Schulter an Schulter den antijapanischen Kampf für die Wiedergeburt des Vaterlandes. Im Interesse der Freiheit, des Glücks und des Erblühens unserer Nation müssen sich alle fest vereinen, um mit gemeinsamen Kräften ein neues, demokratisches Korea aufzubauen. Die Geschlossenheit ist der einzig richtige patriotische Weg im Interesse des Landes und der Nation, der wahre Weg zur Schaffung eines Staates, zum Aufbau eines neuen, de­mokratischen Korea. Wenn sich die national gesinnten Kräfte aufrichtig um das Schicksal des Vaterlandes und der Nation sorgen, müssen sie Hand in Hand mit den Kommunisten gehen und mit ihnen zusammenar­beiten.

Wir haben große Hochachtung vor den patriotisch gesinnten Natio­nalisten, die bestrebt sind, einen aktiven Beitrag zum Aufbau des Staates zu leisten, und wir hoffen, daß sie eine große Rolle beim Aufbau eines neuen Korea spielen werden. Ihre Aufgabe ist es, eine richtige Vorstel­lung von den Kommunisten zu gewinnen und alle Anstrengungen darauf zu richten, daß alle Nationalisten ihre Kräfte mit uns, den Kommunis­ten, beim Aufbau des neuen Staates vereinen.

Ich hoffe auf Ihre aktive Mitarbeit bei den fruchtbringenden Vorha­ben, dem Aufbau eines Staates, der Schaffung eines mächtigen, souve­ränen und unabhängigen demokratischen Staates.