3. November 1945 // Artikel
Kim Il Sung // Über die Gründung einer Universität

Über die Gründung einer Universität

3. November 1945

Gespräch mit Funktionären des Bildungswesens


Quelle: Kim Il Sung, Gesammelte Werke, Band 1


Die japanischen Imperialisten betrieben in der Vergangenheit eine grausame koloniale Ausbeutung und Ausplünderung in Korea und be­raubten unser Volk gleichzeitig aller politischen Rechte und Freiheiten. Sie versperrten den Koreanern auch den Zugang zur Schulbildung. Sie zwangen dem koreanischen Volk nicht nur eine Bildung auf, die von kolonialer Versklavung geprägt war, sondern versuchten sogar, es in den Abgrund der Finsternis und Unwissenheit zu stürzen.

Die Folge dieser schädlichen Bildungspolitik der japanischen Impe­rialisten besteht darin, daß es in unserem Land jetzt wenig Schulen gibt. Nehmen wir z. B. Pyongyang, eine Großstadt mit 400 000 Einwohnern. Doch in der ganzen Stadt gibt es nur ein paar Mittel- und Fachschulen. Schon diese eine Tatsache genügt, um eine klare Vorstellung von den verhängnisvollen Folgen der kolonialen Versklavungspolitik der japani­schen Imperialisten zu erhalten.

Da jetzt das Land befreit ist, müssen wir die Überreste des auf die koloniale Versklavung gerichteten Bildungssystems der japanischen Imperialisten konsequent beseitigen und das Bildungswesen auf demo­kratischer Grundlage entwickeln.

Der Aufbau eines neuen Korea erfordert viele nationale Kader. Erst wenn wir über sie verfügen, können wir den Staat schaffen und Wirt­schaft und Kultur des Landes weiterentwickeln. Heute jedoch herrscht bei uns empfindlicher Mangel an ihnen. Die Ausbildung einer großen Zahl nationaler Kader ist eine der dringendsten Fragen, die sich aus der Wirklichkeit unseres befreiten Vaterlandes ergeben.

Wir müssen, so schnell es geht, Kader ausbilden, die wir für die Neugestaltung des Vaterlandes brauchen. Neben einer großen Zahl von Grund- und Mittelschulen sind auch Hochschulen zu eröffnen. Doch läßt es die heutige Lage in unserem Land noch nicht zu, gleichzeitig viele Hochschulen einzurichten. Wir müssen deshalb zuallererst eine Universität gründen.

Die Gründung einer Universität ist unter den jetzigen Bedingungen unseres Landes äußerst notwendig. Mit einer Universität werden wir die reale Möglichkeit erhalten, Kader auszubilden, die in vielen Bereichen der Politik, Wirtschaft und Kultur eingesetzt werden können. Die Eröff­nung einer Universität hat den Vorrang; später können wir dann, darauf gestützt, kurzfristig viele andere Hochschulen gründen. Die Universität wird eine zuverlässige Basis für die nationale Kaderausbildung in unse­rem Land sein, die Alma Mater für Hochschulen, die ihre Tore in Zu­kunft öffnen werden.

Bei der Gründung der Universität werden zahlreiche schwierige Pro­bleme auftreten. Wir verfügen heute weder über Lehrkräfte noch über Erfahrungen bei der Leitung von Hochschulen noch über die für den Bau der Hochschulen erforderliche materiell-technische Basis. Unter diesen Bedingungen nicht einfach eine Fachhochschule, sondern eine ganze Universität aufzubauen, ist keinerlei einfache Sache. Doch jegli­chen Schwierigkeiten zum Trotz und um jeden Preis müssen wir eine Universität eröffnen.

Um eine Universität gründen und leiten zu können, ist vor allem das Problem in den Griff zu bekommen, das mit der Schaffung eines Lehr­körpers zusammenhängt. Dazu müssen wir zunächst sämtliche Wissen­schaftler aus allen Gebieten Nordkoreas zusammenrufen. Wenn das nicht ausreicht, werden wir progressive Wissenschaftler aus Seoul ge­winnen müssen. Dann dürfte das Lehrkörperproblem für die Universität, glaube ich, gelöst sein. Die finanziellen Mittel werden für die Gründung einer Universität knapp bemessen sein; doch ein Ausweg wird sich fin­den, wenn wir nur eindringlich an den patriotischen Enthusiasmus und die schöpferische Initiative der Volksmassen appellieren, die die Neu­gestaltung des Vaterlandes zu ihrem Anliegen gemacht haben.

In die Universität müssen wir die Söhne und Töchter des arbeitenden Volkes aufnehmen, denen es unter dem grausamen Kolonialregime des japanischen Imperialismus versagt blieb, eine Schule zu besuchen. Vor der Befreiung des Landes konnten Kinder von Arbeitern, Bauern und anderen werktätigen Massen, die kein Geld besaßen, keine Schule besu­chen, auch wenn sie noch so wissensdurstig waren. Da unser Land jetzt befreit ist, wollen sie ihren großen Drang nach Wissen befriedigen. Wir müssen die Tore unserer Universität weit für die Kinder des arbeitenden Volkes öffnen, die leidenschaftlich nach Wissen streben, und ihnen da­mit helfen, ihren sehnlichsten Wunsch zu erfüllen.

Die Universität muß künftig die Kinder des arbeitenden Volkes zu bemerkenswerten nationalen Kadern erziehen, die dem Vaterland und dem Volk treu ergeben sind. Zu diesem Zweck müssen die Studenten eine der Wirklichkeit unseres Landes entsprechende Ausbildung erhal­ten und sich so eine große Menge lebendigen Wissens aneignen, das sie für den Aufbau eines neuen Korea benötigen.

Auf diese Weise muß die Universität eine wahre Hochschule des Volkes werden, die den Söhnen und Töchtern des arbeitenden Volkes Bildung vermittelt und nationale Kader entwickelt, die den Werktätigen dienen.

Schon jetzt müssen wir beginnen, uns sorgfältig auf die Gründung einer Universität vorzubereiten.

Ich möchte diese Gelegenheit nutzen, um noch nachdrücklicher auf einige Fragen der Bildung einzugehen.

Die lernende Jugend muß sachgemäß ausgebildet und erzogen werden.

Dabei kommt es in erster Linie darauf an, die ideologischen Überreste der Kolonialherrschaft der japanischen Imperialisten aus ihrem Bewußt­sein zu bannen. Dieses Regime und ihre auf die koloniale Versklavung gerichtete Bildung hinterließen im Bewußtsein unserer lernenden Jugend zahlreiche Spuren, die der Ideologie der japanischen Imperialisten ent­stammen. Ohne diese Überreste der Ideologie, die die japanischen Impe­rialisten unserer lernenden Jugend einhämmerten, zu beseitigen, ist es unmöglich, sie zu würdigen Erbauern des Landes zu erziehen. Wir müs­sen uns aktiv dafür einsetzen, daß diese ideologischen Überbleibsel aus den Köpfen der Schüler verschwinden, und sie mit demokratischen Ideen ausrüsten.

Bei der Ausbildung und Erziehung der lernenden Jugend ist es ferner wichtig, ihren Nationalstolz und ihre nationale Würde zu stärken.

In der Vergangenheit haben die japanischen Imperialisten mit dem Ziel, die Koreaner zu ihren kolonialen Sklaven zu machen, davon ge­schwätzt, daß „Japan und Korea ein einheitliches Ganzes“ seien, daß die „Japaner und die Koreaner von den gleichen Vorfahren“ abstammten; sie entstellten die Jahrtausende alte Geschichte und glänzende Nationalkultur unseres Landes und traten sie mit Füßen, ja, sie versuchten sogar, den Gebrauch unserer Sprache und Schrift zu verbieten und den Koreanern die Namen wegzunehmen. Deshalb war es damals unserer lernenden Ju­gend in den meisten Fällen nicht möglich, Nationalstolz und nationale Würde in sich zu entwickeln.

Wir müssen die Schüler unsere Muttersprache und Schrift, die Ge­schichte und Geographie sowie die Kultur unseres Landes besser lehren. Dann wird die Jugend einen großen Nationalstolz und nationale Würde bekunden, ihr Vaterland und ihre Nation lieben und vorbehaltlos für den Aufbau eines neuen Korea kämpfen.

Um die Ausbildung und Erziehung der lernenden Jugend wirksamer zu gestalten, müssen wir eine große Anzahl fähiger Lehrkräfte heranbil­den, wofür Maßnahmen zu ergreifen sind. In Zukunft brauchen wir ein dichtes Netz von Mittelschulen; deshalb müssen wir auch eine Hoch­schule zur Ausbildung der Lehrkräfte für diese Schulen einrichten.

Während wir eine große Anzahl neuer Lehrkräfte ausbilden, sind wir verpflichtet, gleichzeitig die jetzigen Lehrkräfte in demokratischer Idee zu erziehen. Zur Weiterbildung der Lehrkräfte sind Lehrgänge einzurichten.

Um die Überreste des Bildungssystems der kolonialen Sklaverei aus der Zeit der Herrschaft des japanischen Imperialismus zu beseitigen und die Schüler mit Erfolg unterrichten zu können, sind neue Lehrbücher notwendig. Für Fächer wie Mathematik und Naturkunde können vorü­bergehend durchaus übersetzte Lehrbücher verwendet werden; doch Bücher über Muttersprache, Geschichte und Geographie müssen natür­lich neu geschrieben werden.

Wir müssen das Bildungswesen so entwickeln, daß wir in Zukunft die obligatorische Schulbildung einführen können. Wir sind also ver­pflichtet, allen unseren Jungen und Mädchen Schulbildung zu vermitteln und eine zuverlässige Stütze des Landes aus ihnen zu machen.

Wir haben nicht nur die Ausbildung der Jugend zu verbessern, son­dern auch der Erwachsenenbildung große Aufmerksamkeit zu schenken.

Die absolute Mehrheit der Menschen unseres Landes sind heute An­alphabeten. Um einen neuen mächtigen Staat aufzubauen, darf es im Lande keine Analphabeten geben. Wir müssen viele Lehranstalten für Erwachsene eröffnen, um allen Werktätigen die Möglichkeit zu geben, in unserer Sprache lesen und schreiben zu lernen.

Da heute das Land befreit ist, gibt es für uns auf dem Bildungssektor sehr viel zu tun. Es ist unsere Pflicht, alle Kräfte für die Entwicklung dieses Bereiches einzusetzen.