27. Oktober 1955 // Interviews
Kim Il Sung // Antworten auf Fragen des indischen Journalisten B. B. Prasaid, die er im Namen verschiedener indischer Zeitungen gestellt hat

Antworten auf Fragen des indischen Journalisten B. B. Prasaid, die er im Namen verschiedener indischer Zeitungen gestellt hat

27. Oktober 1955

Quelle: Kim Il Sung, Gesammelte Werke, Band 9


Frage: Worin bestehen der Kurs und der Weg für die Vereinigung Koreas?

Antwort: Diese Frage wurde schon bei verschiedenen Gelegen­heiten mehrmals behandelt.

In jüngster Zeit verändert sich die innere und äußere Lage zugunsten einer friedlichen Lösung der Koreafrage.

Die Vereinigung Koreas müssen die Koreaner auf friedlichem Wege selbst erreichen. Mit anderen Worten, diese Frage ist so zu lösen, daß eine einheitliche Zentralregierung auf der Grundlage gesamt­koreanischer Wahlen bei freier Meinungsäußerung der nord- und südkoreanischen Bevölkerung gebildet wird. Der Charakter der Staatsordnung ist auch nach dem Willen des ganzen koreanischen Volkes zu bestimmen. Die Methode, daß die eine Seite ihren Willen der anderen aufzwingt, darf nicht zugelassen werden.

Um dieses Ziel zu erreichen, müssen Nord- und Südkorea vor allem einen Weg zum Kontakt finden, sich gemeinsam um eine Vereinbarung bemühen und den großen Kreisen der Volksmassen die freie politische Betätigung sichern. Ferner ist es notwendig, alle ausländischen Truppen zum schnellen Abzug vom Territorium Koreas zu zwingen sowie die Streitkräfte Nord- und Südkoreas maximal zu reduzieren, damit der Waffenstillstand in Korea gefestigt und in einen dauerhaften Frieden verwandelt werden kann.

Das koreanische Volk fordert die eigenständige Lösung der Korea­frage und beachtet gleichzeitig den internationalen Zusammenhang mit dieser Frage.

Das koreanische Volk hofft, daß eine Fernostkonferenz mit weitgehender Beteiligung der interessierten Länder Asiens rasch einberufen und hier die Koreafrage beraten wird. Die indische Regierung unterstützt dies aktiv. Wir erkennen auch die Notwendigkeit an, daß die an der Koreafrage interessierten Länder die Verpflichtung übernehmen, sich um deren friedliche Lösung zu bemühen und den Frieden in Korea zu sichern.

Frage: Wie kommt der Wiederaufbau in Korea voran?

Antwort: Nach Abschluß des Waffenstillstandsabkommens in Korea im Juli 1953 hat sich unser ganzes Volk entschlossen erhoben, die durch die Greueltaten der Aggressoren zerstörte Volkswirtschaft möglichst rasch wiederaufzubauen. Die Regierung der Demokratischen Volksrepublik Korea hat den Dreijahrplan zum Wiederaufbau und zur Entwicklung der Volkswirtschaft für 1954-1956 aufgestellt, dessen Ziel darin besteht, im Planzeitraum in allen Volkswirtschaftszweigen das Niveau in der Vorkriegszeit zu erreichen. Dieser Plan wird jetzt erfolgreich erfüllt.

Wie bereits veröffentlicht, wurden 230 große und kleine Betriebe in der Bergbau-, Metall-, Maschinenbau-, Chemie-, Baustoff-, Textil­industrie und in anderen Zweigen der Schwer- und Leichtindustrie vollständig oder teilweise wiederaufgebaut und haben zu produzieren begonnen. Mehr als 60 vollständig mit moderner Technik ausgestattete große und kleine Betriebe wurden neu gebaut und ihrer Bestimmung übergeben. In der Maschinenbau-, Baustoff- und Textilindustrie werden bereits weit mehr Erzeugnisse als in der Vorkriegszeit produziert. Der Raum der Wohnungen, die in diesem Zeitraum von Staat und genossenschaftlichen Organisationen für die Arbeiter und Angestellten gebaut wurden, beträgt etwa 2 Mio. Quadratmeter. Außerdem sind viele private Wohnungen entstanden. Viele Schulen, Krankenhäuser und andere Gesellschaftsbauten wurden wiedererrichtet oder neu gebaut. Auch die Landwirtschaft wird rasch wiederhergestellt.

Der Dreijahrplan zum Wiederaufbau und zur Entwicklung der Volkswirtschaft wird insgesamt vorfristig erfüllt oder überboten.

Der Hauptfaktor dieser unserer Erfolge beim Wiederaufbau in der Nachkriegszeit besteht erstens darin, daß unser Volk beim Wieder­aufbau edlen patriotischen Geist entfaltete und unser Land über unerschöpfliche Naturreichtümer verfügt, und zweitens darin, daß wir von der Sowjetunion, der Volksrepublik China, von Polen, der Tschechoslowakei und der Deutschen Demokratischen Republik, von Ungarn und vielen anderen befreundeten Staaten uneigennützige Hilfe erhalten.

Frage: Welche Politik verfolgte Ihre Regierung, um die Bodenreform durchzuführen, und welche Erfolge waren dabei zu verzeichnen?

Antwort: Im August 1945 wurde Korea von der Kolonialherrschaft des japanischen Imperialismus befreit, und danach, im Frühjahr 1946, verwirklichte die vom Volk errichtete Macht in Nordkorea die Bodenreform. Gemäß dem Gesetz über die Bodenreform wurde das Land beschlagnahmt, das sich im Besitz der japanischen Imperialisten und ihrer Helfershelfer, der projapanischen Elemente und National­verräter, sowie der Gutsbesitzer, der Ausbeuter der Bauern, befand. Es wurde an die Bauern, die den Boden selbst bearbeiten, gemäß der Anzahl ihrer Familienangehörigen und der Arbeitskräfte unentgeltlich verteilt.

Als Ergebnis der Bodenreform haben die werktätigen Bauern unseres Landes beinahe eine Million Hektar Ackerland unentgeltlich erhalten. Folglich sind in Nordkorea die werktätigen Bauern Herren des Bodens geworden und die feudalen Ausbeutungsverhältnisse auf dem Dorf liquidiert worden.

Nach der Bodenreform drängte es die nordkoreanischen Bauern außerordentlich zur Produktion und verbesserte sich rasch ihre Lebenslage. In den 5 Jahren seit der Befreiung bis zum Kriegsbeginn haben fast alle Kleinbauern Nordkoreas das Lebensniveau der Mittelbauern erreicht. Aber der Krieg hat unseren Bauern ungeheure Leiden gebracht und unermeßlichen Schaden zugefügt.

Um die Landwirtschaft rasch wiederherzustellen, bauen heute unsere Bauern in großem Maßstab Bewässerungsanlagen, wobei sie von der Regierung aktiv unterstützt werden. Sie bemühen sich energisch darum, die Anbaufläche zu erweitern, die Ergebnisse der modernen Land- und Agrotechnik einzuführen. Deshalb wird die landwirtschaftliche Produktion unseres Landes künftig in kurzer Frist das Niveau in der Vorkriegszeit erreichen.

Frage: Worin besteht der Plan zur Industrialisierung Ihres Landes?

Antwort: Unser Land hat günstige Bedingungen für die Industrialisierung, da es über unerschöpfliche Naturreichtümer verfügt. Es besaß jedoch keine industrielle Basis für die Entwicklung der Nationalwirtschaft, was darauf zurückzuführen ist, daß es lange Zeit eine Kolonie der Imperialisten war. In den 5 Jahren nach der Befreiung hat die Volksmacht nicht wenige Industrieobjekte errichtet, um die nationale Industrie zu entwickeln, sie wurden jedoch durch den Krieg fast völlig zerstört. Deshalb braucht die Industrialisierung unseres Landes nicht wenig Zeit.

Im Zeitraum des Dreijahrplans zum Wiederaufbau und zur Ent­wicklung der Volkswirtschaft bereiten wir die Schaffung der Basis für die Industrialisierung vor, und im Zeitraum des ab 1957 beginnenden Fünfjahrplanes wird diese Basis gelegt werden.

Frage: Wie beurteilen Sie die indische Außenpolitik und welchen Eindruck haben Sie von Ministerpräsident Nehru?

Antwort: Unser Volk empfindet große Genugtuung, daß die indische Regierung entsprechend den weltweit bekannten fünf Prinzipien eine Friedenspolitik verfolgt, und stellt mit besonderer Befriedigung fest, daß sie sich ständig für die friedliche Lösung der Koreafrage interessiert und sich auch darum bemüht. Es hegt freundschaftliche Gefühle zum friedliebenden indischen Volk.

Herr Jawaharlal Nehru ist ein hervorragender Führer im Kampf des indischen Volkes gegen Kolonialismus und für die Festigung der nationalen Unabhängigkeit, ebenso ein leidenschaftlicher Kämpfer für die Sache des Friedens. Sein Wirken beeindruckt mich zutiefst, und ich achte es.